Artikel erschienen am 01.03.2014
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Zwischen Niedrigzinsphase und Nachfolgeregelung

Von Nikolas Manke, Hannover

Als Geschäftsführer von i-unit kennt Nicolas Manke die Themen, die Mittelständler umtreiben. Seit über zehn Jahren berät die Strategieberatung nun schon Mittelständler in Norddeutschland. Im Interview mit den Service-Seiten spricht er über die Topthemen, Trends und Herausforderungen für den Mittelstand.

Service-Seiten: Herr Manke, als Strategieberatungsgesellschaft speziell für den Mittelstand haben Sie einen guten Überblick über die Themen, die den Mittelstand bewegen. Was sind die Topthemen für 2014 im Mittelstand?
Manke: Wir erleben zurzeit eine äußerst günstige Zinssituation an den Kapitalmärkten. Allerdings wird es für Unternehmen mit einem hohen Finanzierungsbedarf nicht einfacher, die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt zu bekommen. Für ertragsstarke Unternehmen stehen die Zeichen gut, um eine Wachstumsstrategie zu ermöglichen. Im Kern helfen günstige Finanzierungen aber wenig, wenn man nicht weiß, in welche Richtung das Unternehmen wachsen soll. Weiter bleibt das Thema Fachkräfte auf unserer Agenda. Der Mittelstand hat gute Chancen, mit seinen Werten und Stärken im Wettstreit um die besten Köpfe auch gegen große Industriebetriebe zu bestehen. Außerdem wird uns die Energiewende noch stärker beschäftigen, die gerade für den Mittelstand zusätzliche Belastungen mit sich bringt. Ein Topthema, das uns in den letzten Jahren schon vermehrt beschäftigt hat, nimmt aber in diesem Jahr noch mal an Fahrt auf.

Service-Seiten: Welches Thema ist das?
Manke: Ganz klar: Nachfolgeregelungen. Die Zahl der Unternehmer, die einen Nachfolger für ihren Betrieb suchen, steigt rasant. Es gelingt dabei nicht immer, im eigenen Familienkreis eine Nachfolge zu finden. Viele sind schon länger im Betrieb, als sie es eigentlich wollten, weil sie keinen Nachfolger finden. Einige Unternehmen kommen sogar in Schwierigkeiten, weil Kunden, Lieferanten und Finanzierungspartner die fehlende Nachfolgeregelung für sich als Risiko empfinden.

Service-Seiten: Was ist Ihre Lösung?
Manke: Man muss sich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen. Hat man erstmal eine klare Vorstellung für sich persönlich geschaffen, Kriterien definiert, die ein Nachfolger erfüllen sollte, und ein transparentes Bild über die aktuelle Unternehmenssituation, steigen die Möglichkeiten, einen geeigneten internen oder externen Nachfolger zur Übernahme zu finden. Tendenziell finden sich zum Beispiel Kandidaten für die Übernahme in der Reihe der Mitarbeiter des Unternehmens.

Service-Seiten: Eine Übernahme durch einen Mitarbeiter klingt gut, aber ist der Weg vom Mitarbeiter zum Unternehmer wirklich so leicht? Schließlich müssen ja auch einige finanzielle Mittel zur Übernahme aufgebracht werden.
Manke: Dieser Schritt sollte sicherlich nicht von heute auf morgen vollzogen werden. Natürlich treibt Unternehmer auf der Suche nach einem Nachfolger die Frage um, wer sich die Übernahme finanziell überhaupt leisten kann. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es zahlreiche Fördermöglichkeiten bei der Übernahme gibt. Verbunden mit einer gut durchdachten Finanzierung z. B. durch Unterstützung des Verkäufers, lässt sich, die Übernahme leichter darstellen, auch wenn der Mitarbeiter nur wenig Eigenkapital einbringen kann.

Service-Seiten: Wann muss man aus Ihrer Sicht mit den Überlegungen zur Unternehmensnachfolge beginnen?
Manke: Wie gesagt: Man sollte damit so früh starten wie möglich. Natürlich denken viele Mittelständler schon Jahre vor ihrem geplanten Ausstieg an die Frage: Wer dieses Unternehmen eigentlich in die Zukunft führen soll. Erstaunlich ist aber, dass es dann doch wenig konkrete Vorbereitungen dafür gibt, und es gibt leider auch immer wieder Fälle, wo sich diese Frage früher stellt, als man es je wollte. Darauf sollte man auf jeden Fall vorbereitet sein.

Service-Seiten: Sie meinen eine Art Notfallplan?
Manke: Richtig. Eine längere Krankheit des Unternehmers darf beispielsweise nicht das Aus für das Unternehmen bedeuten. Trotzdem erleben wir, dass es solche Notfallpläne in nur wenigen Fällen gibt. Zum Teil fehlen einfache Dinge wie Kontovollmachten oder Vertretungsregelungen gegenüber Vertragspartnern, zum Teil sind es aber auch komplexere Fragen. Für beides gibt es relativ einfache Checklisten, mit denen man sicherstellen kann, dass im Notfall für alles gesorgt ist.

Service-Seiten: Sie sprachen anfangs auch Energiewende und Fachkräftemangel an – braucht der Mittelstand noch mehr Notfallpläne?
Manke: Es gibt einige Herausforderungen, aber wer die Weichen jetzt richtig stellt, kann die aktuellen Rahmenbedingungen sogar positiv für sich nutzen. Um es mit dem Motto von i-unit zu sagen: „Nicht wie der Wind weht, sondern wie Sie Ihre Segel setzen – darauf kommt es an.

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