Artikel erschienen am 10.05.2013
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Nichtinvasive kardiovaskuläre Bildgebung

Herausforderungen im Dienste Ihres Herzens

Von Dr. med. Verena Henrike Scholz, Braunschweig

„Vor Einleitung einer Therapie und Abschätzung der Prognose steht immer eine fundierte Dia­gnose. Die nichtinvasive kardiale Bildgebung mit der Echokardiografie, dem kardialen MRT, der CT und auch der Nuklearmedizin liefert uns dazu immer bessere Grundlagen. Durch den rasanten technischen Fortschritt ergeben sich aber immer wieder neue Aspekte, die in den klinischen Alltag zusammen mit den aktualisierten Leitlinien einzuordnen sind.“

Mit diesen Worten begrüßten die Kardiologen Prof. Dr. Holger Thiele und Prof. Dr. Matthias Gutberlet die Teilnehmer der 5. Deutschen Kardiodiagnostik-Tage 2013 in Leipzig vor wenigen Wochen. Zugleich verwiesen die Gastgeber vom Herzzentrum der Messestadt auf das Thema dieser renommierten Tagung im Dienste der Gesundheit Ihres Herzens: Herausforderungen und Grenzen der modernen radiologischen Diagnostik.

Denn „natürlich kann die Bildgebung nicht alle Fragen beantworten, aber“, so führte Prof. Dr. Thiele weiter aus, „durch neuere Verfahren wie der Magnetresonanztomografie oder moderne Mehrzeilen-CT-Geräte lassen sich immer mehr Fragen beantworten, die früher der Diagnostik verborgen geblieben sind“. Zudem betonte er in seiner Begrüßung, dass die moderne Bildgebung bei verschiedenen Krankheitsbildern eine inte­ressante Alternative – sowie eine Ergänzung zur invasiven Diagnostik – darstellen kann.

Alternative oder Ergänzung zur Herzkatheteruntersuchung

„Dies ist natürlich insbesondere bei jüngeren Patienten, zum Beispiel bei angeborenen Herzfehlern, und bei Patienten, die mehrfach hintereinander untersucht werden müssen, oder bei kathetergestützten Therapien mit langen Untersuchungszeiten von besonderer Bedeutung. Hinzu kommt, dass insbesondere die Mehrzeilen-CT-Untersuchungen des Herzens mit immer weniger Strahlenbelastung auskommen und uns erlauben, in wenigen Sekunden bzw. teilweise in Bruchteilen von Sekunden das Herz darzustellen“, ergänzte Prof. Dr. Gutberlet. Aber auch im Bereich der Magnetresonanztomografie gibt es wesentliche technische Fortschritte, die es ermöglichen, bei gleicher oder bei höherer Feldstärke immer bessere Bilder des Herzens zu generieren.

Rechtzeitige Diagnosen können Leben retten

Die Beobachtungen am Rande der oben genannten Veranstaltung bestätigten einmal mehr die Entscheidung, die Kardiodiagnostik zu einem zentralen Arbeitsgebiet unserer Praxis aufzubauen. Herzerkrankungen belegen in der Rangliste der häufigsten Todesursachen immer noch einen traurigen Spitzenplatz. Fast jeder zweite Todesfall ist auf sogenannte kardiovaskuläre Funktionsstörungen zurückzuführen. Und rund die Hälfte aller Infarkte und Fälle eines plötzlichen Herztodes treten ohne spürbare Vorzeichen auf.

Bedrückende Tatsachen, die der Mensch aber nicht als Schicksal hinnehmen muss. Gerade im Bereich der rechtzeitigen Diagnose drohender Gefahren wie Herzinfarkt, Ischämie oder koronarer Herzkrankheit liefern die CT und MRT von heute präzise Aufnahmen, die schon erste Anzeichen möglicher Risiken erkennen lassen.

