Artikel erschienen am 04.08.2023
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Nach dem Blitz kommt der Donnerschlag

Neuroradiologische Bildgebung bei Kopfschmerzen

Von Dr. Med. Philip M. Schlegel, Braunschweig

Während die primären Kopfschmerzen auf keine erkennbare Ursache zurückgehen, treten die sekundären Kopfschmerzen als Warnsignal für eine andere Störung auf, zum Beispiel nach Verletzungen des Kopfes, Gefäßerkrankungen, Entzündungen des Hirngewebes oder der Hirnhäute, als Nebenwirkung von Medikamenten, bei Schädigungen der Halswirbelsäule, bei Gehirntumoren oder auch bei Erkrankungen von Hals, Augen, Ohren, Nase, Nasennebenhöhlen oder Zähnen.

Zu den am häufigsten auftretenden Kopfschmerzen gehören primäre Kopfschmerzen wie die Migräne und der Spannungskopfschmerz. Zu den seltenen Kopfschmerzen – und zugleich zu den ungewöhnlicheren Kopfschmerzarten – gehört zum Beispiel der Donnerschlagkopfschmerz. Der Donnerschlagkopfschmerz, englisch Thunderclap Headache, ist ein Kopfschmerz von zuvor unbekannter Intensität. Da der Schmerz so intensiv ist, wird er auch als Vernichtungskopfschmerz bezeichnet. Er beginnt plötzlich und erreicht sein Schmerzmaximum innerhalb einer Minute. Er kann eine Stunde, aber auch mehrere Tage andauern und bedarf unbedingt einer Abklärung durch ein bildgebendes Verfahren.

Die am häufigsten auftretenden Kopfschmerzarten

Die Migräne ist eine idiopathische Erkrankung, die weltweit sowohl Männer als auch Frauen betreffen kann. Diese chronische Kopfschmerzform tritt anfallsartig auf. Einige Patienten haben nur ein- oder zweimal im Jahr eine Migräne, andere Betroffene leiden mehrmals im Monat und in schlimmen Fällen sogar täglich unter Migräneanfällen. Die Schmerzen werden als pulsierend, pochend oder stechend beschrieben und treten häufig einseitig an einer Kopfhälfte auf. Häufig wird die Mi-
gräne von vegetativen Symptomen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Lärm- und Lichtscheu und Überempfindlichkeit gegenüber Lärm und Gerüchen begleitet. Eine Attacke kann zwischen Stunden und drei Tagen dauern.

Neben der Migräne ist der Spannungskopfschmerz einer der häufigsten Kopfschmerzen. Typische Symptome sind dabei beidseitig drückende Schmerzen, die meist leicht bis mittelstark auftreten. Man unterscheidet beim Spannungskopfschmerz zwischen einer episodischen und chronischen Verlaufsform. Bei der chronischen Verlaufsform tritt der Kopfschmerz an mindestens
15 Tagen im Monat auf.

Der sogenannte Cluster-Kopfschmerz ist die häufigste Form der insgesamt eher seltenen trigemino-autonomen Kopfschmerzen. Cluster-Kopfschmerzen gehören zu den schlimmsten Kopfschmerzformen. Die Kopfschmerzattacken treten auf einer Seite des Kopfes auf und werden oft begleitet von einem tränenden, geröteten Auge, einem hängenden Augenlid sowie einer laufenden Nase. Auslöser der Attacken können Alkohol, bestimmte Lebensmittel, grelles oder flackerndes Licht sowie Temperaturschwankungen sein.

Wann ist eine radiologische Bildgebung notwendig?

Treten bei einem Patienten erstmals Kopfschmerzen mit der typischen Symptomatik einer primären Kopfschmerzform auf, können diese von einem in der Behandlung von Kopfschmerzen erfahrenen Arzt wie einem Neurologen häufig sicher eingeordnet und zielgerichtet behandelt werden. Ist der Charakter der Kopfschmerzen oder der klinische Verlauf jedoch nicht typisch, sollte eine radiologische Bildgebung des Kopfes durchgeführt werden. Gleiches gilt, wenn ein bekannter Kopfschmerz an Intensität zunimmt oder seinen Charakter verändert. Auch neu aufgetretene neurologische Symptome oder Ausfälle sollten weiter bildgebend abgeklärt werden.

Besteht der Verdacht auf eine sekundäre Kopfschmerzform ist eine weitere Abklärung notwendig, die meist auch ein bildgebendes Verfahren beinhaltet. Als Warnzeichen („red flags“) für einen sekundären Kopfschmerz werden beispielsweise ein schlagartiger Beginn der Symptomatik oder zusätzlich bestehende Zeichen einer Infektion mit Fieber angesehen. Auch ein Alter über 50 Jahre, eine Tumorerkrankung in der Vorgeschichte oder eine bestehende Erkrankung des Immunsystems gelten als Warnzeichen.

Auch die Sorge des Patienten vor einer die Kopfschmerzen auslösenden Erkrankung wie ein Gehirntumor muss bei der Bewertung, ob ein bildgebendes Verfahren durchgeführt wird, ernst genommen und berücksichtigt werden. So kann durch eine qualifizierte neuroradiologische Ausschlussdiagnostik dem Patienten zumeist diese Angst genommen und damit ein positiver Effekt auf den weiteren Krankheitsverlauf erzielt werden.

Um den Patienten eine individuelle Untersuchung ermöglichen zu können, muss zuvor eine detaillierte Anamnese erhoben werden. Zum Beispiel müssen Vorerkrankungen abgefragt werden, das Alter muss betrachtet werden, der Schmerzcharakter beschrieben werden, der Zeitpunkt und die Häufigkeit der Kopfschmerzen müssen berücksichtigt werden sowie die eventuell begleitenden Symptome. Aus diesen Details kann nur ein Facharzt für Neuroradiologie, der aufgrund seiner Weiterbildung mit den infrage kommenden Krankheitsbildern vertraut ist, festlegen, welche passgenaue Untersuchung der Patient erhält.

Untersuchung im 3-Tesla-MRT

Bei jedem vierten bis fünften Kopfschmerz-Patienten ist ein bildgebendes Verfahren erforderlich. Hierzu stehen die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT, auch Kernspintomographie) zur Verfügung. Während die CT vorwiegend bei akutem Kopfschmerz zum Ausschluss einer unmittelbar behandlungsbedürftigen Erkrankung wie einer akuten Blutung verwendet wird, stellt die MRT insgesamt das qualitativ bessere Verfahren zur weiteren Abklärung bei Kopfschmerzen dar.

Die MRT mit einem Hochfeldgerät (1,5 Tesla, 3 Tesla) ist heute in den meisten Fällen das Standardverfahren zur bildgebenden Diagnostik bei Kopfschmerzen. Eine spezielle hochauflösende Untersuchungsspule für den Kopf sollte dabei in jedem Fall zur Anwendung kommen. Durch das höhere Magnetfeld erlaubt ein modernes 3-Tesla-MRT eine höhere Bildauflösung bei verkürzten Untersuchungszeiten und verbessert damit die Aussagekraft der Untersuchung deutlich. Zur Abklärung von Kopfschmerzen ist es entsprechend der geltenden Qualitätsrichtlinien häufig notwendig, ein Kontrastmittel in eine Vene zu spritzen. Dadurch kann die diagnostische Sicherheit erhöht und den Patienten eine bestmögliche Diagnostik garantiert werden.

Die Auswertung der Untersuchung durch einen speziell geschulten und erfahrenen Neuroradiologen ist äußerst empfehlenswert.

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