Artikel erschienen am 09.08.2023
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Damit der Strumpf auch wirklich passt …

Kompression bei Ulcus mit Hilfsmittelnummer Budget neutral verordnen

Von Vivien Meyer, Braunschweig

Vom Venenleiden bis hin zum Lymphödem* – es gibt verschiedene Diagnosen, die das Tragen von Kompressionsstrümpfen notwendig machen.

Unterschiedliche Kompressionsklassen

Die Art der Versorgung wird von zwei Faktoren bestimmt: zum einen vom Krankheitsbild, zum anderen von der Ausprägung der Krankheit. Es gibt vier unterschiedliche Druck- oder Kompressionsklassen, die je nach Krankheitsbild und/oder -schwere vom Arzt verschrieben werden:
Klasse 1: bei leichter oder beginnender Krampfaderbildung, schweren und müden Beinen, ohne Ödembildung
Klasse 2: bei ausgeprägten Krampfadern, Schwellungen, oberflächlichen Venenentzündungen, Ödemen und nach Operationen
Klasse 3: nach Thrombose und zum Abheilen von Unterschenkelgeschwüren, bei chronischer Veneninsuffizienz, Krampfaderleiden und Hautveränderungen
Klasse 4: bei noch schwereren Krankheitsbildern und Lymphödemen*.
Der Arzt entscheidet anhand der Ausprägung der Symptome, welche Druckklasse für seinen Patienten die richtige ist.

Fachberatung im Sanitätshaus

Versorgt wird der Patient im Sanitätshaus. Speziell ausgebildete Fachkräfte beraten den Kunden und suchen mit ihm gemeinsam den optimalen Strumpf aus. Kompressionsstrümpfe gibt es in verschiedenen Materialien und Farben von unterschiedlichen Herstellern mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Abhängig von der Krankenkasse muss vor der Versorgung ein Kostenvoranschlag erstellt und genehmigt werden. Das kann dann ein paar Tage dauern.

Übrigens leiden weit mehr Frauen als Männer unter Venenerkrankungen wie Krampfadern.

Individuelle Anpassung


Ganz wichtig ist das richtige Messen, damit die Kompressionsstrümpfe optimal sitzen und den richtigen Druck auf die entsprechenden Partien für einen optimalen Druckverlauf abgeben.

Die Fachverkäuferin nimmt beim Kunden Maß. Neben der Beinlänge sowie Länge und Breite des Fußes wird der Umfang der Beine an verschiedenen Messpunkten gemessen und in ein Maßblatt eingetragen.

Wenn die passenden Strümpfe vorrätig sind, kann der Kunde sie sofort erhalten. Sind sie nicht vorrätig oder bedarf es einer speziellen Größe, werden die Strümpfe bestellt.

Wissenswertes über Kompressionsstrümpfe:

Bei einer ärztlichen Verordnung übernimmt die Krankenkasse zwei Paar Kompressionsstrümpfe.
Kompressionsstrümpfe sollten nach sechs Monaten ausgetauscht werden, da sie bei regelmäßigem Gebrauch an Festigkeit verlieren können und dann der Druck beziehungsweise dessen Verteilung nicht mehr stimmt.
Es gibt auch modische Kompressionsstrümpfe und -strumpfhosen. Für diese muss der Kunde allerdings eine Aufzahlung leisten.
Unterstützend sollten Patienten bei müden Beinen Venengymnastik betreiben.
Kompressionsstrümpfe müssen gut sitzen. Sie dürfen keine Falten bilden, sonst ist der Therapieverlauf in Gefahr. Deswegen zeigt die Fachverkäuferin ganz genau, wie der Strumpf anzuziehen ist.
Es gibt Anziehhilfen, die je nach Hersteller unterschiedlich ausfallen. Ob Gestell oder spezielle Kunststoff-Anziehhilfe – jeder Kunde findet im Sanitätshaus die für ihn optimale Lösung.
Mit etwas Übung lassen sich die Strümpfe auch ohne Anziehhilfe anziehen. Um das Material zu schonen, empfehlen sich allerdings spezielle Handschuhe. Damit der Strumpf auch wirklich passt …


Was ist …?
Das Lymphödem ist eine sicht- und tastbare Flüssigkeitsansammlung im Interstitium (Zwischenzellraum). Es wird durch mechanische Insuffizienz des Lymphgefäßsystems hervorgerufen, sodass die interstitielle Flüssigkeit nicht mehr ausreichend über die Lymphgefäße abtransportiert werden kann. (Quelle: Wikipedia)

Lange galt die phlebologische Versorgung von Diabetes-Patient:innen für schwierig bis unmöglich. Kompressive Lösungen auf dem Markt waren Budget-belastend und kostspielig.

