Artikel erschienen am 10.05.2013
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Wachsen kann gelernt werden

Sanfte Methode zu wachstumsunterstützter Korrektur bei X- und O-Fehlstellungen der Beine, X-Stellungen der Sprunggelenke beim Knick-Senkfuß sowie unterschiedlicher Beinlänge

Von Heinrich Kronewid, Braunschweig
Heinrich Kronewid
Heinrich Kronewid
Oberarzt, Leiter der Sektion Kinderorthopädie

Kinder benötigen in vielen Aspekten ihres Lebens sanfte Führung und Korrektur. Für eine bedeutende Anzahl von Kindern, die nicht spontan aus ihren X- oder O-Bein-Fehlstellungen herauswachsen, kann eine Gelenkfehlbelastung mit Schmerzen sowie ein frühzeitiger Verschleiß der Gelenke im Laufe des Lebens entstehen. Das Gleiche betrifft auch die Kinder, die einen deutlichen Unterschied der Beinlängen sowie eine ausgeprägte X-Stellung der Sprunggelenke, z. B. beim Knick-Senkfuß, haben. Diese Kinder können nun von einem neuen minimalinvasiven chirurgischen Eingriff profitieren. Das für diese Zwecke verwendbare kleine Implantat heißt 8-Plate™.

Bei einem normalen Skelettwachstum sind die Gliedmaßen gleich lang und von der Hüfte bis zum Knöchel korrekt ausgerichtet. Aus unterschiedlichen Gründen kann das Wachstum von Ober- und Unterschenkel aus dem Gleichgewicht geraten.

Diese Fehlausrichtung führt häufig zu Gelenkfehlstellungen, als X- oder O-Beinstellungen bekannt. Dazu zählen auch eine ausgeprägte X-Stellung im Sprunggelenk sowie unterschiedliche Längen der Beine. In diesen Situationen ist im weiteren Verlauf gegebenenfalls mit späteren Folgeproblemen, wie z. B. Fehlbelastung der Gelenke mit frühzeitigem Verschleiß, zu rechnen.

Leider können später auftretende Beschwerden nicht mit Schienen eingestellt oder behandelt werden. Die Korrektur der Gliedmaßenfehlstellungen erfordert dann manchmal eine Umstellungsoperation am Knochen mit aufwendiger Operationstechnik, Nachbehandlung sowie unter Umständen deutlich erhöhter Komplikationsrate.

Im Gegensatz dazu ist eine wachstumslenkende Korrektur mittels vorübergehender Stilllegung der Wachstumsfuge in bestimmter Position ein wesentlich geringerer chirurgischer Eingriff. Dieser Eingriff, der herkömmlich als sog. Wachstumsfugenklammer bekannt ist, verwendet auf einer Seite der Wachstumszone chirurgische Klammern und schränkt damit das Wachstum ein, wohingegen die andere – nicht geklammerte Seite – weiterwachsen kann. Das Ziel ist es, durch Wachstum eine Neuausrichtung zu erhalten. Es entsteht keine Instabilität und es bedarf auch keiner signifikanten Heilungsphase. Die Mobilisierung nach der Operation erfolgt ohne Einschränkungen der Belastung sowie fast keiner Einschränkungen der ausgeübten schulischen und sportlichen Aktivitäten.

Sobald die Fehlstellung korrigiert ist, wird das Plättchen entfernt und das Wachstum kann in der erzielten Korrekturstellung uneingeschränkt weiter erfolgen. Das Entfernen des Plättchens erfolgt ebenfalls wie die Implantation in Vollnarkose im Rahmen eines kurzzeitigen stationären Aufenthaltes oder auch ambulant.

Im Großen und Ganzen bietet diese moderne Methode zur Korrektur der Beinachsfehlstellungen sowie unterschiedlicher Beinlängen eine elegante und sanfte Korrekturmöglichkeit mit wenig Aufwand und deutlich geringerer Komplikationsrate sowie eine minimale Einschränkung der Lebensaktivitäten.

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