Artikel erschienen am 04.08.2023
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Herausforderung Klimatransformation

Die Rolle der Hausbank auf dem Weg zur Klimaneutralität

Von Dipl.-Kfm. Michael Maaß, Hamburg

Das macht sich auch bei der Zusammenarbeit mit der Hausbank bemerkbar. Sie braucht viele neue Daten. Doch sie kann auch wertvolle Impulse geben.

Der Veränderungsdruck auf Unternehmen und Verbraucher steigt – in den Heizungskellern, in den Garagen und auf den Dächern. Der anstehende Umbau ist in vielerlei Hinsicht historisch. Die Dekarbonisierung verlangt von der deutschen Wirtschaft bis 2030 Investitionen in Höhe von einer Billion Euro. Und für die energetische Sanierung der Wohnungen in Deutschland ist nochmal rund eine Billion Euro erforderlich.

Klassischer Strukturwandel dauerte bislang Jahrzehnte und beschränkte sich auf einzelne Branchen. Nun überschneiden sich die gesetzlichen „Restlaufzeiten“ mit den Austauschzyklen in den Betrieben. Hamburg will 2045 klimaneutral sein. Bis 2030 sollen 70% der CO2-Emissionen reduziert sein. 2030 – das sind gerade einmal sieben Jahre – also die Abschreibungsdauer eines Bohrhammers oder Leergutautomaten. Die Investitions- und damit die Finanzierungsentscheidungen, die wir heute treffen, haben also einen direkten Einfluss auf die Erreichung der Klimaziele.

Die meisten Unternehmerinnen und Unternehmer haben sich längst mit dem Energieverbrauch, dem Fuhrpark und Ressourcen-schonenden Produktionsprozessen beschäftigt. Doch nun kommen immer mehr gesetzliche Vorgaben ins Spiel. EU und Bundesregierung machen Tempo, um die Klimaziele zu erreichen. Ein wichtiger Treiber soll dabei die Finanzwirtschaft sein, die die Geldströme in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft lenkt und damit die gesetzlichen Vorgaben flankiert.

Zentrales Steuerungsinstrument ist die Taxonomie – also das Bewertungssystem, mit dem künftig alle wirtschaftlichen Aktivitäten in Bezug auf die Nachhaltigkeitsziele beurteilt werden. Die Banken bereiten sich derzeit darauf vor, perspektivisch jeden Kunden und jeden Neukredit, aber auch die laufenden Finanzierungen nach dieser Systematik zu erfassen. Was auf den ersten Blick wie eine bürokratische Zumutung wirkt, ist in der Praxis der erste Kontakt mit einer umfassenden Regulatorik, die über kurz oder lang auch direkt auf die Unternehmen zukommen wird. Denn nicht nur die Hausbank muss in Zukunft genauer auf ESG – also ökologische, soziale und Aspekte der Unternehmensführung – schauen. Auch alle übrigen Stakeholder wie Lieferanten, Kunden oder Investoren werden diese Fragen ihrerseits in den Blick nehmen.

Die neuen von der Hausbank geforderten Angaben werden also schon bald zum Standard im Geschäftsbetrieb. Sie sind daher eine gute Gelegenheit, sich frühzeitig mit der Materie zu beschäftigen, bevor das Kerngeschäft an anderer Stelle stockt.

Die Hausbank als Sparringspartner

In einer Kundenbefragung der Hamburger Sparkasse (Haspa) zu den unternehmerischen Herausforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftstransformation standen Information und Orientierung an der ersten Stelle. Die befragten Firmenkunden wünschten sich mehr Übersicht bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen und in der Fördermittellandschaft. Zu Recht: Die staatlichen Vorgaben und Anreize bleiben stark in Bewegung wie die intensiven Debatten über die Details der Wärme- und Verkehrswende zeigen. Wer hier den Überblick behalten will, muss sich täglich mit dem Thema beschäftigen. Viele Banken haben daher eigene Fördermittelspezialisten, die die regionalen, nationalen und internationalen Programme im Blick behalten und in die Finanzierungsstrategien der Kunden einbauen.

Ein zweites großes Hemmnis ist die Einschätzung des bürokratischen Aufwands und Investitionsbedarfs – auch aus der Ertragsperspektive. Denn klar ist, auf dem Weg zur Klimaneutralität liegen nicht nur Risiken, sondern auch gewaltige Geschäftschancen.

Die Banken sind hierbei aus vielerlei Gründen ein interessanter Sparringspartner. Erstens: Sie haben viele Fragestellungen bereits im eigenen Haus beantwortet. Schließlich sind sie selbst in Lieferketten eingebunden und unterliegen einer starken Bankenaufsicht. Zweitens: Sie haben ein vitales Eigeninteresse, dass ihr Kundenstamm zukunftsorientiert aufgestellt ist. Denn das eröffnet ihnen Spielräume für weitere Kreditgeschäfte. Drittens: Sie stehen mit einer Vielzahl von Unternehmen im Austausch, was ihnen einen exzellenten Überblick über den Status quo in den Branchen und Regionen verschafft. Dieser ermöglicht wertvolle Benchmarks zur Orientierung, aber auch die Vernetzung ihrer Kunden im Rahmen strategischer Partnerschaften.

Strategischer Dialog statt c

Höchste Zeit, den Dialog mit der Hausbank zu intensivieren. Denn die Zeiten eines isolierten Kreditantrags sind vorbei. Nur wer eine weitreichende Transparenz über die Vorhaben im Kontext der Unternehmensstrategie herstellt, kann künftig eine optimale Beratung und gute Konditionen erwarten.

Das beginnt mit einem intensiven Abgleich der Perspektiven. Bank und Kunde sollten die Meinung über Transformationsbedarf im Unternehmen weitgehend teilen – vom Sanierungsbedarf der Betriebsgebäude bis zum Anpassungsbedarf beim Geschäftsmodell. Auch Akquisitions- und Nachfolgefragen gehören auf den Tisch. Kurzfristige Einzelmaßnahmen können so in einen strategischen Investitionsplan überführt werden. Und breit aufgestellte, gut vernetzte Hausbanken können ihre volle Fachkompetenz einbringen. Der Bankberater kann die ESG-Risiken taxieren und künftig auch vermehrt die Konditionsgestaltung darauf abstellen. Und er kann Kontakte ins Spiel bringen, die auf dem Weg behilflich sind.

Der gemeinsame Blick auf die „transitorischen Risiken“ – also politische Veränderungen, Technologieschocks oder Veränderungen im Verbraucherverhalten – hilft bei der Standortbestimmung und schärft den Blick für künftige Herausforderungen. Dabei sollte nicht nur über ökologische, sondern auch über soziale und Governance-Fragen gesprochen werden. Ein Jahresgespräch mit der Bank kann dafür eine wertvolle Routine sein, zumal die Veränderungsdynamik eher noch zunehmen dürfte.

Übrigens – die Banken haben ihrerseits ein steigendes Interesse, den Anteil „grüner“ Finanzierungen und Kunden in den eigenen Büchern zu erhöhen. Unternehmerinnen und Unternehmer sollten daher nicht zögern, aussagekräftige Daten aktiv auf den Tisch zu bringen. Dadurch machen sie sich nicht nur für die Banken zu attraktiven Geschäftspartnern.

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