Artikel erschienen am 09.08.2023
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Entwicklungen in der Wirbelsäulendiagnostik und Therapie

Von Daniel Kümpel, Braunschweig

Orthopäden, Neurochirurgen und Unfallchirurgen sind die jeweiligen Vertreter ihrer Fachrichtungen, die sich mit der operativen Wirbelsäulentherapie befassen. In der Facharztausbildung sind aber jeweils ganz unterschiedliche Anzahlen und Arten von Eingriffen an der Wirbelsäule im Facharztkatalog nachzuweisen.

Eine zeitgemäße Wirbelsäulentherapie erfordert häufig die Kombination von Verfahren, die sich aus den einzelnen Fachrichtungen heraus entwickelt haben, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen.

Die Deutsche Wirbelsäulengesellschaft (DWG) als Dachorgan der einzelnen Berufsverbände von Orthopäden, Neurochirurgen und Unfallchirurgen strebt deshalb durch strukturierte Aus- und Weiterbildung die Einführung einer Zusatzbezeichnung „Spezielle Wirbelsäulenchirurgie“ an. Zentrale Themen sind hier die fachübergreifende Vermittlung von Ausbildungsinhalten und deutlich höhere Fallzahlen in der Ausbildung. Bereits jetzt können über die Akademie der DWG durch ein strukturiertes Kurssystem und Nachweis entsprechender Erfahrungen persönliche Zertifikate erworben werden.

Als einer der größeren Trends in der Wirbelsäulentherapie der letzten Jahre zeichnet sich eine immer mehr in den Focus rückende Beachtung des individuellen Wirbelsäulenprofils in Zusammenspiel mit Becken und Hüftgelenken ab. Sowohl in der Diagnostik als auch Therapieplanung, insbesondere bei stabilisierenden Eingriffen an der Wirbelsäule, findet somit ein individualisiertes Vorgehen unter Berücksichtigung der „Gesamtstatik“ statt.

Diesem Behandlungsansatz wird durch eine erweiterte Diagnostik im Vorfeld und individuelle Therapieplanung entsprechend Rechnung getragen. Häufig sind sich auch Symptome einer Arthrose des Hüftgelenks mit denen eines Bandscheibenvorfalls oder einer Wirbelkanalverengung (Spinalstenose) der Lendenwirbelsäule sehr ähnlich, gleiches gilt auch für Halswirbelsäule und Schultergelenk. Hier ist insbesondere die enge Zusammenarbeit der jeweiligen Spezialisten gefragt, um ein optimales Behandlungsergebnis zu erzielen.

Weitere Entwicklungen in der Wirbelsäulentherapie finden sich bei Operationsinstrumentarien für immer minimalinvasivere Eingriffe als auch bei immer fortschrittlicheren Implantaten. Diese werden z.B. teils im 3D-Druckverfahren hergestellt und bieten Vorteile, die vor einiger Zeit noch nicht möglich erschienen. Seit einigen Jahren finden solche, aus Titan in 3D-Gitterstruktur „gedruckten“ Implantate bei Wirbelsäulenoperationen Anwendung, es zeigen sich hier bisher sehr gute Ergebnisse bei großer Patientensicherheit.

Fazit
Neben einer stetigen technischen Weiterentwicklung ist eine strukturierte und fachübergreifende Weiterbildung der Fachärzte für das Behandlungsergebnis von Wirbelsäulenerkrankungen von entscheidender Bedeutung.

 

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