Artikel erschienen am 18.02.2026
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Der unterschätzte Performance-Faktor: Mundgesundheit im Profisport

Wie Zahnentzündungen Training, Regeneration und Wettkampf beeinflussen

Von Carolin Hochberger, Braunschweig

Eine Studie im Kontext der Olympischen Spiele ergab, dass 55 % der Sportler Karies aufwiesen, 76 % an Zahnfleischerkrankungen wie Gingivitis oder Parodontitis litten und 15 % Zahnerosionen (Schmelzabbau) zeigten (1). Lediglich 8,7 % hatten eine klinisch gesunde Mundhöhle. Zudem gaben 40 % an, im vergangenen Jahr Zahnschmerzen oder andere Probleme im Mundbereich gehabt zu haben. Diese Zahlen liegen deutlich über denen der Allgemeinbevölkerung und verdeutlichen, dass orale Erkrankungen im Sport kein Randphänomen darstellen.

Warum Sportler und Sportlerinnen ein erhöhtes Risiko haben

Leistungssport bringt spezifische Belastungen für Zähne und Zahnfleisch mit sich. Während Training und Wettkampf greifen viele Athleten regelmäßig zu Sportgetränken, Energy-Gels oder kohlenhydrathaltigen Riegeln. Diese liefern schnell verfügbare Energie, enthalten jedoch häufig Zucker und Säuren, die das Risiko für Karies und Zahnerosionen deutlich erhöhen. Gleichzeitig führt intensive körperliche Belastung oft zu verstärkter Mundatmung. Dadurch trocknen die Mundschleimhäute aus, der schützende Speichelfilm wird reduziert und die natürliche Reinigungs- und Pufferfunktion des Speichels nimmt ab.

Ein weiterer Faktor ist der eng getaktete Trainingsalltag. Zeitmangel führt dazu, dass die tägliche Mundhygiene verkürzt wird und insbesondere die Reinigung der Zahnzwischenräume häufig vernachlässigt bleibt. Hinzu kommt ein erhöhtes Maß an psychosozialem Stress, der das Immunsystem schwächen, die Zusammensetzung des Speichels verändern und Zähneknirschen oder Pressen begünstigen kann.

Paradoxerweise wird die Mundgesundheit trotz des hohen Gesundheitsbewusstseins von vielen Spitzensportlern unterschätzt. Orale Erkrankungen werden nicht unmittelbar mit körperlicher Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht, verlaufen zudem oft schleichend oder ohne akute Schmerzen. Noch fehlt in vielen Sportprogrammen eine systematische sportzahnmedizinische Betreuung.

Orale Entzündungen wirken auf den ganzen Körper

Entzündungen in der Mundhöhle bleiben nicht auf Zähne und Zahnfleisch begrenzt. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass chronische orale Entzündungsherde Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und das Immunsystem nehmen können. Für Sportlerinnen und Sportler bedeutet dies eine zusätzliche Belastung des Organismus, die Regenerationsprozesse verzögern und die Leistungsfähigkeit mindern kann. Das Deutsche Fußballnationalteam hat dies bereits erkannt und lässt seine Profifußballer regelmäßig von Dr. Siegfried Marquardt als Sportzahnarzt betreuen und behandeln.

Neben der Entzündungsprävention spielt die funktionelle Diagnostik eine zunehmende Rolle in der Sportzahnmedizin. Dabei werden Kiefergelenke, Bisslage und muskuläre Zusammenhänge analysiert, um funktionelle Störfaktoren zu identifizieren. Auf dieser Basis können individuell angepasste Mundschutz-, Regenerations- oder sogenannte Performance-Schienen angefertigt werden. Diese können helfen, muskuläre Spannungen zu reduzieren, die Stabilität zu verbessern und in bestimmten Situationen sogar leistungsrelevante Effekte zu unterstützen. Voraussetzung hierfür ist stets eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Ärzten, Physiotherapeuten und Trainern.

Zahntrauma im Sport: Schnelles Handeln schützt Zähne und Leistung

Zahnverletzungen sind im Sport keine Seltenheit und werden häufig unterschätzt. Dabei ist eine schnelle und fachgerechte Behandlung entscheidend für den weiteren Verlauf. Wird ein Zahntrauma nicht rechtzeitig oder unzureichend versorgt, können dauerhafte Schäden, wiederkehrende Entzündungen oder sogar der Verlust von Zähnen die Folge sein. Eine spezialisierte Betreuung trägt dazu bei, Folgeschäden zu vermeiden, die Heilung zu unterstützen und langfristig Funktion, Gesundheit und Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Sportzahnmedizin ist eine eigenständige Qualifikation

Somit ist nicht jeder Zahnarzt automatisch für die Betreuung von Leistungs- oder Profisportlern qualifiziert. Ein allgemeiner Zahnarzt besitzt exzellente Grundlagenkenntnisse – doch für die Betreuung von Leistungssportlern braucht es spezifisches Wissen. Die Sportzahnmedizin stellt ein eigenes Fachgebiet dar, das spezifisches Wissen über Belastungsphysiologie, Regeneration, funktionelle Zusammenhänge und Trauma-Management erfordert.

Fazit: Gesunde Zähne – stabile Performance!

Mundgesundheit ist kein „Nice-to-have“, sondern ein relevanter Leistungsfaktor im Sport.Die Häufigkeit von Karies, Zahnfleischerkrankungen und Entzündungen bei Athletinnen und Athleten zeigt klaren Handlungsbedarf. Sportzahnmedizin schließt eine entscheidende Lücke in der medizinischen Betreuung, schützt die Gesundheit und trägt dazu bei, Leistungsfähigkeit und Regeneration nachhaltig zu sichern.)

Quelle: 1 Needlemann et al. 2013 - https://bjsm.bmj.com/content/47/16/1054

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