Exaktheit im Sekundentakt

Die Kardio-Computertomografie ist ein modernes Röntgenverfahren, mit dem detaillierte Diagnosen des Herzens und der Herzkranzgefäße durchgeführt werden können. Der eigentliche Untersuchungsvorgang dauert nur wenige Minuten. Während der Rotation der CT-Röhre um den Körper werden fächerförmig Röntgenstrahlen durch den Körper des Patienten gesendet und dabei die Abschwächung dieser Strahlen im Hintergrund in den sogenannten Detektoren aufgezeichnet. Aus diesen Messwerten ermittelt der Computer ein Bild, das die Dichteverteilung im untersuchten Körper widerspiegelt. Dabei werden wie auf einem Röntgenbild dichte Strukturen – wie z. B. Verkalkungen – hell abgebildet, während weniger dichte Verbindungen wie Fettgewebe oder Luft sehr dunkel dargestellt werden. Die so gewonnenen Schichtaufnahmen können auch zu 3-D-Darstellungen zusammengesetzt werden, die ein sehr deutliches plastisches Abbild des bewegten Herzens in den unterschiedlichen Funktionen liefern.

Die Kardio-CT auf gegenwärtigem Stand liefert insbesondere für die Diagnostik folgender Erkrankungen klinisch relevante Informationen:

  • Koronaranomalien
  • Perikarditis constrictiva (sogenanntes „Panzerherz“ als Folge einer akuten Herzbeutelentzündung)
  • Dissektion, intramurales Hämatom und penetrierendes Aortenulkus der Aorta thoracica (Brustaorta)
  • Lungenembolie und Thrombose/Kompression der Venae cavae (Hohlvene).

Für die Diagnose weiterer Erkrankungen gewährleistet die Kardio-CT ebenfalls medizinisch relevante Fakten:

  • Gefäßanomalien und postoperative Verlaufskontrollen bei angeborenen Herzerkrankungen
  • Abszess im Bereich der Herzklappe bei erworbenen Herzerkrankungen
  • Neoplasien (Gewebeneubildungen) des Herzens und intrakavitäre Thromben
  • Anomalien der großen Gefäße und der Aortitis.

Strahlenfrei – die MRT

Mit der Kardio-MRT können aufgrund der guten morphologischen Darstellung, der freien Wahl der Schichtebenen und der fehlenden Strahlenexposition insbesondere Patienten mit angeborenen Herzfehlern sehr gut untersucht werden. Aufgrund des hohen Weichteilkontrastes und der Möglichkeiten einer Gewebedifferenzierung durch Anwendung verschiedener Gewebswichtungen und der Kontrastmittelgabe ist die rein morphologische Darstellung des Herzens mit der MRT auch für die Visualisierung verschiedener Formen von Kardiomyopathien, kardialer Raumforderungen sowie entzündlicher und infiltrativer Herzerkrankungen geeignet.

Die MRT wird bei folgenden Erkrankungen immer häufiger zu Rate gezogen:

  • koronare Herzerkrankung
  • nach Intervention/Bypass-OP
  • chronischer Infarkt/Vitalitätsdiagnostik
  • primäre Kardiomyopathien – HCM, DCM und restriktive Kardiomyopathie
  • Fusions- und Gefäßanomalien sowie postoperative Verlaufskontrollen bei angeborenen Herz­erkrankungen.

Weiterhin wird die Aussagekraft einer MRT bei der Diagnose dieser Erkrankungen geschätzt:

  • Herzklappen- und Koronaranomalien bei angeborenen Herzerkrankungen
  • KHK, chronischer Infarkt
  • Stenosen und Insuffizienzen bei erworbenen Herzklappenerkrankungen sowie die Planimetrie der Klappenöffnungsfläche bei erworbenen Stenosen
  • Perikarderguss, Perikarditis constrictiva und Myokarditis.

Schon diese erste Übersicht betont den gewachsenen Stellenwert der radiologischen Kardiodia­gnostik im heutigen medizinischen Alltag. Und diese Bedeutung wird angesichts der demografischen Entwicklung sowie der Prognosen zu allgemeinen Lebensumständen und kardiologischen Erkrankungsrisiken im Speziellen mit Sicherheit weiter zunehmen. „Wir stehen erst in den Anfängen“, so prognostizierte Prof. Dr. Gutberlet in Leipzig. „Die invasive Diagnostik wird mehr und mehr abgelöst werden durch die nichtinvasiven Verfahren der Radiologie.“

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