Artikel erschienen am 16.03.2017
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Moderne Behandlung von Darmkrebs

Von Dr. med. Frank Oettel, Braunschweig | Dr. med. Hinrich Köhler, Braunschweig | Dr. med. Johannes Linder, Braunschweig

Mit ca. 73 000 jährlichen Neuerkrankungen ist Darmkrebs die häufigste Tumorerkrankung in Deutschland. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig von den bösartigen Tumoren des Dickdarms und des Mastdarms betroffen. Die wichtigste Vorsorgeuntersuchung ist die Darmspiegelung. Sie wird für alle Menschen ab dem 55. Lebensjahr empfohlen.
Während der Darmspiegelung lassen sich gutartige Polypen und auch noch frühe Stadien von Darmkrebs abtragen. Bei größeren Tumoren ist eine Operation erforderlich, um eine vollständige Heilung der Erkrankung zu erzielen.

Chefärzte der Chirurgischen Klinik am HEH

Die operative Behandlung beinhaltet die Entfernung des Primärtumors und des Lymph­abflussgebietes dieses Tumors. Die laparo­s­kopische Entfernung von Dickdarm- und Mastdarmkrebs kann bei entsprechender Expertise des Operateurs und Auswahl von geeigneten Patienten mit guten onkologischen Ergebnissen durchgeführt werden, die mit der offenen Technik vergleichbar sind.

Neue chirurgische Versiegelungstechniken zur Gewebsdurchtrennung und moderne Nahtapparate (Stapler) haben diese Entwicklung gefördert. Insbesondere bei einer Operation von Tumoren des mittleren und unteren Drittels des Mastdarms hat sich die sog. totale mesorektale Exzision (TME) etabliert. Die Gefahr eines lokalen Rückfalls (Rezidiv) wird dadurch wesentlich gesenkt. Bei Einhaltung einer schichtgerechten Präparation können die Nerven für Harnblase und Sexualorgane besser geschont werden.

Das minimale Zugangstrauma mit nachfolgend geringeren Schmerzen führt zu einer sehr schnellen Erholung der Operierten. Die Komplikationsgefahr eines großen Bauchschnittes wird vermieden. Des Weiteren ist oftmals die Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit deutlich schneller erreicht. Die Patienten können durch die minimalinvasive Operationstechnik sehr schnell zu ihrer gewohnten körperlichen Aktivität zurückkehren. Vor allem bei übergewichtigen Patienten führt die Vermeidung des großen Bauchschnittes zu deutlich weniger Komplikationen und schnellerer Erholung mit kürzerem Krankenhausaufenthalt. Auch eine Darmreinigung sowie Drainagen und Schläuche sind kaum mehr erforderlich.

In vielen Fällen muss bereits vor der Operation eine Chemotherapie oder eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie erfolgen, um den Tumor zu verkleinern, eine Tumorzellstreuung zu verhindern oder auch beim Mastdarmkrebs bei der nachfolgenden Operation den Erhalt des Schließmuskels zu ermöglichen. Diese Behandlungen können fast immer ambulant durchgeführt werden. Die Anlage eines künstlichen Darmausganges ist bei Mastdarmoperationen oft nur als vorübergehende Schutzmaßnahme für die sichere Ausheilung der Anastomose erforderlich. Erfahrene Stomatherapeuten stehen hier stationär und ambulant zur Verfügung. In manchen Fällen entscheidet man sich nach der primär durchgeführten Operation in Abhängigkeit vom pathologischen Befund für eine Chemotherapie oder für eine Kombination mit einer Bestrahlung.

Prinzipiell wird nach jeder Operation oder Therapie eine Vorstellung in der Tumorkonferenz veranlasst, da erst nach vollständiger Untersuchung der Operationspräparate durch den Pathologen und abgeschlossener Ausbreitungsdiagnostik durch den Radiologen eine Stadieneinteilung und damit eine Empfehlung für die Nachbehandlung bzw. Nachsorge gegeben werden kann. Danach findet ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten statt und es werden Termine für die Nachbehandlung und Verantwortlichkeiten festgelegt. Speziell ausgebildete onkologische Pflegekräfte und Psychoonkologen nehmen bereits in der Klinik Kontakt mit den Patienten auf. Aber auch Fragen zur Ernährung, zu Sozialleistungen sowie zur häuslichen Versorgung und palliativmedizinische Anfragen können im Darmkrebszentrum umfassend geklärt werden.

Mit der Entlassung aus der Klinik erhält der Patient einen Arztbrief mit allen wesentlichen Behandlungsdaten und einen ausgefüllten Nachsorgepass ausgehändigt, sodass eine lückenlose Weiterbehandlung erfolgen kann.

Foto: HEH

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