Artikel erschienen am 19.05.2014
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Wie eine HDTV-Übertragung live aus dem Bauch

Ultraschall vermag in Diagnostik und Therapie Erstaunliches zu leisten

Von Prof. Dr. med. Kinan Rifai, Wolfenbüttel

Ultraschall (Sonografie) ist eines der am häufigsten gebrauchten Verfahren in der Medizin, weil es sehr aussagekräftig, patientenschonend, schnell und strahlungsfrei ist. Ultraschall wird praktisch in allen Bereichen der Medizin genutzt, spielt aber insbesondere in der Inneren Medizin eine herausragende Rolle in der Erkennung von Erkrankungen, z. B. im Bauchraum.

Die Technik des Ultraschalls wird immer weiter verbessert, sodass inzwischen eine sehr hohe Auflösung bis weit unter den Millimeterbereich möglich ist. Insofern ermöglicht Ultraschall eine hochauflösende Liveübertragung aus dem Bauch-raum – wie HDTV (hochauflösendes Fernsehen).
Es ist damit das moderne Stethoskop des Gastroenterologen für alle Bauchorgane wie Leber, Gallenblase, Nieren, Milz, Bauchspeicheldrüse, Gefäße, Harnblase und Darm. Darüber hinaus kann die Aussagekraft von Ultraschall durch den Einsatz eines speziellen Ultraschall-Kontrastmittels erhöht werden. Ultraschall wird aber auch genutzt, um Punktionen und Eingriffe gezielt durchführen zu können.

Kontrastmittel-Ultraschall hilft, Tumore zu diagnostizieren

Ultraschall mit Kontrastmittel ist sehr gut verträglich, strahlungsfrei und günstiger als vergleichbare Verfahren. Insbesondere für die Untersuchung der Leber ist dieses Verfahren sehr gut geeignet. In Echtzeit wird dabei das Durchblutungsverhalten von Geweben beobachtet, was wiederum die Unterscheidung von gut- und bösartigen Tumoren erlaubt.

Darstellung einer Leberzyste im Ultraschall. Die Zyste ist flüssigkeitsgefüllt und zeigt sich daher schwarz im Bild.

Gezielte Gewebeproben erfolgen unter Ultraschallsicht

Um den genauen Typ eines Tumors, z. B. der Leber, sicher zu bestimmen, ist meist eine Gewebeprobe für die Untersuchung unter dem Mikroskop notwendig. Auch hier spielt der Ultraschall eine wichtige Rolle, denn er ermöglicht eine gezielte Feinnadelpunktion des Tumors. Diese erfolgt minimalinvasiv nach lokaler Betäubung unter Ultraschallsicht mit einem speziellen Punktionsschallkopf, durch den eine sehr dünne Punktionsnadel in den Tumor vorgeschoben wird. Dieses Verfahren ist sehr schonend und führt daher nur sehr selten zu Komplikationen. Auch Drainagen, z. B. zur Ableitung von Flüssigkeit oder Eiter, werden unter Ultraschallsicht sicher gelegt.

Bild eines Leberzellkrebses (HCC) bei der Untersuchung mittels Kontrastmittel-Ultraschall. Der Tumor ist dunkel erkennbar, da er das Kontrastmittel rascher abgibt als normales Lebergewebe.

Minimalinvasive Verödung von Leberzysten

Die häufigsten gutartigen Leber- und Nierentumoren sind Zysten, die nur selten Probleme machen. Bei sehr großen, bei entzündeten oder eingebluteten Zysten können diese nach lokaler Betäubung unter Ultraschallsicht minimalinvasiv verödet werden.

Gezielte Tumortherapie unter Ultraschallsicht

Mithilfe des Ultraschalls können aber auch bestimmte bösartige Tumore gut behandelt werden. So kann bei primärem Leberzellkrebs (HCC), einem der häufigsten Tumore weltweit, häufig nicht mehr operiert werden. Dann kann eine Verkochung dieser Lebertumoren durch Radiofrequenzablation (RFA) unter Ultraschallsicht durchgeführt werden.

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