Artikel erschienen am 27.09.2016
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Sportverletzungen: Muskeln

Klassifikation, Therapie und Prävention

Von Dr. med. Hans-Peter Sobotta, Braunschweig | Uwe Schmidt, Braunschweig

Je nach Sportart machen Muskelverletzungen rund 10 bis 55 % aller Sportverletzungen aus. Das Erkennen des Ausmaßes einer solchen Verletzung sowie das Einleiten entsprechender Therapien sind entscheidend für eine adäquate Heilung. Präventionsmaßnahmen können allerdings das Risiko einer Muskelverletzung reduzieren.

Muskelverletzungen werden medizinisch entsprechend ihren Ursachen und dem Verletzungsausmaß typisiert. Neben Muskelverhärtungen und dem sog. Muskelkater werden Muskelzerrungen bis zum vollständigen Muskel(ab)riss unterschieden. Auch direkte Muskelverletzungen, etwa durch Quetschung, sind darunter erfasst. Für jeden Typ von Muskelverletzungen existiert ein spezifisches therapeutisches Vorgehen, das nicht auf einen anderen Verletzungstyp übertragen werden kann. Die Therapiemöglichkeiten reichen vom sog. PECH-Schema in der Akutphase (Sportpause, Kühlung, Kompressionen und Hochlagerung) über Salbenverbände, Massagen (z. B. bei Muskelverhärtungen), Elektrotherapien, Thermotherapien bis hin zu Lymphdrainagen und Fahrrad- und Lauftrainingseinheiten. Ultra­schalltherapien und Injektionen in den verletzten Muskel (niemals Kortison oder schmerzstillende Mittel) kommen ebenfalls zum Einsatz. Ab- bzw. gerissene Muskeln müssen meist operativ behandelt werden. Der Einsatz von schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten, wie z. B. Ibuprofen, kann in der Frühphase der Behandlung erfolgen. Enzyme sowie Nahrungsergänzungsmittel, wie bspw. Vitamin C und E, Zink und Magnesium, können die Heilung ggf. unterstützen.

Um Muskelverletzungen beim Sport zu vermeiden, können folgende Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden: Aktives Aufwärmen führt zur Erhöhung der Durchblutung, der Temperatur und des Stoffwechsels der Muskulatur und optimiert auf diese Weise deren Leistungsfähigkeit bzw. mindert das Verletzungsrisiko. Aktives Aufwärmen ist dabei dem passiven (z. B. Stretching) überlegen; beide Methoden können aber sinnvoll miteinander kombiniert werden. In ein Aufwärmprogramm sollten sportartspezifische Bewegungsabläufe integriert sein. Neben dem Aufwärmen der Muskulatur ist regelmäßiges Stretching in Kombination mit einem exzentrischen Trainingsprogramm geeignet, Beweglichkeitsdefizite zu reduzieren. Stretching allein minimiert allerdings das Verletzungsrisiko nicht. Im Amateurbereich kann das Dehnen der Muskulatur sowohl beim Aufwärmen als auch am Ende einer Trainingseinheit erfolgen. Im Profibereich sind diese aktiven Präventionsmaßnahmen individualisiert umzusetzen. Als weitere Vorsorgemaßnahme ist die vermehrte Zufuhr von Flüssigkeit anzusehen, da sich dadurch die Muskeldurchblutung nach schweißbedingter Viskositätserhöhung des Blutes verbessert. Und auch eine optimale Basisfitness (Ausdauer-, Koordinations-, Hochintensitätstraining) senkt letztlich das Risiko einer Verletzung. Zudem gehören eine geeignete Sportausrüstung sowie ggf. Schutzausrüstungen zur Verletzungsprävention. Darüber hinaus sollte ein Trainieren bei Infektionen strengstens vermieden werden, da dies z. B. eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) zur Folge haben könnte. Selbst unterschwellige oder chronische Infektionen, z. B. der Zähne oder im Hals-Nasen-Ohren-Bereich, lassen das Verletzungsrisiko ansteigen. Trainierte Sportler haben zudem einen erhöhten Muskelstoffwechsel, der den Bedarf an Spurenelementen wie Zink und Eisen oder Mineralstoffen wie Magnesium ansteigen lässt. Dieser erhöhte Bedarf ist in den meisten Fällen bereits durch eine ausgewogene Ernährung gedeckt, macht also nicht zwingend die Einnahme entsprechender Nahrungsergänzungsmittel erforderlich.

Foto: Panthermedia/Martin Novak

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