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Sensomotorische Einlagen als Trainingsgerät für den gesamten Körper

Von Benjamin Böer, Hannover

Der Hintergrund

Das sensomotorische System ist ein lernendes Informationssystem des Körpers. Die Propriozeption oder Tiefensensibilität ist die Eigenwahrnehmung des Körpers über die Stellung, Haltung und Bewegung im Raum.

Unser zentrales Nervensystem (ZNS) besitzt eine „Abteilung“, die man sich wie eine „Software“ für die Steuerung unseres Bewegungsapparates vorstellen muss. Sie fragt vor jeder Bewegung die Muskelspannung, die Muskellänge und den Krafteinsatz ab, steuert die Geschwindigkeit, die Gelenkstellung, die Stellung des Körpers im Raum und überprüft, ob die Bewegung wie geplant erfolgt ist.

Dies geschieht mithilfe der propriozeptiven Nervenorgane (des Golgi-Sehnenorgans, welches sich am Übergang zwischen Muskel und Sehne befindet und als Spannungsmesser dient, und der Muskelspindeln, welche als Längenmesser dienen). Eine weitere Reizaufnahme geschieht über die Haut, die Bänder oder Gelenkrezeptoren, die als Stellungsmesser dienen. Diese in den Sensoren gewonnenen Informationen werden nun über Rezeptoren, welche sich am Ende von Nervenfasern befinden, in die Hinterhornzellen des Rückenmarks geleitet (afferente Signale).

Das Hinterhorn verarbeitet die Information und leitet sie innerhalb des Rückenmarks mit einer Reaktion aus dem Rückenmark (mono- oder polysynaptische Reflexe) weiter oder das Rückenmark leitet die Information weiter zum ZNS, wo diese Informationen verarbeitet und nach dem dort individuell erlernten bzw. abgespeicherten Bewegungsmuster als Befehl in die Peripherie (efferente Signale) für eine Muskelaktivität/Bewegung gegeben wird. Diese Bewegungsmuster können dort auch z. B. durch Fehlstellungen, einem erhöhten Muskeltonus oder muskuläre Dysbalancen, nicht optimal abgespeichert sein und werden dann auch so abgerufen.

Das Tragen von sensomotorischen Einlagen optimiert diese „falschen“ motorischen Abläufe, die im ZNS so verbessert abgespeichert und abgerufen werden.

Sensomotorische Einlage

Die Einlage

Ziel einer sensomotorischen Einlagenversorgung ist es, den richtigen Muskel zur richtigen Zeit, in der richtigen Bewegung und der richtigen Intensität zu hemmen oder zu aktivieren. Dies geschieht mittels Erhebungen oder Vertiefungen, sogenannter Informationspunkte, welche den Muskeltonus beeinflussen. Ein Druck dieser Informationspunkte der Einlage in den Sehnenverlauf eines Muskels bewirkt eine frühzeitigere und stärkere Aktivierung des Muskels oder der Muskelgruppe. Zug an der Sehne eines Muskels bewirkt eine Entspannung des Muskels oder der Muskelgruppe. So kann über die Informationspunkte der Einlage gesteuert werden, welcher Muskel oder welche Muskelgruppe den Tonus (Spannung) vermindern oder erhöhen soll. Die vorhandenen Bewegungsmuster bleiben unberührt, sie werden durch das Tragen von sensomotorischen Einlagen lediglich optimiert.

Durch sensomotorische Einlagen werden bei Fehlstellungen des Fußes oder funktional bedingten Fehlhaltungen neue bzw. verbesserte motorische Bewegungsmuster erlernt.

Ihre positive Einflussnahme ist bei kindlichen Fußdeformitäten und Gangstörungen, bei erwachsenen Schmerzpatienten, teilweise bei neurologischen Erkrankungen als auch bei Sportlern gegeben.

Eine genaueste Analyse des Fußes während der Belastung ist mit der pedografischen Fußdruckmessung möglich

Beispiel Sport

Jede Sportart ist charakterisiert durch ihre eigenen speziellen Bewegungsabläufe und Belastungen, die eine überhöhte Beanspruchung mit sich bringen. Das erfordert je nach Sportart, Person und Schuh individuell unterschiedliche Therapielösungen, so z. B. sensomotorische Einlagen, die nach einer genauen Untersuchung je nach Sportart und Indikation spezifisch für die Bedürfnisse des Sportlers angefertigt und angepasst werden. Sie optimieren seine Leistungsfähigkeit und verhindern bzw. reduzieren schmerzhafte Fehlbelastungen.

Über die Korrektur der Fußstellung richten sich betroffene Gelenke – wie OSG, Knie, Hüfte und Wirbelsäule – neu aus. Sie unterstützen den Körper, eine gezielte Bewegung koordiniert auszuführen, und helfen, Fehlstellungen statisch, dynamisch und muskulär zu korrigieren.

Sensomotorische Einlagen stabilisieren die Muskelketten von den Füßen aufwärts. Nicht genutzte Ressourcen werden so aktiviert.

Merkmale sensomotorischer Einlagen

  • Sie werden je nach Sportart / Indikation spezifisch für die Bedürfnisse des Sportlers angefertigt.
  • Sie optimieren die tragfähigen Belastungsbereiche am Fuß.
  • Sie verbessern die Bewegungsabläufe und ver-mindern eine muskuläre Überanstrengung
    (Muskelübersäuerung).
  • Dadurch ergibt sich ein funktionell verbesserter Bewegungsablauf und ein effizienterer Muskeleinsatz.
  • Sie reduzieren Überlastungssymptome der Fuß-, Knie- und Hüftgelenke.
  • Optional werden individuelle Druckentlastungszonen eingearbeitet.
  • Sie werden individuell an die Sportschuhe angepasst, ermöglichen somit eine Verbesserung der Verbindung Fuß / Schuh.

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