Artikel erschienen am 28.12.2015
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Ressourcen effizient investieren

Impulse für den Mittelstand

Von Andreas Lahme, Paderborn

Herr Lahme, welche Bedeutung hat die Ressourceneffizienz für Unternehmen in OWL?
Andreas Lahme: Das Thema Ressourceneffizienz ist ein elementarer Faktor, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Dies zeigt auch das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts GfK Media unter 1 000 mittelständischen Unternehmen im Auftrag der genossenschaftlichen Organisation. In den vergangenen zwei Jahren haben danach 80 % der Mittelständler mindestens in einem Bereich Energieeffi­zienzmaßnahmen umgesetzt. Dabei konnten die Unternehmen durchschnittlich zwischen 12 und 17 % Kosten einsparen. Welche Relevanz dem Thema in den Unternehmen beigemessen wird, zeigt auch das Ergebnis, dass für zwei Drittel der befragten mittelständischen Unternehmen Energieeffizienz in der Unternehmensstrategie bereits eine wichtige strategische Rolle spielt.

Was gehört noch zur Ressourceneffizienz, außer auf die Energiekosten zu achten?
Andreas Lahme: Genauso wichtig wie die Energieeffizienz ist es für produzierende Unternehmen, die Materialeffizienz im Blick zu behalten. Ziel muss es sein, den Materialeinsatz nachhaltig zu optimieren. Dies kann durch weniger Verschnitt und den reduzierten Einsatz von Hilfsstoffen sowie die Optimierung der Produktkonstruktion erreicht werden.

Wie überzeugen Sie Unternehmer von der Wichtigkeit des Themas?
Andreas Lahme: In den ausführlichen Jahresgesprächen mit den Unternehmern sprechen wir aktiv die Bedeutung von Energie- und Ressourceneffizienz für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens an. Überzeugen können wir unsere Kunden am besten mit konkreten Praxisbeispielen. So haben wir beispielsweise ein mittelständisches Sägewerk beraten und den Kontakt zur Effizienz-Agentur des Landes NRW und zur Hochschule Ostwestfalen-Lippe hergestellt. Durch eine Verbesserung der Prozesse und des Materialeinsatzes spart das Unternehmen jährlich 35 000 kwH Strom. Die getätigten Investitionen haben sich in kürzester Zeit amortisiert und die Ertragslage des Unternehmens hat sich durch die Maßnahme nachhaltig verbessert.

Begleiten Sie die Unternehmen bei der Umsetzung der Maßnahmen?
Andreas Lahme: Ja, unsere Betreuer begleiten den gesamten Beratungsprozess. Bei Interesse stellen wir den Kontakt zu unseren Netzwerkpartnern her. Dazu gehören beispielsweise die Effizienz-Agentur NRW (EFA), die iNeG (Inge­nieur Netzwerk Energie eG) und die Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Diese Spezialisten analysieren den Energie- und Ressourcenverbrauch und ermitteln Effizienzpotenziale im gesamten Produktionsprozess. Der Mittelständler erhält konkrete Handlungsempfehlungen, wie der Produktionsablauf optimiert, Material ressourcenschonend eingesetzt und Energie effizient genutzt werden können. Wenn feststeht, welche Maßnahmen realisiert werden, entwickeln unsere Betreuer das passende Finanzierungskonzept. Dabei geht es selbstverständlich auch darum, vergünstigte Förderkredite einzusetzen und Tilgungszuschüsse zu erhalten.

In welcher Form beteiligt sich der Staat an ressourceneffizienten Investitionen?
Andreas Lahme: Die Fördermöglichkeiten für Maßnahmen zur Energie- und Ressourceneffizienz sind sehr vielfältig. Allerdings hat unsere Umfrage gezeigt, dass nur etwa ein Drittel der Unternehmen, die Energieeffizienz-Maßnahmen umgesetzt haben, auch diese Förderung in Anspruch genommen haben. Hier besteht offensichtlich ein hoher Beratungsbedarf. Dass es beispielsweise Zuschüsse für die Energieberatung gibt, ist nur etwa der Hälfte der mittelständischen Unternehmen bekannt. Die KfW und die regionalen Förderinstitute stellen zinsgünstige Fördermittel für Energie- und Ressourceneffizienz-Maßnahmen in Unternehmen zur Verfügung. Je höher der erreichte Grad an Energieeffizienz, desto günstiger sind beispielsweise bei einzelnen KfW-Programmen die Konditionen und die möglichen Tilgungszuschüsse. Neben diesen beispielhaft skizzierten Förderungen gibt es zahleiche weitere Förderangebote und Initiativen auf Bundes- und Landesebene.

Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH

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