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Unternehmensnachfolge individuell gestalten

Von Detlef Siewert, Hannover

Was wird aus meiner Firma? Wie finde ich den geeigneten Nachfolger für meinen Betrieb – und welche Fördermöglichkeiten gibt es? Mehrere Tausend Unternehmen in Deutschland stehen jedes Jahr vor diesen Fragen, zahlreiche davon in Niedersachsen. Meist erfolgt die Übergabe aus Altersgründen. Gleichzeitig werden immer weniger Firmen innerhalb der Familie weitergegeben. Also müssen externe Nachfolger und Partner gesucht und gefunden werden. Sie müssen zum Unternehmen passen, damit die Erfolgsgeschichte der Firma weitergehen kann.

Rund 2 500 Familienunternehmen in Niedersachsen suchen einen geeigneten Kandidaten für die Nachfolge – und das jedes Jahr. Doch es gibt immer weniger potenzielle Nachfolger. Laut einer DIHK-Studie sehen 43 % der Senior-Unternehmer hier Schwierigkeiten.

Diese „Nachfolgelücke“ wird vermutlich noch größer werden. Gründe dafür sind

  • der demografische Wandel,
  • eine geringere Bereitschaft jüngerer Generationen, ein Unternehmen zu übernehmen sowie
  • hohe Finanzierungshürden.

Vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt auf der Suche nach der richtigen Form für die Nachfolge schlicht die Erfahrung. Die einst bevorzugte Nachfolgeregelung – die familieninterne Übertragung in Form einer Schenkung – geht zurück. Mehr als die Hälfte der Altunternehmer übergibt an Nachfolger außerhalb der Familie: entweder an Mitarbeiter (Management-Buy-out) oder externe Käufer (Verkauf oder Management-Buy-in).

Frühzeitig den idealen Kandidaten finden

Senior-Unternehmer können eine Übergabe aus Altersgründen i. d. R. gut vorhersehen und gut planen. Trotzdem suchen 80 % von ihnen erst weniger als zwei Jahre zuvor einen Berater auf. Wenn der Nachfolger das Unternehmen bereits gut kennt, fällt die Einarbeitung leichter. Er kann dann nach und nach in die Unternehmerrolle hineinwachsen.

Fachliche Qualifikation ist natürlich essenziell. Auch muss der Nachfolger bereit sein, Verantwortung zu übernehmen. Er muss kreativ sein und seine Mitarbeiter motivieren können. Der Jung-Unternehmer braucht Zeit, sich im Unternehmen zurechtzufinden. Die Kunden und Mitarbeiter muss er erst von sich überzeugen. Oft ist es sinnvoll, den abgebenden Unternehmer für sechs bis zwölf Monate mit an Bord zu lassen. Geschäftspartner und Kollegen werden so schonend beim Übergang mitgenommen.

Fundierten Businessplan aufstellen

Eine Übernahme will gut durchdacht sein. Der Nachfolger sollte sich intensiv mit den Chancen und Risiken des Vorhabens auseinandersetzen. Ein Businessplan gibt hierüber Auskunft. Er hilft dabei, Partner zu überzeugen und die Finanzierung zu sichern. Darüber hinaus ermöglicht er ein eigenständiges Controlling. Die Planung sollte auch nach der Übernahme ständig aktualisiert werden. Schließlich gilt es zu überprüfen, ob sich das Unternehmen plangemäß entwickelt. Zu Inhalten und Gestaltung eines Businessplans beraten die Gründungsexperten der Kammern (IHK, HWK) in Niedersachsen. Vor allem bei großen und komplexen Vorhaben empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einer qualifizierten Beratungsgesellschaft.

Empfehlungen für die Finanzplanung

Die Finanzierung ist immer eine Herausforderung. 43 % aller übernahmeinteressierten Unternehmer berichten hier von Schwierigkeiten. Ganz wichtig: Rechtzeitig anfangen! Holen Sie sich Rat und Informationen. Binden Sie neutrale Berater ein. Kammern und Banken kennen sich mit Firmenbewertungen aus und können Branchenbesonderheiten einschätzen. Verhandeln Sie intensiv und nachhaltig. Achten Sie darauf, dass Sie den Firmenwert in maximal zwölf Jahren zurückzahlen können. Beziehen Sie den Verkäufer ggf. durch geeignete Beteiligungsformen mit ein.

Oft müssen große Summen aufgebracht werden. Das erfordert Sicherheiten und angemessenes Eigenkapital. Fremdkapitalgeber fordern häufig ein angemessenes Eigenkapital. Auch für die künftige Stabilität des Unternehmens braucht es Spielraum, um auf positive wie negative Entwicklungen reagieren zu können. NBB und MBG begleiten Unternehmensnachfolgen in Niedersachsen. Die NBB hilft bei fehlenden Sicherheiten und die MBG stellt zusätzliche Eigenmittel zur Verfügung. Mit vorausschauender Planung fördern sie einen reibungslosen Übergang.

Best Practice – gut Ding will Weile haben

Unter den richtigen Bedingungen können Unternehmensnachfolgen wie am Schnürchen verlaufen. Das zeigt ein Beispiel aus Hannover. Ein hoch spezialisierter Handwerksbetrieb, fast 35 Jahre am Markt. Renommierte Kunden, Spezialwissen, über das sonst kaum einer verfügt.

Die Möglichkeit, dieses Wissen zu erhalten und weiterzugeben, war einer der Beweggründe eines langjährigen Mitarbeiters, sich 2012 für den großen Schritt zu entscheiden. Auch finanzielle Motive spielten eine Rolle – und die Gelegenheit, einmal selbst das Ruder in der Hand zu haben und etwas zu bewegen. Letztlich fand die Übergabe 2014 statt, aber in den zwei Jahren nach der Entscheidung hatten Altbesitzer und Nachfolger bereits systematisch darauf hingearbeitet. Diesen Punkt kann man kaum genug betonen: Die Unternehmensnachfolge ist kein Ereignis, sie ist ein Prozess. Ein Prozess, der Zeit braucht und aktiv gesteuert werden will.

