Artikel erschienen am 16.05.2014
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Der Trick mit dem Klick

Der Locator: ein implantatgetragenes Verankerungssystem für Totalprothesen

Von Holger Schäfer, Braunschweig

Früher oder später ist es für viele Patienten so weit – der oder die letzten Zähne eines Kiefers müssen entfernt werden. Was bleibt, ist der sogenannte zahnlose Kiefer, der mit einer Totalprothese versorgt werden muss.

Da mit den letzten Zähnen auch die letzten mechanischen Verankerungen verloren gegangen sind, bleibt der Prothese nur noch der Saugeffekt als haltende Kraft. Dieser wird durch einen abdichtenden Prothesenrand erreicht und durch die Zähflüssigkeit des Speichels (oder eines Haftmittels) verstärkt. Da der hierdurch erzielbare Halt der Prothese nicht immer den Anforderungen des Alltags gerecht wird, haben viele Patienten große Probleme. Während es im Oberkiefer durch die größere Auflagefläche der Prothese und der Form des Gaumens häufig zu einem akzeptablen Halt reicht, sieht es im Unterkiefer schon schlechter aus. Die Unterkieferprothese sitzt nicht fest genug, um beim Kauen und Sprechen an ihrem Platz zu bleiben.

Diese Mobilität der Prothese hat zwei gravierende Auswirkungen:

a) Das Prothesenlager – also die Fläche, auf der die Prothese sitzt – wird ständig gereizt. Dieses kann zu schmerzhaften Scheuerstellen führen und sich negativ auf den Kieferknochen auswirken.
b) Ein hoher Verlust an Lebensqualität durch die Verunsicherung des Patienten. Viele Speisen können nicht mehr verzehrt werden oder werden umständlich klein geschnitten. Die Prothese „klappert“ beim Kauen und es besteht immer die Angst, dass z. B. beim Husten die Prothese herausfällt. Oftmals ziehen sich solche Patienten aus dem gesellschaftlichen Leben aus Scham zurück.

Abhilfe schaffen da die Implantate, die – wie künstliche Zahnwurzeln – in den Kieferknochen eingebracht werden. Sind diese fest in den Kieferknochen eingeheilt, besteht die Möglichkeit, durch unterschiedlichste mechanische Verankerungen den Halt der Prothese wieder zu gewährleisten. Ausreichende wirtschaftliche Mittel und eine gute Feinmotorik vorausgesetzt, besteht die Möglichkeit, grazile, feinmechanische verankerte Prothesen anzufertigen. Diese sitzen absolut fest auf den Implantaten und stellen in allen Belangen ein Optimum da.

Doch was ist mit den Patienten, die nicht über so viel Geld verfügen oder aus gesundheitlichen Gründen keine ausreichende Feinmotorik haben? Denen steht mit dem Locator-System eine bewährte funktionelle Alternative zur Verfügung.

Aber was ist eigentlich ein Locator?

Er besteht aus zwei Komponenten: Dem Locator-Abutment und der Matrize. Beim Locator-Abutment (Aufbau) handelt es sich um ein aus Titan gefrästes Verankerungssystem zur Implantatversorgung. Es ist zusätzlich mit Titannitrit (TiN) überzogen, um eine höhere Widerstandsfähigkeit zu gewährleisten, dadurch auch die goldene Farbe. Dieser ist funktionell in drei Bereiche zu unterteilen. Der obere Bereich, der die Schleimhaut überragt und eine ringförmige, horizontale Verdickung am oberen Ende aufweist. Der mittlere Teil, der zylindrisch geformt ist, durch unterschiedliche Längen die situationsabhängige Schleimhautstärke ausgleicht und den unteren Teil, der die Verankerung in das jeweilige Implantatsystem gewährleistet.

Die Matrize stellt das Gegenstück zum Locator-Abutment dar und befindet sich in der Prothese. Sie ist zweiteilig und besteht aus einem Matrizengehäuse aus rostfreiem Stahl sowie einem Insert aus Nylon. Das Insert ist durch einen Schnappmechanismus im Gehäuse verankert. Es stehen verschiedene, farbcodierte Inserts zur Verfügung, welche sich in Bezug auf Anwendungsbereich, Abzugskraft und Einschubrichtung unterscheiden.

Das im Jahre 2001 eingeführte Locator-System hat sich in den letzten Jahre dermaßen durchgesetzt, dass fast alle Implantatanbieter es in ihrem Lieferprogramm haben. Wobei sich lediglich die Implantataufnahme unterscheidet, der prothetische Anteil ist immer gleich.

Wenn nun die Matrize, die sich in der Prothese befindet, sich beim Einsetzen der Prothese über das Locator-Abutment drückt, greift das Nylon-Insert über dessen Verdickung und rastet hörbar ein. Es ist durchaus mit einem Druckknopf zu vergleichen. Dieser Klick beim Einsetzen der Prothese ist für den Patienten die Information, dass die Prothese richtig sitzt. Durch die unterschiedlichen Inserts, mit ihren verschiedenen Abzugskräften lässt sich dann einstellen, wie fest die Prothese sitzen soll. Neben der einfachen Handhabung des Ein- und Ausgliederns der Prothese ist die leichte Reinigungsfähigkeit ein weiterer Vorteil dieser Versorgungsform.

Locator-Versorgungen lassen sich sowohl im Oberkiefer als auch im Unterkiefer herstellen. Selbst bei ungünstigen Implantatpositionen ist es technisch möglich, Locator getragene Prothesen anzufertigen und somit für einen ausreichenden Halt der Prothese zu sorgen.

Fazit

Auf Implantaten stellt der Locator ein vielseitiges und ausgereiftes Verankerungssystem dar. Seine Langlebigkeit, aufgrund der Verschleißfestigkeit der Komponenten, zusammen mit der leichten Tauschbarkeit der Inserts spricht für sich. Die einfach zu reinigenden Locator-Abutments begünstigen die Langlebigkeit der Implantate. Die selbstlokalisierende Konstruktion der Locator-Komponenten ermöglicht dem Patienten ein einfache Einsetzen der Prothese. Dieses ist besonders wichtig, wenn man bedenkt, dass die Patienten im zunehmenden Alter häufig Probleme mit der Motorik bekommen oder eventuell auch pflegende Kräfte mit einer solchen Versorgung zurechtkommen müssen.

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