Artikel erschienen am 01.09.2016
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Roboterassistierte Operationen mit da Vinci

Eine neue Art der Präzision

Von Dr. med. Martin Burmester, Hannover | Dr. med. Sebastian Edeling, Hannover | Dr. med. Saša Pokupic, Hannover
Martin Burmester
Dr. med. Martin Burmester
Chefarzt und Koordinator Prostatakarzinomzentrum
Saša Pokupic
Dr. med. Saša Pokupic
Leiter da Vinci-Zentrum Hannover

Kaum Komplikationen, kaum Schmerzen und schnellere Regeneration – selbst beim größten urologischen Eingriff, der Entfernung der Harnblase bei Blasenkrebs.

Die beste Vorbeugung gegen Blasenkrebs ist es, mit dem Rauchen aufzuhören. Denn als Hauptrisikofaktoren für einen bösartigen Tumor in der Harnblase gelten nach wie vor das Rauchen und der Kontakt mit chemischen Stoffen, den sogenannten aromatischen Aminen. Blasenkrebs entsteht meist in den Schleimhautzellen, die die Harnblase auskleiden (Urothel). Breitet sich der Tumor aus, können tiefere Schichten der Blasenwand oder andere Anteile der Harnwege befallen sein. Zwar machen Harnblasenkarzinome nur rund 3 % aller bösartigen Tumore aus, dennoch darf man die Gefahr nicht unterschätzen. Die Prognose des Harnblasenkarzinoms hängt dabei entscheidend vom Stadium des Tumors ab. Nur oberflächliche Karzinome haben die beste Aussicht auf Heilung. Problematisch ist allerdings, dass Patienten in frühen Stadien oft keine Beschwerden haben. Das häufigste Symptom ist eine schmerzlose Blutung aus der Blase. Wenn der Urin rötlich oder braun verfärbt ist, sollte jedenfalls sofort der Hausarzt aufgesucht werden, ebenso bei verstärktem Harndrang ohne große Entleerung der Blase.

Bei fortgeschrittenem Blasenkrebs ist eine Heilung meist nur durch die Entfernung der gesamten Harnblase möglich, bei der auch die Prostata und Samenblasen oder die Gebärmutter und Eierstöcke sowie die umgebenden Lymphknoten entfernt werden. Der Standard ist dabei eine große, sogenannte offene Operation, die unter Vollnarkose bis zu acht Stunden dauern kann. Die Entfernung der Harnblase mit Anlage einer Ersatzblase ist der größte und anspruchsvollste urologische Eingriff. Eine radikale Entfernung der Harnblase bei Blasenkrebs mit Anlage einer Ersatzblase aus dem Darm kann komplett minimalinvasiv mit dem sogenannten da Vinci-Operationssystem durchgeführt werden.

Die Entfernung der Harnblase mit dem da Vinci-System wird zum Teil nur an einer Handvoll Zentren in Deutschland durchgeführt. Der Unterschied ist jedoch, dass einige von ihnen den zweiten Schritt der Operation, die Konstruktion einer Ersatzblase aus dem Darm oder das Anlegen eines künstlichen Darmausganges, immer noch über einen Bauchschnitt durchführen. Diese Vorgehensweise hebt einige Vorteile der minimalinvasiven Durchführung wieder auf.

Die OP-Zeiten unterscheiden sich nicht von denen der offenen Operation und die Komplikationsrate ist im Vergleich zur offenen Operation sehr niedrig. Durch die wenigen Komplikationen und die schnelle Erholung können fast alle Patienten nach fünf bis zehn Tagen entlassen werden und nicht erst nach rund drei Wochen. Die da Vinci-Operationsmethode ermöglicht eine Präzision, die bei offener Operation schlichtweg nicht erreicht werden kann. Das Ärzteteam ist dabei symbolisch mit dem Kopf im Patienten – und das mit 10-facher Vergrößerung. Operiert wird entspannt im Sitzen an der Konsole, mit Handbewegungen steuert der behandelnde Arzt die vier Roboterarme mit einer Art Joystick. Die Vorteile sind beeindruckend: Dank da Vinci hat der Patient aufgrund der sehr kleinen OP-Schnitte weniger Schmerzen, deutlich weniger Blutverlust, weniger Wundinfektionen, weniger Komplikationen, weniger Thrombosen und Embolien sowie einen Aufenthalt von nur einer Nacht auf der Intensivstation – wenn überhaupt. Der Blutverlust ist regelmäßig so gering, dass nahezu keine Blutkonserven mehr verabreicht werden müssen. Es ist sogar gewollt, dass der Patient bereits am Folgetag nach der Operation aufstehen und sich bewegen soll. Kurzum: Die Erholung tritt viel schneller ein und der Krankenhausaufenthalt kann von durchschnittlich 20 Tagen auf knapp neun Tage deutlich verkürzt werden.

Foto: VinzenzKrankenhaus Hannover

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