Artikel erschienen am 01.05.2012
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Ambulante Versorgung auf dem Prüfstand

Vorteile vernetzter Praxisstrukturen

Von Dr. iur. Steffen Ullrich, Braunschweig

Die Leistungsfähigkeit unseres Gesundheitssystems steht auf der Kippe. Ärztliche Einzelpraxen verkümmern mehr oder weniger zum Auslaufmodell. Vor dem Hinter­grund zunehmend komplexerer Behandlungs­angebote und zunehmendem Kosten­drucks gewinnt der Vernetzungs­gedanke zu großen ambulanten Ver­sorgungs­einheiten immer mehr an Bedeutung und bietet viele Vorteile für Patienten und Mediziner!

Trend geht zum Ausbau von Kooperationen

Obgleich die Zahl der Jungärzte stetig abnimmt, nimmt der systembedingte Kostendruck aller Ärzte überproportional zu. Trotzdem ist die allgemeine Erwartungs­haltung gewaltig. Der mündige Patient erwartet eine individuelle Betreuung im Kontext umfassender (zuzahlungs­freier) ambulanter Versorgung. Ärzte hingegen streben schlanke, kosten­effiziente Strukturen zur Erhaltung ihrer wirt­schaft­lichen Leistungs­fähigkeit an. Beide Ziele lassen sich bestenfalls mit großen, vernetzten Ver­sorgungs­einheiten realisieren. Auf beruflicher Ebene sind Zusammen­schlüsse zu regionalen bzw. über­regionalen Gemein­schafts­praxen oder Medizinischen Versorgungs­zentren denkbar. Ein loser örtlicher Verbund von Einzel­praxen verschiedener Fachrichtungen lässt sich unter dem Dach eines Arzthauses darstellen. Dazu sind Koopera­tionen mit Kranken­häusern bedingt möglich.

Vorteile vernetzter Praxen – Patienten und Ärzte profitieren

Für Patienten bedeuten Kooperationen, dass ein optimiertes Leistungsangebot mit einer Vielzahl von spezialisierten Medizinern zur Verfügung steht. Dabei können „Daten­ver­luste“ durch Lotsen als Ansprechpartner im „Dschungel“ nachgelagerter Fach­arzt­praxen vermieden werden. Vernetzte Praxen gewähr­leisten zudem kurze Wege. Auch Wartezeiten und Doppel­befundungen sollen sich so deutlich reduzieren lassen.

Ärzte können durch geschickte Vernetzung Synergieeffekte nutzen und so finanzielle Risiken abfedern, Arbeitsbedingungen ver­bessern und die Verhandlungsstärke gegenüber Krankenkassen stärken. Durch ein­heit­liche EDV und gemein­same Nutzung von Geräten und Personal können Kosten zugunsten eines besseren Versorgungs­angebotes eingespart werden. Nicht selten werden heut­zu­tage Betreiber­gesell­schaften eingesetzt.

Vernetzte Praxen gewährleisten zudem kurze Wege. Wartezeiten und Doppel­unter­suchungen lassen sich reduzieren!

Auf die richtige Gestaltung kommt es an

Für Ärzte wird es besonders wichtig, sich im Kooperationsgeflecht der neuen Ver­sorgungs­landschaft richtig zu positionieren. Nur dann können Mediziner und Patienten von den Vorteilen vernetzter Strukturen profitieren. Der Erfolg wird nicht zuletzt aufgrund zu erwartender juristischer Fallstricke von der individuellen Gestaltung der vertraglichen Rahmen­bedingungen abhängig sein.

Bild: Panthermedia/Gualtiero Boffi

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