Die Kompressionstherapie ist aber ein grundlegender Aspekt in der Behandlung von Ulcus cruris venosum. Fachgerecht durchgeführt bewirkt sie eine dauerhafte Steigerung des venösen Rückflusses und damit eine Reduzierung der Drucküberlastung und Volumens im Venensystem. Durch verschiedene Materialien und Methoden wird ein Druck erzeugt, der zum Herzen hin allmählich abnimmt, wodurch der venöse Querschnitt reduziert wird. Die noch nicht zerstörten Venenklappen nehmen ihre Funktion als Rückstauventil wieder auf, das Ödem wird reduziert, der venöse Rücktransport wird begünstigt und Abfallstoffe werden abgeführt. Die Reduzierung von Ödemen führt außerdem zu einer Linderung von Schmerzen und die Kompressionstherapie sorgt dafür, dass die Arbeit der Muskeln, besonders der Sprunggelenks- und Wadenmuskulatur erhöht wird.

Mit der neuen Klassifikation des circaid® juxtalite® der Firma Medi gehören die Zeiten der schwer zu versorgenden Ulcus Patient*innen der Vergangenheit an. Das medizinische System der adaptiven Kompression ist die Alternative zum herkömmlichen Wickelverband des Unterschenkels. Durch die hohe Stabilität und den enormen Arbeitsdruck wird circaid® juxtalite® zur Entstauung bei venösen Ödemen und dem Krankheitsbild Ulcus cruris venosum eingesetzt. Das An- und Ablegen des Kompressionssystems kann dank der vier Verschlussbänder schnell und einfach vom Fachpersonal und den eingewiesenen Patient*innen durchgeführt werden. Mit seiner nahtlosen Verarbeitung ermöglicht er eine gleichmäßige Druckverteilung und eine individuell anpassbare Passform. Die auch sehr gut für große Umfänge geeignet ist. Der Kompressionsbereich lässt sich über den Tag ganz einfach nachjustieren, so wird ein Druckverlust und Verrutschen der Versorgung vermieden. Mit dieser Justierung lässt sich eine konsistente und wirksame Kompressionstherapie ermöglichen und Ödem werden reduziert.

Indikationen*


circaid juxtalite ist im Hilfsmittelverzeichnis für folgende Indikationen gelistet:

  • initiale Entstauung von ausgeprägten venösen Ödemen
  • Behandlung des Ulcus cruris venosum

Einstellbare Kompression*

  • 20-30 mmHg
  • 30-40 mmHg
  • 40-50 mmHg

Kontra-Indikationen*

  • fortgeschrittene periphere arterielle
  • Verschlusskrankheit
  • dekompensierte Herzinsuffizienz
  • septische Phlebitis
  • Phlegmasia coerulea dolens
  • unbehandelte Infektion des Beines und/oder des Fußes
  • jeder Umstand, bei dem erhöhter venöser oder lymphatische Rückfluss unerwünscht ist
  • Verdacht auf oder bekannte unbehandelte akute tiefe Beinvenenthrombose
  • Besondere Aufmerksamkeit bei leichter oder mittelschwerer peripherer arterieller Verschlusskrankheit
  • eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit – der Patient muss in der Lage sein, die Kompressionsstärke wahrzunehmen
  • Unverträglichkeit auf eines der eingesetzten Materialien
  • Einsatz bei Kindern und hilfsbedürftigen Patienten/ Patienten müssen in der Lage sein, die applizierte Kompressionsstärke wahrzunehmen und zu kommunizieren

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