Artikel erschienen am 04.03.2026
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Assetbasierte Ansätze statt Bankkredit

Was KMU tun können, wenn Bankfinanzierungen in unsicheren Zeiten schwierig werden

Von Carl-Jan von der Goltz, Hamburg
Carl-Jan von der Goltz
Carl-Jan von der Goltz
Geschäftsführer

Laut der Konjunkturumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer wird das Bruttoinlandsprodukt 2025 wohl um 0,5 Prozent zurückgehen. So rechnen 31 Prozent der befragten Unternehmen mit einer negativen Geschäftstätigkeit – viele wollen ihre Investitionen zurückfahren. Denn: Der Mittelstand muss zahlreiche Baustellen gleichzeitig angehen. Neben der schwachen Konjunktur werden KMU durch strukturelle Probleme, regulatorische Anforderungen, geopolitische Unsicherheiten und Kostensteigerungen belastet. Laut KfW Research[1] entfallen allein auf die gestiegenen Arbeitskosten 33 Prozent der Gesamtkosten.

Zudem kämpfen Betriebe mit einem regelrechten „Bürokratie-Berg“: Datenschutzregelungen, Lieferkettengesetz, ESG-Vorgaben, hoher Dokumentationsaufwand und langwierige Verwaltungsprozesse fordern Zeit und Ressourcen. Gleichzeitig übt der demografische Wandel Druck auf die Unternehmen aus: Qualifiziertes Personal ist Mangelware. Fast 60 Prozent rechnen laut KfW in den nächsten fünf Jahren mit erheblichen Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Die möglichen Folgen: Aufträge könnten nicht mehr angenommen, Produktionen müssten reduziert, Standorte geschlossen werden.

Der Transformationsdruck steigt

Digitalisierung und Klimaschutz verlangen tiefgreifende Veränderungen: KMU müssen neue Prozesse einführen, zeitgemäße Technologien einsetzen und neue Ansätze für Geschäftsmodelle entwickeln. So fordert der Digitalverband Bitkom in seiner Digitalstrategie[2] unter anderem den Ausbau digitaler Kompetenzen, die Integration von KI in Ausbildung und Produktion sowie eine stärkere Vernetzung. Mittelständler sollten sich darauf einstellen, dass digitale Strukturen zur Norm werden. Wer hier nicht Schritt hält, riskiert, den Anschluss zu verlieren. Einer weiteren Erhebung[3] im Auftrag von Bitkom zufolge bilden zwar prinzipiell bereits 73 Prozent der Unternehmen Mitarbeiter zu Digitalthemen weiter. Allerdings sind solche Angebote innerhalb der Firmen meist nur begrenzt verfügbar.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit zeigt sich der Druck zur Transformation deutlich: Obwohl laut dem KfW-Klimabarometer[4] 2024 über die Hälfte der Unternehmen Umweltaspekte in ihre Strategie integrieren und 24 Prozent ein eigenes Klimaneutralitätsziel verfolgen, sind die Investitionen in Klimaschutz im Mittelstand 2024 um zehn Prozent zurückgegangen. Hauptgründe: das hohe Preisniveau, gestiegene Finanzierungskosten und die schwache Konjunktur.

Viele Unternehmen in Notlage

Angesichts dieser Hürden und Aufgaben verwundert es kaum, dass zahlreiche KMU finanzielle Engpässe haben. 42 Prozent berichten laut DIHK-Konjunkturumfrage[5] von Schwierigkeiten bei der Finanzierung – Probleme bereiten dabei etwa Eigenkapitalrückgänge, Liquiditätsengpässe oder der erschwerte Fremdkapitalzugang. Die Insolvenzzahl zeigt die gravierende Lage: Laut Insolvenztrend[6] des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) lag die Zahl im März bei 1.459 – zwölf Prozent mehr als im März 2024 und fast 50 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen März vor der Corona-Pandemie.

Versiegen zunehmend: Bankkredite als Finanzierungsquelle

Die schwierige Wirtschaftslage und der Transformationsdruck fordern von KMU vor allem eins: Liquidität. Allerdings erweisen sich klassische Finanzierungswege als wachsende Hürde: Banken agieren zurückhaltender – nicht zuletzt aufgrund der fragilen Konjunkturlage. 34 Prozent der befragten KMU der KfW-ifo-Kredithürde[7] berichten von erschwerten Kreditverhandlungen im ersten Quartal 2025 – ein neuer Höchstwert. Banken fordern häufig größere Sicherheiten und eine optimale Bonität, die viele Unternehmen in Krisenzeiten nicht bieten können. Doch KMU sind nicht zwangsläufig auf Bankkredite angewiesen. Objektbasierte Finanzierungsansätze bieten alternative Lösungen. Modelle wie Asset Based Credit und Sale & Lease Back ermöglichen es, bestehende Vermögenswerte zu Kapital zu machen und für die Finanzierung verschiedener Anlässe zu nutzen – unabhängig von der Bonität.

