Artikel erschienen am 09.12.2015

Altkleider und Schuhe sicher spenden

Deutsche Kleiderstiftung sammelt und verteilt international Sachspenden

Von Ulrich Müller, Helmstedt

Die Deutsche Kleiderstiftung sammelt in ganz Deutschland gebrauchte und neue Kleidung sowie Schuhe und Haushaltswäsche. Rund 2 500 Kirchengemeinden, soziale Einrichtungen und gemeinnützige Organisationen bitten für die Kleiderstiftung um Sachspenden. Pro Woche werden mehr als 65 000 Kilogramm Textilien und Schuhe mit Fahrzeugen der Kleiderstiftung transportiert. Zusätzlich wird seit 2013 die kostenfreie Paketspende angeboten. Die Kleiderstiftung führt das Gütezeichen von FairWertung.

Deutschland ist europäischer Spitzenreiter bei Altkleiderspenden. Etwa 800 000 Tonnen werden jährlich in die Sammlungen gegeben. Die Spender möchten, dass ihre Sachspenden hilfsbedürftigen Menschen und karitativen Organisationen zu gute kommen. Seit Jahren drängen immer mehr, teils illegal agierende Akteure auf den hart umkämpften Markt. Das Spangenberg-Sozial-Werk sammelt seit mehr als 50 Jahren verlässlich und transparent Kleidung für humanitäre Hilfe. 2012 gründete der Verein die gemeinnützige Organisation „Deutsche Kleiderstiftung“ und kann nach strukturellen Änderungen sowie inhaltlichen Anpassungen auch in Zukunft bedürftigen Menschen bestmöglich helfen. Traditionell sammelt die Kleiderstiftung mit rund 2 500 Partnern ausrangierte Kleidung, Schuhe und Haushaltswäsche.

Zusätzlich zu den etablierten Sammlungen bietet die Kleiderstiftung seit 2013 deutschlandweit auch die kostenfreie Paketspende an. Bekleidung, Haushaltstextilien und Schuhe können in großen Kartons über Paketdienste an die Kleiderstiftung geschickt werden. Der Versandschein kann auf der Website ausgedruckt werden. Die Paketspende macht es den Spendern möglichst einfach, Gutes zu tun: Sie ist zeitlich und örtlich unabhängig. Pakete von 10 bis 15 Kilogramm sind ideal, um die Portokosten im Verhältnis zum Spendenvolumen möglichst effektiv zu nutzen. Täglich werden Pakete in Helmstedt angeliefert. Von Hand werden die Kartons sowie die Spenden der lokalen Sammlungen geöffnet. Nach 16 Warengruppen und vier Qualitätsstufen werden sie sortiert. So können Kleiderkammern und soziale Einrichtungen im In- und Ausland passend zu ihrem Bedarf kostenlos mit Spenden versorgt werden. Flüchtlingsinitiativen werden unbürokratisch unterstützt. International engagiert sich die Kleiderstiftung bei Hilfsprojekten u.a. in Osteuropa, Indien und Togo. Durch die Paketspende sowie verschiedene Marketing- und Presseaktivitäten wird die Kleiderstiftung national bekannter gemacht.

Botschafter vor Ort:die Zweimalschön Charity-Shops

Abgelegte Kleidung und Schuhe, Kleinmöbel, Bücher, Spielzeug und Hausrat finden in den Charity-Shops Zweimalschön neue Besitzer. Die Kleiderstiftung hat die Shops konzipiert und betreibt sie. 40 Ehrenamtliche arbeiten dort operativ. Die Läden in Braunschweig (seit 2013) und Magdeburg (seit 2015) erhalten die Sachspenden direkt von Spendern sowie von der Kleiderstiftung. Mit Veranstaltungen wie Modenschauen, pädagogischen Angeboten für Kitas und Schulen sowie Workshops, z. B. zum Thema Upcycling, werden die Shops bekannt gemacht. Sie finanzieren sich selbst. Erzielte Gewinne werden für die Projekte der Kleiderstiftung eingesetzt.

Ethische Standards des Dachverbands FairWertung e. V.

Die Kleiderstiftung ist Mitglied im Dachverband FairWertung, einem Netzwerk, das sich für mehr Transparenz beim Textilrecycling einsetzt. Seine Kriterien beinhalten unter anderem den gemeinnützigen, nachvollziehbaren und umweltschonenden Umgang mit gebrauchter Kleidung und die fachgerechte Entsorgung von Textilresten. Die Stiftung finanziert sich durch den Verkauf der Waren, die nicht verteilt werden können und über Geldzuwendungen. Das Grundstück in Helmstedt mit Gebäude wurde 2012 in wertbeständiges Vermögen der Kleiderstiftung umgewandelt. Zuschüsse oder Kirchensteuermittel stehen nicht zur Verfügung. Zustiftungen und Treuhandstiftungen unter dem Dach der Kleiderstiftung sind möglich.

Fotos: Panthermedia/Babenkodenis, Igor Zakharevich

Ähnliche Artikel

Stiftungen

Stiftungspartner

Wie Stifter, Stiftungen und Stiftungsdienstleister zur Stärkung des Gemeinwesens wirkungsvoll zusammenarbeiten können

„Es wandelt, was wir schauen“ – so beginnt ein Gedicht Joseph von Eichendorffs, das die Flüchtigkeit all dessen beschreibt, an das wir uns gewöhnt und auf das wir uns eingerichtet haben. Den Wandel, von dem von Eichendorff spricht, erfährt jeder von uns im Laufe seines Lebens nicht nur im privaten Bereich, sondern auch als Teil unserer Gesellschaft.

Braunschweig 2016–2018 | Axel Richter, Braunschweig | Tina Schirmer, Braunschweig

Stiftungen

Der Stifter – ein unbekanntes Wesen?

Franz Beckenbauer ist es, Günther Grass zählt dazu, ebenso wie Jürgen Klinsmann, Reinhard Mohn und Christiane Herzog – sie alle sind Stifter und setzen sich gezielt für gemeinnützige Anliegen ein. Bedeutet das aber, dass Stiftungen nur Prominenten und Vermögenden vorbehalten sind? Eine Untersuchung der Bertelsmann Stiftung belegt das Gegenteil: Gute Ideen und ein aktiver Einsatz sind beim Stiften genauso wichtig wie das Geld.

Braunschweig 2011 | Dr. phil. Karsten Timmer, Mannheim