Artikel erschienen am 19.05.2014
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Sodbrennen und Funktionsstörungen der Speiseröhre

Operationen für mehr Lebensqualität

Von Dr. med. Hinrich Köhler, Braunschweig | Dr. med. Johannes Linder, Braunschweig

Sodbrennen ist die häufigste gutartige Erkrankung des oberen Verdauungstraktes. Tritt nach medikamentöser Therapie keine Besserung ein, kann dem Betroffenen mithilfe minimalinvasiver Operationstechniken und einer speziellen Diagnostik geholfen werden.

Sodbrennen, das zentrale Symptom einer Refluxkrankheit, tritt auf, wenn der Verschluss von der Speiseröhre zum Magen nicht ausreichend funktioniert. Mageninhalt drängt durch den erhöhten Druck in der Bauchhöhle zurück in die Speiseröhre. Rund 20 % der Bevölkerung sind davon betroffen. Oft vergehen die Beschwerden von allein oder durch Vermeiden von Nikotin, Alkohol und Kaffee sowie späten Mahlzeiten. Reicht jedoch die Änderung der Lebensgewohnheiten nicht aus und lässt sich auch durch Medikamente zur Neutralisierung der Magensäure keine ausreichende Linderung der Beschwerden erreichen, kann durch eine minimalinvasive Operation (laparoskopische Fundoplikatio) der Mageneingang so verengt werden, dass ein Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre nicht mehr auftritt.

Vor einer operativen Intervention bei Sodbrennen müssen entsprechende Voruntersuchungen durchgeführt werden. Unbedingt erforderlich ist eine Magenspiegelung. Hier kann festgestellt werden, ob eine sog. Hiatushernie (Verlagerung von Anteilen des Magens nach oberhalb des Zwerchfells) vorliegt. Durch eine solche Hernie wird der Verschlussmechanismus der Speiseröhre gegen den Magen gestört, was zu vermehrtem Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre führen kann. Weiterhin wird untersucht, ob die Schleimhaut der Speiseröhre durch den Reflux entzündlich verändert bzw. geschädigt ist und ob bereits eine Umwandlung der Speiseröhrenschleimhaut in eine magenähnliche Schleimhaut (sog. Barrett-Schleimhaut) stattgefunden hat.

Die weitere Diagnostik umfasst den Nachweis eines vermehrten Refluxes von Magensäure in die Speiseröhre durch eine pH-Metrie. Hierbei wird eine über die Nase vorgeführte dünne Sonde in der Speiseröhre platziert und über ein kleines, portables Aufnahmegerät werden Säurewerte über 24 Stunden gemessen. Die Auswertung erfolgt computergestützt und zeigt Häufigkeit und Dauer von Säurerefluxen in die Speiseröhre.

Erforderlich ist auch der Ausschluss von Funktionsstörungen der Speiseröhre. Manche dieser Erkrankungen äußern sich ausschließlich als Sodbrennen und lassen sich klinisch nicht von refluxbedingten Beschwerden unterscheiden. Nicht selten beschreiben die Betroffenen aber auch Schmerzen hinter dem Brustbein oder Schluckbeschwerden. Bei Vorliegen einer solchen Funktionsstörung kann eine Operation wie die Fundoplikatio die Beschwerden deutlich verschlechtern.

Die Methode der Wahl zur Abklärung ist die Manometrie (Druckmessung) der Speiseröhre. Auch für diese Untersuchung wird eine Messsonde über die Nase in die Speiseröhre und bis in den Magen platziert. Der Ablauf von Schluckakten wird beurteilbar und es wird ersichtlich, ob die Muskulatur am Eingang der Speiseröhre und am Übergang zum Magen beim Schlucken ihren Ruhedruck absenkt, um das Geschluckte in die Speiseröhre bzw. in den Magen gleiten zu lassen, und ob die Muskulatur der Speiseröhre geordnet und mit regelrechten Druckwerten das Geschluckte transportiert. Wird bei der Manometrie allerdings eine Funktionsstörung der Speiseröhre festgestellt, kann es sich um eine sog. Achalasie handeln. Diese seltene Erkrankung kann mit einer anderen OP-Strategie oder einer speziellen endoskopischen Methode behandelt werden. Ziel ist es, die Muskulatur der unteren Speiseröhre zu spalten, sodass der Patient wieder beschwerdefrei essen kann.

Liegt keine Funktionsstörung der Speiseröhre vor, kann eine laparoskopische Fundoplikatio durchgeführt werden. Hierbei wird der obere Magenanteil zurück in die Bauchhöhle geführt, der Durchtritt durch das Zwerchfell mit Nähten auf das normale Maß eingeengt und anschließend mit der Magenwand eine Manschette um die untere Speiseröhre gelegt und mit Nähten fixiert, sodass, wie bei einem Ventil, der Rückfluss von Mageninhalt sicher unterbunden wird. Dank der kleinen Schnitte können die Patienten in den meisten Fällen zwei Tage nach der Operation das Krankenhaus verlassen.

Foto: HEH

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