Artikel erschienen am 18.12.2023
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Hüftschmerzen aus Sicht des Gefäßmediziners

Hüftschmerzen entstehen nicht immer durch Gelenkverschleiß

Von Dr. Med. Matthias Witzel, Braunschweig
Matthias Witzel
Dr. Med. Matthias Witzel
Leitender Oberarzt

Die Indikationsstellung ergibt sich in den meisten Fällen aus der Befragung des Patienten und dem „passenden“ Röntgenbild. Aus dem gefäßchirurgischen Klinikalltag wissen wir jedoch, dass es Patienten gibt, die nach solch einer Hüftoperation keine Besserung der Beschwerden erlangen. Sicher eine deutliche Minderheit – doch es gibt sie. Des Weiteren stellen sich Patienten vor, die sich seit langer Zeit in orthopädischer Behandlung befinden mit z.B. Spritzenbehandlung und keine Besserung der Beschwerden erfahren.

Foto: HEH, Adobe Stock / ag visuell

Die projizierenden Schmerzen, die die Patienten angeben, betreffen die Hüftregion inklusive der Gesäßmuskulatur. Hier gilt, die Patienten achtsam zu befragen und körperlich zu untersuchen. Wird der Schmerz beim Gehen schlechter oder besteht ein sogenannter Anlaufschmerz? Bestehen Ruheschmerzen? Der menschliche Körper funktioniert nur bei ausreichender Blutzufuhr der Organe. Sollte diese einmal eingeschränkt sein, reagiert der Körper sehr sensibel.

So berichtete ein 54-jähriger Freund, dass er seit Wochen wegen belastungsabhängiger Gesäßschmerzen in orthopädischer Behandlung sei, Spritzen bekäme und bisher keine Besserung eintrat. Seine Krankengeschichte, die aus früheren Gesprächen bekannt war, wie ein seit Jahren bestehender und insulinpflichtiger Diabetes mellitus und mehrere PTCAs (Perkutane transluminale Koronarangioplastie, das ist die Ballondilatation einer Engstelle einer Herzkranzarterie mit Stent-Implantation), deutete jedoch darauf hin, dass den Schmerzen eine Gefäßkrankheit zugrunde liegen könnte.

Nach klinischer und duplexsonografischer Untersuchung der Beinarterien erhärtete sich der Verdacht auf einen stenotischen (verengenden) Prozess im Beckenarterienbereich, der sich MR-angiografisch bestätigte. Es lag eine hochgradige Stenose (Engstelle) im Bereich der A.iliaca communis vor. Nach Befundbesprechung und folgender Angioplastie – Erweiterung eines verengten Blutgefäßes mittels eines ins Gefäßsystem eingeführten Katheters – war der Patient beschwerdefrei.

Dieses Beispiel soll Ärzten wie Patienten zeigen, dass eine Symptomatik mehrere Ursachen haben kann. Aufgrund der allzeit zugänglichen und nichtinvasiven Diagnostik, die uns heute zur Verfügung steht, muss uns dieses differentialdiagnostische Herangehen immer begleiten. Somit können Behandlungen, die nicht zielführend sind, vermieden werden und dem Patienten eine ursächliche Behandlung zuteilwerden.

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