Artikel erschienen am 11.04.2011
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Energieeinsparung mit System

Von Dipl.-Ing. (FH) Dirk Tiemann, Braunschweig

Nicht nur Bestrebungen seitens der Regierung sorgen für eine zunehmende Sensibilisierung zum Energiesparen – stetig steigende Energiepreise in den letzten Jahren und schlechte Aussichten auf Besserung zwingen Haushalte und Unternehmen, sich mit dem Thema Energieeffizienz zu befassen.

Energieeffizienz mit Strategie

Eine strukturierte und sichere Art und Weise, dauerhaft und effektiv Energieeinsparungen zu etablieren, ist die strategische Einführung eines Energiemanage-
mentsystems (EMS).

Kommen Ihnen folgende Aussagen bekannt vor?

  • Niemand ist für den Bereich Energie verantwortlich.
  • Energiekosten werden als Fixkosten betrachtet.
  • Subsysteme innerhalb sich ändernder Unternehmensstrukturen sind undurchschaubar.
  • Mitarbeiter betrachten „ihre Prozesse“ als optimiert und begegnen weiteren Analysen skeptisch.

Durch die Einführung eines EMS können Sie mit professionellen Mitteln Kosten einsparen, einen nachhaltigen Beitrag zum Umweltschutz leisten, Ressourcen nachhaltig bewusst nutzen, Ihre Außendarstellung verbessern und Ihre Mitarbeiter nachhaltig sensibilisieren.

Energiemanagementsystem mit Zertifizierung nach DIN 16001

Neben den Effekten der Energieeinsparung gibt es für produzierende Unternehmen gute Gründe, eine Zertifizierung im Bereich EMS anzustreben. Zum einen ist geplant, Steuern- und Abgabenreduzierungen nur noch EMS-zertifizierten Unternehmen zu gewähren, zum anderen kann dies ein deutlicher Wettbewerbsvorteil sein.

Die Bundesregierung plant ab 2013 Reduzierungen von Stromsteuer und EEG-Abgaben nur noch zu gewähren, wenn das betreffende, produzierende Unternehmen entsprechend zertifiziert ist. Daneben kann ein Lieferant von seinen Zulieferern verlangen, dass der Nachweis energieeffizienter Produktion durch z. B. Zertifizierung nach DIN 16001 oder ähnlichem erfolgt.

Systematik eines Energiemanagementsystems

Das betriebliche Energiemanagement der DIN EN 16001 folgt dem PDCA-Kreislauf (Plan, Do, Check, Act) anderer bekannter Managementsysteme wie ISO 14001 und ISO 9001. Die Leitlinien werden in der „Energiepolitik“ des Unternehmens festgeschrieben.

Die Erklärung zur Energiepolitik sollte folgende Punkte enthalten:

  • Verpflichtung des Managements zur kontinuierlichen Steigerung der Energieeffizienz
  • Festlegung des Anwendungsbereichs und der Grenzen
  • Verpflichtung der Geschäftsleitung zur Bereitstellung von Informationen und Ressourcen
  • Bereitstellung eines Rahmens zur Festlegung und Überprüfung strategischer und operativer Energieziele
  • Verpflichtung zur Befolgung aller gesetzlichen Anforderungen
  • Unterrichtung der Mitarbeiter
  • regelmäßige Kontrolle.

Der Weg zum gezielten Energiesparen

Zum Aufbau eines EMS ist es notwendig, Verantwortliche für den Prozess zu benennen. Nur so lässt sich das System nachhaltig etablieren und begleiten.
Grundlage für eine Steigerung der Energieeffizienz bildet die systematische Erfassung und Analyse der Energieverwendung. Je höher der Verbrauch, desto feiner sollte die Messung sein; und je detaillierter die Messung, desto leichter können Einsparpotenziale aufgedeckt werden. Bei einem EMS spielt die Dokumentation eine zentrale Rolle. Von Anfang an ist eine übersichtliche und nachvollziehbare Struktur aufzubauen. Die aufzubereitenden Daten bilden die Basis für das Energiemanagementprogramm und die Energieziele. Bei der Umsetzung der DIN EN 16001 sind die aktuell gültigen und relevanten Gesetze, Vorschriften und Verordnungen einzuhalten. Daneben kommen auch Förderprogramme zur Anwendung, die die Umsetzung von Einsparpotenzialen erleichtern.