Also wurden Banken und Kammern frühzeitig hinzugezogen, ebenso ein Steuerberater und ein Wirtschaftsprüfer. Sie haben Alteigentümer und Nachfolger beim Finden eines fairen Preises unterstützt. Denn auch wenn grundsätzliche Einigkeit besteht, ist die konkrete Kaufpreisfindung oftmals ein Problem. Da ist es hilfreich für alle Beteiligten, neutrale Berater einzubinden, die das Vertrauen aller Parteien genießen. Was Finanzierungsmöglichkeiten angeht, lohnt es sich, diverse Angebote einzuholen. Das braucht zwar seine Zeit und bindet Aufmerksamkeit, die man vielleicht lieber dem Tagesgeschäft widmen würde. Langfristig ist es das aber wert.

Erfahrung aus erster Hand

Den Betrieb als ehemaliger Mitarbeiter zu kennen, hatte eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Erstens kannte der angehende Chef bereits alle Mitarbeiter und Abläufe im Betrieb aus erster Hand.
  • Zweitens war er mit Kunden und Lieferanten vertraut.
  • Drittens, und vielleicht am wichtigsten, konnte frühzeitig Transparenz herrschen.

So wurde der Übergang für alle Beteiligten sanft gestaltet. Überhaupt hat es sich als wichtig erwiesen, alle Beteiligten rechtzeitig mit ins Boot zu holen. Denn: Veränderung führt immer zu Verunsicherung und Verunsicherung sollte man ernst nehmen. Das gilt für Kunden und Lieferanten, in erster Linie aber gilt es für Mitarbeiter. Sie sind die wichtigsten Verbündeten für einen reibungslosen Übergang. Ein weiterer Erfolgsfaktor: Der Alteigentümer hatte ein Interesse an einem problemlosen Übergang, vor allem aber am langfristigen Fortbestand und Erfolg seines Lebenswerkes. Er ist nach wie vor als Berater für das Unternehmen tätig und besucht gelegentlich noch Geschäftspartner, zu denen er eine besondere Beziehung hat. Ansonsten hat er sich im Moment der Übergabe aus allen operativen Entscheidungen zurückgezogen.

Wenn alle an einem Strang ziehen, kann es also gut gehen: Seit der Übergabe wurden weitere Produktionsräume angemietet und weitere Maschinen gekauft. Eine eigens entwickelte CAD-Software und zugehörige Hardware sowie zwei neue feste und zusätzliche freie Mitarbeiter unterstützen die Produktion.

Bewährter Finanzierungspartner von Unternehmern und Hausbanken

Die Niedersächsische Bürgschaftsbank (NBB) und die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Niedersachsen (MBG) stehen Ihnen als verlässliche Partner zur Seite. NBB und MBG begleiten Unternehmensnachfolgen pragmatisch und kompetent – und das seit 63 bzw. 25 Jahren. Mit finanziellen Mitteln, mit Weitsicht und mit Erfolg. Nachfolgeregelungen werden jährlich mit rund 100 Bürgschaften und Beteiligungen unterstützt – Tendenz steigend.

IHK-Experten bewerten Finanzierungsbedingungen 2015: 28 % berichten von verbesserten Zugangsmöglichkeiten zu Beteiligungskapital. 32 % bestätigen einen positiven Trend bei Bürgschaftsübernahmen.

Checkliste Unternehmensnachfolge

  • Frühzeitig anfangen!
  • Informationen bei Banken und Kammern anfragen!
  • Neutrale Berater in die Preisfindung einbinden!
  • Kollegen und Mitarbeiter ins Boot holen: auf Verunsicherungen eingehen!
  • Wichtige Kunden und Lieferanten informieren!

Über die NBB und MBG

Die langjährige Erfahrung mit Unternehmensnachfolgen ermöglicht passgenaue Finanzierungen. Mit Sicherheiten, auf die sich Unternehmen und Kreditinstitute verlassen können. Gemeinsam beurteilen NBB und MBG die individuell wesentlichen finanzierungsrelevanten Punkte. Ob Verkäuferdarlehen, Übergangsregelungen, Kaufpreise und Mieten für Objekte und Gegenstände oder Abschläge bei Kunden- und Mandantenverlusten – für jeden Kunden gibt es eine bedarfsgerechte Lösung.

NBB und MBG arbeiten eng mit den Hausbanken zusammen. Das ist vorteilhaft für alle Beteiligten: Die Hausbank verteilt das Risiko eines Kreditausfalls auf mehrere Schultern, indem die NBB einen Anteil übernimmt. Die Bürgschaftshöhe kann bis zu 1,25 Mio. Euro betragen. Kredite werden mit einer bis zu 80%igen Ausfallbürgschaft werthaltig besichert. Dadurch verbessern sich die Konditionen für den Kreditnehmer. Weiterhin kann eine stille Beteiligung der MBG das Eigenkapital um bis zu 1,25 Mio. Euro stärken. Der Mindestbetrag liegt bei 50 000 Euro. Mit einer Laufzeit von fünf bis zehn Jahren ermöglicht das Investitionen und unternehmerische Innovationen. Sie profitieren zusätzlich vom Know-how der MBG und ihren Erfahrungen in der Gestaltung von Finanzierungen. Ein starkes Netzwerk verschafft Unternehmensnachfolgen die besten Chancen. Wir begleiten Sie gern auf dem Weg zu Ihrer passgenauen Nachfolgeregelung.

 Foto: Shutterstock/Kinga

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