Artikel erschienen am 09.08.2023
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Kniearthrose

Aktuelle Behandlungsansätze von konservativ über gelenkerhaltende Operationen bis zum Gelenkersatz

Von Pd Dr. Med. Habil. Sanjay Weber Spickschen, Peine

Zu den typischen Beschwerden der Patienten gehören Schmerzen und Bewegungseinschränkungen.

Nicht jede Gonarthrose muss zwangsläufig mit einer Knieprothese operiert werden. Um eine präzise Aussage treffen zu können, ist eine genaue Diagnostik inklusive detaillierter Anamneseerhebung, gründlicher Untersuchung und genauer Bildgebung zentral wichtig. In Abhängigkeit des Leidensdruckes sowie des Ausmaßes der Arthrose können verschiedene Therapieoptionen gewählt werden.

Leider sind auch heutzutage etwa 20 % der Knie-TEP-Patient*innen nach Prothesenimplantation nicht zufrieden!

Aktuelle Studien zeigen, das gerade eine präzise und detaillierte Indikationsstellung und die genaue und ausführliche Besprechung mit den Patienten die Rate an zufriedenen Prothesenpatienten deutlich steigern kann. Neben der kritischen Indikationsstellung ist vor allem die umfangreiche Aufklärung über einen realistischen Zeitplan sowie erreichbare individuelle Ziele von großer Bedeutung. Hierfür sollte sich der behandelnde Operateur ausreichend Zeit nehmen und auf die individuellen Bedürfnisse umfassend eingehen.
(Gunaratne et al, 2018, Journal Arthropalsty)
(Hafkamp et al, 2020, Journal Arthroplasty)

Bei beginnender Arthrose bzw. beginnenden Knorpelschädigungen kann die konservative Therapie eine deutliche Beschwerdelinderung bringen und die Lebensqualität verbessern. Aus dem Bereich der Sportmedizin gibt es hierfür verschiedene Therapieansätze, die auch kombiniert werden können (beispielsweise Hyaluronsäure-Injektionen, ACP-Infiltrationen, manuelle Therapie/FDM/Osteopathie, Anpassung der Belastung bzw. des selbständigen Trainings).

Bei ausbleibendem Therapieerfolg über mehrere Monate kann die Indikation zu einer gelenkerhaltenden Operation gestellt werden. Besteht ein umschriebener Knorpeldefekt, gibt es je nach Indikation verschiedene Knorpelersatzverfahren. Möglich ist beispielsweise eine Stimulation zur Bildung eines körpereigenen Ersatzknorpels

Gonarthrose mit großer Achsabweichung bzw. großer Instabilität, kann ggf. auch bei der Erstimplantation einer höherer Kopplungsgrad notwendig werden. Die Vor- und Nachteile der jeweiligen Prothesenmodelle sollten individuell gewählt und dem Patienten/der Patientin ausführlich erläutert werden.

Für den Behandlungserfolg ist eine gute Strukturierung der Nachbehandlung sehr wichtig. Als wichtigste Ziele stehen neben der Reduktion der Schwellung und des Schmerzes eine möglichst frühe Aktivierung der knieumgebenden Muskulatur im Vordergrund, damit die Patient*innen möglichst frühzeitig wieder mobil werden. Wie eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover und der Charité Berlin zeigte, kann mit Hilfe des Exergame-Konzeptes (Kombination aus exercise = Übung und game = Comuterspiel) die Motivation für ein selbständiges Training gesteigert werden und hierdurch die Mobilisierung in der Anfangsphase deutlich verbessert werden. Welche Therapieoption letztendlich die höchste Wahrscheinlichkeit auf ein zufriedenstellendes Ergebnis bietet, sollte in jedem Fall präzise analysiert und ausführlich und verständlich besprochen werden. (Hardt et al. KSSTA, 2018)

satzknorpels, Transplantation eines Knorpel-Knochen-Zylinders oder Anzüchtung von Knorpelzellen.

Bei Patienten, die beispielsweise ein O-Bein haben, wird die Gelenkinnenseite deutlich mehr belastet. Wenn nun auf der Gelenkinnenseite eine Knorpelschädigung vorliegt, der Knorpel auf der Gelenkaußenseite jedoch noch intakt ist, kann die Indikation zu einer Achskorrektur gestellt werden. Der Vorteil bei diesem Verfahren liegt darin, dass die wichtigen Kniestrukturen wie Bänder, Knorpel und Menisken erhalten bleiben und nicht durch künstliche Implantate ersetzt werden.

Wenn nur ein bestimmter Gelenkanteil geschädigt ist, etwa nur die Innenseite, nur der Bereich hinter der Kniescheibe oder nur die Außenseite, kann ein künstlicher Teilgelenkersatz eingebaut werden. Dieses Verfahren ähnelt einer „Überkronung vom Zahnarzt“, bei der ebenfalls ein Großteil des Kniegelenkes erhalten bleibt und nur der geschädigte Anteil ersetzt wird.

Wenn jedoch eine Schädigung auf der Innen- und der Außenseite des Kniegelenkes vorliegt und der Leidensdruck des Patienten/der Patientin sehr hoch ist (schmerzfreie Gehstrecke aufgehoben, regelmäßige Schmerzmitteleinnahme, regelmäßiges nächtliches, schmerzbedingtes Erwachen ….) kann die Indikation zu einem Oberflächenersatz (bicondylär = die Innen- und Außenseite betreffend) gestellt werden. Bei der genauen Implantatwahl wird berücksichtigt, ob eine ausreichende Stabilität im Kniegelenk vorliegt. Vereinfacht gesagt, kann das hintere Kreuzband erhalten oder reseziert werden. Bei komplexeren Fehlstellungen und Instabilitäten, z. B. bei einer posttraumatischen

 

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