Asset Based Credit – Finanzierung per Spezialkredit

Beim Asset Based Credit können KMU Vermögenswerte als Sicherheiten für einen kurz- bis mittelfristigen Spezialkredit nutzen. Dabei lässt sich sowohl das Anlage- als auch das Umlaufvermögen einsetzen. Letzteres ist für Bankkredite meist nicht als Sicherheit nutzbar. Geeignet für den Spezialkredit sind beispielsweise mobile, fungible und werthaltige Maschinen und Anlagen, schwere Fuhrparks, marktfähige Bestände an B2C-fähigen Fertig- und Handelswaren, Sachwerte oder auch Immobilien. Verderbliche Waren oder unfertige Erzeugnisse sind hingegen ungeeignet.

Da die Bonität im Hintergrund steht, ist der Spezialkredit flexibel einsetzbar und bewährt sich insbesondere in wirtschaftlich angespannten Zeiten – etwa zur Überbrückung von Auftragsflauten oder zur Aufstockung von Betriebskapital bei Investitionen und gestiegenen Personal- oder Energiekosten. KMU sowie Start-ups können assetbasierte Kredite sowohl zur Stabilisierung des Tagesgeschäfts als auch für die Weiterentwicklung oder Krisenbewältigung nutzen – von kurzfristigen Anpassungen bis hin zu grundlegenden Neuausrichtungen. Auch Restrukturierungen, Sanierungen oder sogar Massekredite lassen sich auf diese Weise realisieren.

Sale & Lease Back – Liquidität durch mobiles Anlagevermögen

Mit Sale & Lease Back (SLB) haben produzierende und verarbeitende KMU die Möglichkeit, ihr werthaltiges Anlagevermögen – wie Maschinen, Anlagen oder Fuhrparks – zu veräußern und direkt wieder zurück zu leasen. Die Assets verbleiben zur weiteren Nutzung im Unternehmen. So lässt sich Liquidität schaffen, ohne das operative Geschäft zu beeinträchtigen. Auch SLB greift bonitätsunabhängig; der Fokus liegt auf den Objekten. Diese müssen jedoch mobil, fungibel und dürfen nicht fest mit dem Gebäude verbaut oder verkettet sein. Für Sondermaschinen, Eigenentwicklungen oder Prototypen eignet sich dieses Modell nicht.

SLB ermöglicht auch die Aktivierung stiller Reserven, wenn die betreffenden Vermögenswerte bilanziell bereits weitgehend abgeschrieben sind. Die anfallenden Leasingraten können zudem teils steuerlich, als Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Die gewonnene Liquidität kann vielseitig eingesetzt werden: zur Überbrückung von Umsatzrückgängen, bei Unternehmensnachfolgen, für Investitionen in digitale oder nachhaltige Prozesse und Produkte. Da der Fokus auf den Assets liegt und der Finanzierungsprozess meist nur zwischen drei und sechs Wochen dauert, eignet sich SLB auch bei Sanierungen, Restrukturierungen oder zur Auftragsvorfinanzierung nach einer Krise.

[1]https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Volkswirtschaft-Kompakt/One-Pager-2025/VK-Nr.-250-Maerz-2025-Herausforderungen.pdf

[2]https://www.bitkom.org/Bitkom/Bitkom-Digitalstrategie2025

[3]https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Vermittlung-Digitalkompetenz-Unternehmen-bilden-Beschaeftigte-weiter

[4]https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/Newsroom/Aktuelles/News-Details_830272.html

[5]https://www.dihk.de/resource/blob/128504/cd5229c878969de4dd4a2f74aa6c5efa/konjunktur-dihk-konjunkturumfrage-jahresbeginn-2025-data.pdf

[6]https://www.iwh-halle.de/presse/pressemitteilungen/detail/iwh-insolvenztrend-weiterhin-hoechststaende-bei-insolvenz-zahlen-industrie-stark-betroffen

[7]https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-KfW-ifo-Kredithuerde/KfW-ifo-Kredith%C3%BCrde-Q1-2025.pdf

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