Definition von Energiezielen

Nach einer Bestandsaufnahme können in Einklang mit der Energiepolitik globale, langfristige (strategische) Ziele entwickelt werden, die dann mit kürzer angelegten (operativen) Zielen nach dem PDCA-Prinzip verwirklicht werden. Die operativen Ziele müssen für alle beeinflussbaren Parameter, die sich entscheidend auf den Energieverbrauch auswirken, gesetzt werden. Bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass die jeweiligen Parameter messbar sind. Auf der einen Seite sollen die Ziele ehrgeizig genug, auf der anderen aber so realistisch sein, dass sie in der vorgegebenen Zeit umgesetzt werden können.

Das PDCA-Prinzip – Energiemanagementsystem in der Praxis

Individuell nach den Strukturen Ihres Unternehmens ausgelegt gilt es, die erforderlichen Schritte in einem Energiemanagementprogramm zu bündeln und regelmäßig zu aktualisieren. Das Wichtigste ist, die gesetzten operativen Ziele, die geplanten Maßnahmen sowie die Zuständigkeiten und Zeitrahmen zu priorisieren und zusammenzufassen.

PLAN – Priorisieren der Energieziele

Zunächst werden die Anlagentechnik und die Produktionslinien im Unternehmen in Bezug auf Optimierungspotenziale untersucht. Energieeffizienz, Wirkungsgrade der Aggregate und Möglichkeiten alternativer Energienutzung bilden dabei die Rahmenbedingungen der Analyse. Eine erste Einordnung der Ziele erfolgt im Rahmen einer Kosten-Nutzen-Abschätzung. Die Ableitung der Energieziele und die Aufstellung des Aktionsplanes, nach dem diese Ziele abgearbeitet werden, folgen. Im Energiemanagementprogramm wird diese Phase abschließend dokumentiert.

DO – Umsetzen der Effizienzmaßnahmen

Damit Maßnahmen effektiv umgesetzt werden können, müssen nicht nur bauliche Veränderungen geplant und durchgeführt werden. Neben den benötigten Ressourcen zur Sicherstellung der Implementierung und Umsetzung des EMS muss vor allem die Bewusstseinsbildung für Energieeffizienz in Ihrem Unternehmen gestärkt werden. Die Sensibilisierung und das Training Ihrer Mitarbeiter gehören genauso zum Programm wie die Dokumentation der durchgeführten Maßnahmen. Die relevanten Prozesse für Energieeffizienz, inklusive der Beschaffung und Wartung von Anlagen, müssen kontinuierlich begleitet und überprüft werden.

CHECK – Kontrolle der Maßnahmen

Im Rahmen des EMS sollen langfristig Erfolge erzielt und gehalten werden. Eine kontinuierliche Transparenz der aktuellen Verbräuche und Energieflüsse ist erforderlich. Die regelmäßige Auswertung dieser Kennzahlen sichert Ihnen die nachhaltige Umsetzung der gesteckten Ziele. Abweichungen lassen sich schnell erkennen und können kurzfristig korrigiert werden. Daneben werden die organisatorischen und administrativen Prozesse regelmäßig geprüft und – wenn nötig – ebenfalls korrigiert. So gerüstet, können Sie die zyklischen Audits mit Erfolg beenden.

ACT – Handeln

Die Struktur des Energiemanagementsystems nach DIN 16001 sieht vor, dass nicht nur die handelnden Personen in Ihrem Unternehmen die Vorgaben der DIN befolgen sondern auch das Top-Management. In regelmäßigen Abständen findet eine Überprüfung des EMS durch die Geschäftsleitung statt, die die Angemessenheit und Effektivität der Energiepolitik, ihrer Ziele und Indikatoren sowie den Stand des Energiemanagements bewertet.

Energieeffizienz für Einsteiger

Hier schließt sich der Kreis. Der Prozess wird fortgesetzt und die Energieeffizienz damit langfristig gesichert. Wenn Ihnen an dieser Stelle der umfassende Prozess des EMS zu aufwendig erscheint, Sie aber dennoch mögliche Effizienzpotenziale aufzeigen und priorisieren lassen möchten, können Sie selbstverständlich das EMS auch
in Form von Teilschritten starten.

Es empfiehlt sich zunächst in einer Initialberatung mit nachfolgender Detailberatung, die Effizienz der Anlagentechnik professionell untersuchen zu lassen. Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen der aufgezeigten Maßnahmen versetzen Sie in die Lage, eine Priorisierung vorzunehme und so langfristig eigenverantwortlich über mögliche Einsparungen zu entscheiden. Sofern Ihr Unternehmen den Förderrichtlinien der KfW-Bankengruppe entspricht, werden die Initialberatung mit max. 80 % und die Detailberatung mit max. 60 % bezuschusst.

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