Artikel erschienen am 14.12.2023
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Das Da-Vinci-Robotersystem

Hohe Präzision, Fortschritte und Einsatz in der Gynäkologie

Von Ahmed Zidan, Goslar

Vor allem im Fachbereich der Gynäkologie hat der Einsatz des Da-Vinci-Robotersystems in Hinblick auf Präzision, Sicherheit und die Genesung der Patientinnen neue Maßstäbe gesetzt. Dieser Fachbeitrag betrachtet die Bedeutung des da-Vinci-Robotersystems in der gynäkologischen Chirurgie und seine Auswirkungen auf die Versorgung der Patientinnen.

Foto: Asklepios Harzklinik

Präzision

Die drei beziehungsweise vier Roboterarme sind flexibler und in gewisser Weise sogar sensibler als jede menschliche Hand. Sie werden von einem Operateur gesteuert, der an einer Konsole sitzt und den Operationsbereich bis zu 10-fach vergrößert und in 3D sieht. Das System überträgt alle Handbewegungen an der Steuerkonsole in kleinere, präzisere Bewegungen an die winzigen Instrumente im Körper des Patienten. Die Vorteile: Der Roboter kann kleinste Schnitte und exakte Nähte setzen, sodass das Risiko von Komplikationen stark verringert wird. Durch die Arbeit an der Konsole ermüdet der Chirurg weniger. Der Hauptvorteil des Systems ist, dass es äußerst präzise Bewegungen auszuführen kann, die von der menschlichen Hand schwer nachzubilden sind. Gerade auch in kleinen und sonst schwer zugänglichen Körperregionen wie z.B. dem kleinen Becken ist das von großer Bedeutung. Da die Genitalorgane der Frau oft kleine und komplexe Strukturen aufweisen, ist der Da-Vinci-Roboter in der gynäkologischen Chirurgie besonders hilfreich. So hat das von einem US-amerikanischen Unternehmen entwickelte System die gynäkologische Chirurgie auf ein neues Level gebracht.

Minimalinvasive Chirurgie

Natürlich sind die Eingriffe mit dem da Vinci minimalinvasiv und erfordern nur kleine Schnitte. Im Vergleich zur konventionellen minimalinvasiven Chirurgie sind die robotergestützten Eingriffe noch genauer. Der Blutverlust wird minimiert. Durch die präzisen Schnitte und Nähte werden Blutgefäße besser versiegelt, das reduziert auch das Risiko von Nachblutungen. Prinzipiell verringert die minimalinvasive Methode das Infektionsrisiko, da kleinere Wunden und weniger Wundfläche auch weniger anfällig für Infektionen sind. Auch kommt es so zu einer schnelleren Heilung. Dies hat den Vorteil, dass Patientinnen von kürzeren Krankenhausaufenthalten, geringeren Schmerzen und insgesamt schnellerer Genesung profitieren. Bei gynäkologischen Operationen wie Gebärmutterentfernung oder anderen Eingriffen bei Gebärmutter- und Eierstockerkrankungen können die Patientinnen wie oben ausgeführt schneller in ihren Alltag zurückkehren. Dies ist besonders wichtig für Frauen, die in Familie und Beruf gleichermaßen gefordert sind. Gerade für die Frauen sind die Vorteile durch Eingriffe mit dem Da-Vinci-System besonders deutlich: Sie können sich aufgrund der geringeren Schnittgröße, des kleineren Gewebetraumas sowie des in der Regel geringen Blutverlustes schneller wieder erholen, entwickeln seltener Wundheilungsstörungen, haben weniger Schmerzen und kleinere Narben als bei offenen Eingriffen.

Erweiterter Zugang zu komplexen Eingriffen

Der Da-Vinci-Roboter ermöglicht den Chirurgen den Zugang zu komplexen gynäkologischen Eingriffen, die zuvor möglicherweise schwieriger oder riskanter gewesen wären. Hierzu gehören auch Operationen bei Endometriose (versprengte Gebärmutterschleimhaut im kleinen Becken oder an den Eierstöcken), Eileiterverschlüssen und Eierstockzysten. Der Roboter kann in Bereichen operieren, die für die menschliche Hand schwer erreichbar sind, und somit die Erfolgsaussichten solcher Eingriffe verbessern.

Das Da-Vinci-Operationssystem wird in der Gynäkologie für unterschiedliche Eingriffe eingesetzt. Hier sind einige Beispiele:

  1. Hysterektomie: Das Entfernen der Gebärmutter kann mit dem Da-Vinci-System minimalinvasiv durchgeführt werden.
  2. Myomektomie: Das Entfernen von Uterusmyomen (gutartige Geschwülsten in der Gebärmutter) kann präzise und schonend mit da Vinci erfolgen.
  3. Endometriose-Chirurgie: Bei Endometriose, einer oft sehr schmerzhaften Erkrankung (s.o.), kann das System verwendet werden, um betroffenes Gewebe zu entfernen.
  4. Eierstockzysten-Entfernung: Ovarialzysten können laparoskopisch mit Hilfe von da Vinci entfernt werden.
  5. Adhäsiolyse: Die Entfernung von Verwachsungen im Becken, insbesondere nach Infektionen oder Voroperationen, kann mit dem Roboter präzise durchgeführt werden.

Ausblick und Fazit

Die Integration des Da-Vinci-Robotersystems in die gynäkologische Chirurgie ist ein Meilenstein für die Zukunft: Präzision, minimalinvasive Verfahren und verbesserte Genesungszeiten sind nur einige der vielen Vorteile, die es bietet. Gynäkologinnen und Gynäkologen können komplexe Eingriffe vornehmen, die früher schwer durchführbar schienen. Patientinnen haben dadurch die Sicherheit einer qualitativ noch hochwertigeren Versorgung. Die Zukunft der gynäkologischen Chirurgie ist vielversprechend, denn die Robotik und die damit verbundene Technologie entwickelt sich fortlaufend weiter, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen weltweit weiter zu verbessern. Man muss kein Prophet sein, um klar vorauszusagen: Der Einsatz des Da-Vinci-Robotersystems in der Gynäkologie hat eine große Zukunft und wird sie weiter prägen.

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