Artikel erschienen am 03.09.2016
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Kapselendoskopie – Science-Fiction?

Von Dr. med. Michael Neubauer, Langenhagen

1966 wurde der amerikanische Science-Fiction-Film „Die Phantastische Reise“ erstmals in den Kinos gezeigt. Darin wird eine Gruppe von Menschen samt einem U-Boot verkleinert und in eine Ader injiziert, um so eine komplizierte Gehirn-OP vornehmen zu können.

Noch nicht ganz so fantastisch ist der Einsatz der schluckbaren Videokapsel, die den Verdauungstrakt von innen fotografieren kann. Die Kapsel ist 27 mm lang und 10 mm dick. Sie enthält eine Kamera, die einen 360°-Rundumblick ermöglicht und LEDs zur Ausleuchtung der Darmschleimhaut besitzt.

Im Gegensatz zur Annahme vieler Menschen, dass sich durch diesen kleinen Fotoapparat in der Größe eines Bonbons, die unangenehmen Magen- und Dickdarmspiegelungen vermeiden lassen, wird die Dünndarmkapsel i. d. R. nur für Untersuchungen des Dünndarms angewendet, der Endoskopen nur sehr schwer zugänglich ist. Meistens wird die Kapsel zur Feststellung einer Blutung aus dem Dünndarm genutzt, wenn in der Magen- und Dickdarmspiegelung keine Blutungsquelle nachgewiesen werden konnte. So lassen sich mit der Kapsel Blutungsquellen wie Polypen und Tumore, aber auch Adermissbildungen feststellen, die zur Blutung führen können. Je nach Ergebnis ist dann eine abwartende Haltung, eine Dünndarmspiegelung mit entsprechenden aufwendigen Endoskopen mit Therapieoption oder auch eine OP angezeigt. Seltener wird die Kapsel zur Abklärung einer entzündlichen Darmerkrankung eingesetzt.

Zur Durchführung der Kapselendoskopie muss der Patient wie für eine normale Darmspiegelung vorbereitet werden und zunächst mit Abführmittel den Darm reinigen. Anschließend nimmt er die Kapsel mit einem Schluck Wasser zu sich, sie rutscht dann mit der normalen Darmbeweglichkeit stückweise durch den gesamten Darmtrakt, bis sie in einer speziellen Auffangschüssel landet. Während der ca. 6- bis 8-stündigen Passage durch den Darm schießt die Kamera 50 000 – 60 000 Fotos. Die geborgene Kapsel wird in einem speziellen Aufzeichnungsgerät ausgelesen und es wird eine Datei auf dem Computer erstellt. Anschließend guckt sich der beurteilende Arzt die Fotos wie einen abgespielten Film an und wertet die Bilder aus. Jede Kapsel kann nur einmal verwendet werden.

Vorteile der Kapselendoskopie sind die einfache und schmerzfreie Untersuchung ohne Strahlenbelastung.

Nachteile sind die fehlende Möglichkeit, Probenentnahmen wie bei der Darmspiegelung durchzuführen. Auch können keine Polypen mit der Kapsel abgetragen werden. In sehr seltenen Fällen kann die Kapsel auch an Engstellen im Darm hängenbleiben, was selten eine OP zur Entfernung erforderlich macht.

Bild: Fotolia/AG Visuell

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