Artikel erschienen am 19.02.2026
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Gelenkverschleiß am Knie bei X- und O-Beinen

Umstellungsosteotomie an der unteren Extremität – was ist das und wann ist sie sinnvoll?

Von Dr. med. Andreas Gruner, Braunschweig
Andreas Gruner
Dr. med. Andreas Gruner
Ltd. Oberarzt Sektionsleiter Unfallchirurgie

Was bedeutet Umstellungsosteotomie?

Der Begriff setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen:

  • Osteotomie bedeutet „Knochen schneiden“.
  • Umstellung beschreibt die Korrektur einer Fehlstellung.

Bei einer Umstellungsosteotomie wird ein Knochen (meist Ober- oder Unterschenkelknochen) operativ durchtrennt und in einer neuen, korrigierten Position fixiert. Ziel ist es, die Belastung im Gelenk neu zu verteilen und so Schmerzen zu reduzieren und eine künstliche Gelenkprothese hinauszuzögern.

Wann kommt die Operation infrage?

Eine Umstellungsosteotomie wird vor allem empfohlen bei:

  • Achsenfehlstellungen wie X-Beinen (Genu valgum) oder O-Beinen (Genu varum)
  • einseitigem Knorpelverschleiß im Kniegelenk (beginnender Arthrose)
  • Überlastungsschmerzen durch falsche Gewichtsverteilung.

Wie läuft die Operation ab?

  1. Planung: Mittels Röntgen oder CT/MRT wird die genaue Fehlstellung vermessen.
  2. Durchführung: Der Knochen wird chirurgisch durchtrennt und in der gewünschten Achse neu ausgerichtet.
  3. Fixierung: Spezielle Platten und Schrauben stabilisieren die neue Position.
  4. Heilung: Der Knochen wächst in der korrigierten Stellung wieder zusammen.

Nach der Operation

  • Rehabilitation: Schon früh beginnt die Physiotherapie, um Muskulatur und Beweglichkeit zu fördern.
  • Belastung: Je nach Stabilität darf das operierte Bein schrittweise wieder belastet werden.
  • Heilungsdauer: In der Regel dauert es 8-12 Wochen, bis Knochen und Muskulatur wieder vollständig belastbar sind.

Vorteile der Umstellungsosteotomie

  • Verzögerung oder Vermeidung einer Gelenkprothese
  • Schmerzlinderung durch bessere Lastverteilung
  • Erhalt des natürlichen Gelenks und der Aktivität im Alltag

Mögliche Risiken

Wie bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es Risiken wie Infektionen, Wundheilungsstörungen oder erneute Fehlstellungen oder ausbleibende Knochenheilung. Eine sorgfältige Nachsorge und ärztliche Begleitung sind daher entscheidend.

Fazit

Die Umstellungsosteotomie an der unteren Extremität ist eine bewährte Methode, um Fehlstellungen zu korrigieren und Gelenke langfristig zu entlasten. Sie eignet sich besonders für aktive Patient*innen mit beginnendem Verschleiß, die ihre natürliche Beweglichkeit möglichst lange erhalten möchten.

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