Artikel erschienen am 09.08.2023
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Perfekte Symbiose von Hightech und Handarbeit

Von Norman Schulz, Braunschweig

Für eine gute Haltung sind gesunde Füße eine wesentliche Voraussetzung. Sind die Füße nicht gesund, können Einlagen, orthopädische Schuhzurichtungen oder orthopädische Maßschuhe einen Ausgleich schaffen.

Früher konnte es schon mal einige Wochen dauern, bis der Patient seine individuelle Versorgung bekam. Heute geht das viel schneller – auch in der orthopädischen Schuhtechnik hat innovative Technik Einzug gehalten: 3D-Scanner, CAD-Programme, CAD-Fräsen oder 3D-Drucker helfen, den Herstellungsprozess enorm zu beschleunigen.

Einlagen korrigieren nicht nur Fehlstellungen im Fuß, sondern wirken sich auf den gesamten Bewegungsapparat positiv aus. Fehlstellungen des Fußes können eine erhebliche Auswirkung auf eine schlechte Körperhaltung, Rückenschmerzen und Gelenkschmerzen haben, da der Körper versucht, diese fehlerhafte Haltung auszugleichen. Deshalb sollte man den Patienten oder die Patientin immer ganzheitlich betrachten.

Die Problematik der Patient*innen

Wiederkehrende oder sogar dauerhafte Schmerzen in den Füßen können auf eine Fußfehlstellung hindeuten. Auch Beschwerden nach einer Belastung durch Sport oder Gehen können ein Anzeichen für eine Fußfehlstellung sein. Selbst bei Rücken-, Kopf-, Knie- oder Gelenkschmerzen kann eine Fehlstellung der Füße die Ursache sein. Eine Fehlstellung hat nämlich vielerlei Auswirkungen auf den gesamten Körper. Einlagen können in einem solchen Fall Abhilfe schaffen. Wenn solche Beschwerden festgestellt werden, sollten die Patient*innen immer die Orthopädin oder den Orthopäden Ihres Vertrauens aufsuchen. Die perfekten Einlagen gegen Ihre Problematik erhalten Sie dann vom Sanitätshaus. Neben eine Fußfehlstellung können Einlagen natürlich auch bei Krankheitsbildern, wie zum Beispiel einem Senk-Spreizfuß, einem Knick-Senk-Spreizfuß, einem Spreizfuß, einem Fersensporn oder einer Beinlängendifferenz therapeutisch eingesetzt werden.

Welches Modell ist das richtige?

Was viele nicht wissen, das Gebiet Einlagen ist sehr vielfältig. Es gibt Weichpolstereinlagen, Kork-Ledereinlagen, Holzeinlagen, Schaleneinlagen, Drei-Backen-Einlagen, Sporteinlagen und viele mehr. Je nach Indikation, Diagnose und individuellen Bedürfnissen gibt es für jede*n das richtige Modell.

Füße werden mit allen Details gescannt


Bevor Einlagen, Schuhzurichtungen oder Maßschuhe gebaut werden können, benötigt der Schuhtechniker alle erforderlichen Daten der Füße. Das erledigen heute Fußscanner, die entweder die Fußsohle – für die Einlage – oder den kompletten Fuß bis über den Knöchel – für den Maßschuh – im 3D-Messverfahren erfassen. Es werden also auch alle Besonderheiten beider Füße berücksichtigt, wie Länge und Breite oder die Zehenstellung. Diese Technik ersetzt das Gipsen und ist für den Kunden sehr viel angenehmer.

Einlage wird am Bildschirm exakt angepasst

Die erfassten Daten sendet der Fußscanner an einen Computer. In speziellen Programmen entsteht anschließend ein virtuelles Abbild der Fußsohle beziehungsweise des kompletten Fußes. Am Bildschirm kann der Schuhtechniker den Fuß aus jeder Perspektive betrachten und modelliert an diesem Abbild die Einlage. Im Anschluss errechnet der Computer aus dem virtuellen Fuß-Abbild die Daten, die die CNC-Einlagenfräse oder der 3D-Drucker benötigen. Die Einlagenfräse fräst gleichzeitig beide Einlagen als Rohform. Der Techniker passt sie anschließend individuell für den Träger oder die Trägerin und dessen Schuhe an.

Der richtige Schuh ist entscheidend für den Therapieerfolg

Damit die Einlage optimal sitzt, muss diese einen festen Halt im Schuh haben. Deshalb sind offene oder zu große Schuhe für Einlagen ungeeignet. Auch Pumps und Absatzschuhe sind für den Therapieerfolg nicht von Vorteil. Wer im Sommer dennoch nicht auf offene Schuhe verzichten möchte, kann auf CNC-gefräste Maßsandalen zurückgreifen. Das Fußbett erfüllt hier alle medizinischen Zwecke der Einlage.

Wann ist mit einem Therapieerfolg zu rechnen?

Je nach Krankheitsbild lässt sich mit einer Einlage das Fortschreiten einer Krankheit einschränken oder die Problematik beheben. Generell ist zu sagen, eine Einlage wird den Patient*innen nicht sofort Linderung verschaffen. Einlagen sind für einen langanhaltenden und sich langsam einstellenden Effekt konzipiert. Sie sollen den Fuß schonend in die richtige Position bringen und die Körperhaltung nachhaltig verbessern. Deshalb ist das regelmäßige Tragen und die Mitarbeit der Patient*innen entscheiden für den Therapieerfolg.

Einlagen verursachen Schmerzen

Ja, das ist richtig. Einlagen können zu Beginn der Therapie Schmerzen verursachen, diese sollten sich aber nach der Eingewöhnungsphase mildern und über einen mittleren bis starken Muskelkater nicht hinausgehen. Treten Druckstellen oder gar Verletzungen auf, sollte unbedingt Rücksprache mit dem Orthopädietechniker oder der Orthopädietechnikerin gehalten werden.

Die Zukunft der Einlagen

Die klassische Einlagenversorgung wird weiterhin praktiziert und als eine der am häufigsten angewendeten Herstellungsmethoden fortbestehen. Allerdings wird diese um einige digitale Faktoren ergänzt und erweitert. Die Erwartungen der Patient*innen an Lieferzeiten und Komfort steigen, deshalb kann auf die Hinzunahme digitaler Verfahren nicht verzichtet werden. Die moderne Orthopädie – und Orthopädieschuhtechnik setzt schon lange auf die Genauigkeit eines 3D-Scans und Computermodulation. Dieses Verfahren hebt die Arbeit und Therapiemöglichkeiten der Techniker*innen auf ein neues Level der Exaktheit. Auch Einlagen aus dem 3D-Drucker sind keine reine Zukunftsmusik mehr, sondern bereits Realität. Da orthopädische Einlagen einer hohen täglichen Belastung ausgesetzt sind und sehr individuelle Kriterien der unterschiedlichen Krankheitsbilder erfüllen müssen, dauert es allerdings noch ein wenig, bis die optimalen Druckwerkstoffe für jedes Bedürfnis entwickelt werden. Die Weiterentwicklung wird aber mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen.

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