Artikel erschienen am 01.05.2012
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Individualität setzt sich in der Implantologie durch

Von Jörn von Mensenkampff, Mannheim

Eine computergestützte Planung und Fertigung von patientenindividuellen Implantataufbauten erhöht die Präzision der Implantattherapie signifikant. Auch ästhetisch und funktionell punktet das sogenannte CAD/CAM-Verfahren. Die modernen industriellen Möglichkeiten verändern auch die Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker. Dennoch: Eine gute Kommunikation ist nach wie vor unerlässlich.

Die Ansprüche der Patienten und Patientinnen an Zahnersatz sind in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen. Langzeiterfolg und Ästhetik sind die Parameter, an denen ein guter Zahnersatz gemessen wird. Um ästhetisch überzeugende Langzeitergebnisse zu erzielen, müssen die natürlichen Strukturen des Kiefers durch optimale Implantate und Implantataufbauten (Abutments) ersetzt bzw. erhalten und stabilisiert werden. Das gelingt nur dann, wenn die drei verwendeten Komponenten (Implantat – Abutment – Krone) sich nicht nur an den bestehenden Knochenverhältnissen orientieren, sondern auch das prothetische Endergebnis mit in die Planung einfließt. Zunächst muss also das Ziel definiert werden, dann der Weg dorthin. Realisiert wird das durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Zahnarzt und Zahntechniker, in die der Patient von Anfang an mit einbezogen wird.

Backward Planning – vorher wissen, wie es später aussieht

Backward Planning – Rückwärtsplanung – heißt das Zauberwort. Zahnarzt und Zahntechniker erstellen im Vorfeld der Therapie gemeinsam den idealen Zahnersatz. Anschließend werden CT- bzw. DVT-Aufnahmen von der Mundsituation genommen. Die so gewonnenen 3-D-Daten geben nicht nur Aufschluss über die anatomischen Gegebenheiten des jeweiligen Kiefers, wie Konchenqualität und -quantität sondern auch über vitale Strukturen wie z. B. dem Unterkiefernerv. Außerdem kann auch hier schon der geplante Zahnersatz dargestellt werden. In diesem virtuellen Modell wird die richtige Position des Implantats genau und zuverlässig geplant. Die einzelnen Behandlungsschritte der folgenden Implantattherapie können bereits am Computer dargestellt werden: Der Patient weiß schon in der Präimplantationsphase, wie sein neuer Zahnersatz sich in die Restbezahnung einfügen wird und welche Schritte dafür notwendig sind bzw. werden.

Stabilität und Langzeiterfolg

Der Schlüssel zum Erfolg Ihrer Behandlung liegt im Abutment, das das eigentliche Implantat im Knochen mit der später sichtbaren Krone verbindet. Auf Basis dieser Vorplanung können Abutments in einem weiteren Schritt mit dem sogenannten CAD/CAM-Verfahren (Computer Aided Design bzw. Computer Aided Manufacturing) auf die individuellen Patientenverhältnisse abgestimmt werden. Das Ergebnis sind besonders gute funktionelle Eigenschaften: Der optimale Sitz und die ideale Form sorgen für Stabilität und den Langzeiterfolg. Da das Abutment den Übergang vom Kiefer zur Krone bildet, kommt ihm auch die entscheidende Rolle bei der Anlagerung und Unterstützung des Zahnfleisches zu. Das CAD/CAM-Verfahren berücksichtigt von Anfang an die gewünschte Ausformung des Zahnfleischs und der Papille, also der dreieckförmigen Schleimhaut zwischen den Zähnen.

Schnittstelle zahntechnisches Labor

Bei der Vorplanung und Durchführung der Implantatprothetik arbeiten Zahnärzte und Zahntechniker eng zusammen. Die Aufgaben eines Zahntechnikers haben sich dabei mit der neuen Technik deutlich erweitert. Der Zahntechniker erstellt nicht nur die Modelle und modelliert den Zahnersatz, das sogenannten Wax-up, entsprechend der Patientenanforderungen, sondern koordiniert den Bestellprozess am Computer. Neben dem klassischen Wissen in Anatomie, Materialkunde und den handwerklichen Fähigkeiten braucht es dazu die Technik und die Kompetenzen zur Durchführung der CAD/CAM-Prozesse.

Das im Labor erstellte Planungsmodell wird auf dem Postweg an den Hersteller der Abutments gesendet, wo die Modelle eingescannt werden. Alternativ können die Modelle auch mit 3-D-Scannern im Labor eingelesen und die digitalen Daten an den Hersteller übermittelt werden. Anhand der digitalisierten Bilder wird das Abutment mithilfe einer patentierten Software (zum Beispiel Atlantis VAD™ – Virtual Abutment Design) zunächst virtuell, ausgehend von der endgültigen Krone, am Computer entworfen, das sich Form und Größe entsprechend der individuellen Mundsituation anpassen. Zahnarzt und Zahntechniker können die 3-D-Abbildung der Mundsituation sowie des geplanten Abutments auf dem Web-Portal begutachten, ggf. nachbearbeiten und verändern. Nach Freigabe der Konstruktionsdaten werden die Abutments unter Einsatz modernster Frästechnik mikrometergenau aus einem Titan- oder Zirkondioxid-Rohling herausgefräst. Das Besondere an CAD/CAM-Abutments: Jedes ist anders, jedes ist individuell.

Ein vorgefertigtes Standardabutment besitzt selten die optimale Größe, sodass die Krone dicker modelliert werden muss, um den überschüssigen Raum auszufüllen (in der Abbildung der dunkelgraue Bereich).

Ein Atlantis™ CAD/CAM-Abutment ist in Form und Größe optimal, und gewährleistet einen sicheren Halt für die aufgesetzte Krone. Die Form des Atlantis™ Abutments unterstützt die Form der Zahnkrone.

Bereits wenige Tage nach der Auftragserteilung durch das zahntechnische Labor liegt das gefräste Abutment vor, das nicht mehr nachbearbeitet werden muss. Der Zahntechniker kann nun – ausgehend von seinem Modell und dem vorliegenden Abutment – die Krone anfertigen. Wenn der Zahnarzt nach erfolgter Implantation das eingeheilte Implantat freilegt, steht das Abutment sofort zur Verfügung.

Auch bei ästhetisch anspruchsvollen Fällen

Abutments aus Titan sind die am häufigsten verwendeten Implantataufbauten und können bei allen Indikationen und in allen Positionen im Mund eingesetzt werden, sei es im Seitenzahn- oder im Frontzahnbereich. Es gibt auch Titan-Abutments, die mit einer dünnen Titannitridschicht überzogen sind und dem Abutment einen warmen Goldton verleihen. Diese sind zum Beispiel bei einer dünnen Schleimhaut ideal. Abutments aus Zirkondioxid sind in verschiedenen Farbnuancen erhältlich und besonders geeignet für den hochästhetische Frontzahnbereich.

Fazit

Lange Zeit galten vorkonfektionierte Abutments als Standard in der Implantologie. Diese müssen allerdings zeit- und kostenaufwendig nachbearbeitet werden. Eine möglicherweise ungenaue Passung, die Minderung der Stabilität oder eine Beeinträchtigung der Biokompatibilität können die Folgen sein. Bei CAD/CAM-Abutments wie die von Atlantis™ ist dies nicht nötig. Mit dem Ersparnis von Arbeits- und Kostenaufwand und dem ästhetischen Langzeiterfolg haben sich die patientenindividuellen Abutments zum „state of the art“ in der Implantatprothetik entwickelt.

Bilder: Dentsply

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