Artikel erschienen am 13.10.2016
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Eingeweidebrüche – ein häufiges Problem des Alltags

Von Dr. med. Ekkehard Möbius, Braunschweig

Eingeweidebrüche (Hernien) sind derzeit die häufigsten chirurgischen Erkrankungen. Allein in Deutschland werden jährlich etwa 275 000 Patienten an Leistenbrüchen und ungefähr 100 000 an anderen Bauchwandbrüchen operiert.

Äußere Hernien

Diese sind der Untersuchung gut zugänglich. Hauptbeschwerde ist eine Bauch­wand­vorwölbung an der betroffenen Stelle. Diese kann Schmerzen bei körperlicher Belastung, Pressen und Husten verursachen. Hierzu zählen z. B. Leisten-, Schenkel- und Nabelbrüche. Auch Narben­brüche, die als Folge von großen chirurgischen Eingriffen entstehen können, gehören dazu. Wird eine solche Diagnose gestellt, muss in jedem Fall eine Operation erfolgen.

Eingeweidebrüche verschwinden nicht wieder, sondern werden im Laufe der Zeit immer größer (Abb. 1). Die Operationen werden aufwendiger und das Risiko eines Rückfalls (Rezidiv) steigt. Ein weiteres Problem ist die Gefahr der Ein­klemmung. Darm­anteile können von der Blut­zufuhr abgeschnitten werden und absterben. Das ist zum Glück selten (1–3 % pro Jahr). Die Ein­klemmung ist aber eine sehr gefährliche Kompli­kation und kann lebens­bedrohlich sein. Man erkennt sie daran, dass die Vorwölbung plötzlich größer, sehr hart und schmerzhaft wird. Ein Zurückdrücken ist nicht mehr möglich. Auch Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Die Patienten müssen notfallmäßig, i. d. R. innerhalb von 6 Stunden, operiert werden. Bei einem Darm­ver­schluss (Ileus) oder einer Darm­durch­blutungs­störung kann ein Mittel­bauch­schnitt notwendig werden. Der Krank­heits­verlauf ist dann nicht mehr durch die Hernie, sondern durch deren Kompli­kation bestimmt.

Innere Hernien

Hier verlagern sich durch innere Bruchlücken Organteile des Bauch­raumes in andere Körper­höhlen. Die vom Patienten ge­schil­derten Beschwerden sind dabei zur Diagnose­stellung entscheidend. Folge­unter­suchungen, wie eine Computer­tomo­graphie oder eine Speise­röhren- und Magens­piegelung, sichern die Diagnose. Ein Beispiel ist der Zwerch­fell­bruch (Abb. 2), bei dem sich Anteile des Magens in den Brust­korb verlagern. Die Patienten klagen über häufiges Sod­brennen und Schmerzen hinter dem Brustbein.

Bei der operativen Versorgung von Hernien hat in vielen Bereichen das mini­mal­invasive Vorgehen (Schlüssel­loch­technik) das offene Operieren verdrängt. Der wesentliche Vorteil liegt in einem niedrigeren Schmerz­niveau sowie in einer schnelleren Genesung.

Wann wird minimalinvasiv operiert?

Für Leisten- und Schenkelbrüche ist das mini­mal­invasive Vorgehen inzwischen Standard (Abb. 3). Bei dieser Methode sind nur wenige kleine Bauchschnitte nötig. Der Bruch wird mithilfe einer Kamera und Mini­atur­instru­menten vom Bauch­raum aus heraus­präpariert und mit einem Kunst­stoff­netz verschlossen (spannungs­freie Operations­methode). Die Patienten haben nach der Operation kaum Schmerzen.

Oben genannte Brüche werden nur dann noch mit einem offenen Operations­verfahren versorgt, wenn minimal­invasiv nicht operiert werden kann. Ein Nachteil dieser Technik ist, dass Gewebe, welches normalerweise ohne Spannung neben­einander liegt, unter Spannung zusammen­genäht wird. Dadurch können Schmerzen entstehen und sogar Nähte ausreißen.

Nicht immer ist das minimal­invasive Verfahren bei äußeren Hernien zu empfehlen. Zum Beispiel sollten größere Narben­brüche offen operiert werde. Große Studien haben gezeigt, dass bei minimal­invasivem Vorgehen (IPOM-Technik) die Rück­fallrate (Rezidiv) sehr hoch ist (größer 10 % nach 1 Jahr). Bei der offenen Operation wird die Bauch­decke so rekonstruiert, dass der normale Zustand wieder hergestellt ist. Die Bauch­wand wird lediglich durch ein Kunst­stoffnetz verstärkt, welches zwischen die dort tragenden Schichten eingebracht wird (Sublay-Mesh-Technik).

Qualitäts­gesicherte Hernien­chirurgie

Um einen hohen Standard in der Versorgung von Hernien sicherzustellen, gibt es die Qualitäts­sicherungsstudie der Deutschen Herniengesellschaft (DHG). Es handelt sich um ein bundes­weites Netzwerk von besonders an der Hernien­chirurgie interessierten Chirurgen, die eine Qualitätserfassung nach fundierten wissen­schaftlichen Standards durchführen. Das Siegel der DHG erhalten Kliniken und Praxen, welche in besonderem Maße Qualitäts­sicherung bei der Therapie von Hernien betreiben.

Bilder: Dr. E. Möbius, Marienstift

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