Artikel erschienen am 03.06.2015
E-Paper

Eine Brille – zwei Menschen

Von Angelika Willigerod-Bauer, Celle

Diesen Gedanken hatte die Stiftunglife aus Celle. Und seit Herbst letzten Jahres gibt es dazu das Projekt „Eine Brille – zwei Menschen“. In einer Behindertenwerkstatt in Addis Abeba in Äthiopien werden von Behinderten Brillenrahmen in Handarbeit hergestellt. Optiker in Deutschland übernehmen diese Gestelle und spenden pro Brillengestell 50 Euro an die Stiftunglife. Diese 50 Euro werden in Addis Abeba dann jeweils für eine Operation gegen den grauen Star (Katarakt) genutzt. Die Operationen für bedürftige Menschen werden von zwei äthiopischen Augenärztinnen in einer Klinik durchgeführt, die der Behindertenwerkstatt angeschlossen ist.

Für den Käufer einer solchen Brille, die sein Optiker natürlich mit den passenden Gläsern versehen hat, gibt es noch eine sehr schöne Besonderheit. Schaut er nun in den rechten Bügel der Brille, ist dort ein Code eingegeben. Diesen Code kann er auf der Website der Aktion unter www.2sehen.de einfügen und lernt dann die Person per Foto und Beschreibung kennen, die in Addis Abeba dank seines Brillenkaufs eine Kataraktoperation erhalten hat. Und er weiß: Durch sein Engagement kann ein Mensch in Äthiopien wieder sehen.

Mittlerweile haben sich in Deutschland Optiker dem Projekt „Eine Brille zwei Menschen“ als Botschafter angeschlossen, die diese qualitativ hochwertigen Rahmen verkaufen und pro Gestell 50 Euro an die Stiftunglife spenden. Einen Überblick der bereits beteiligten Optiker gibt es unter www.2sehen.de/staedte. Da das Projekt aber noch jung ist, werden in ganz Deutschland Optiker gesucht, die sich engagieren möchten (Kontakt zur Stiftunglife: ).

In der Behindertenwerkstatt in Addis Abeba, wird seit über 25 Jahren mit einem Spezialistenteam für medizinische, therapeutische und handwerkliche Maßnahmen Hilfe zur Selbsthilfe unter den Behinderten in der Hauptstadt Äthiopiens in die Tat umgesetzt. Ursprünglich als NGO unter dem Namen Signum Vitae von Schweizern gegründet, ist es heute eine Kooperative mit 86 zumeist behinderten Mitarbeitern und einer angeschlossenen Augenklinik mit 15 Mitarbeitern, in der bis zu 120 Patienten täglich behandelt werden. In einem Land ohne Krankenversicherung und mit einer durch 30 Jahre Bürgerkrieg geschwächten Wirtschaft haben Behinderte außer einem Bettlerdasein normalerweise keine Überlebenschance.

Info

Äthiopien ist eines der ärmsten Länder der Welt mit 97,7 Mio. Einwohnern, die eine Lebenserwartung von 50 Jahren haben. Die Augenkrankheit grauer Star ist sehr weit verbreitet. Es gibt knapp eine Millionen blinde Menschen in Äthiopien und noch nicht einmal 100 Augenärzte im ganzen Land.

Der graue Star ist eine Trübung der Augenlinse, erkennbar an einer Graufärbung hinter der Pupille. Zuerst empfinden die Betroffenen ein verschwommenes Sehen, eine fortschreitende Abnahme der Sehschärfe und zunehmende Lichtempfindlichkeit. Betroffene sehen die Welt wie durch einen Nebel. Die Ursache dieser Kataraktentwicklung ist u. a. die starke UV-Strahlung in Äthiopien , die die Augenlinse – auch schon von vielen jungen Menschen – schädigt . Außer dem chirurgischen Eingriff gibt es keine Möglichkeit, den Grauen Star zu behandeln. Die Linse wird dabei entfernt und durch eine Kunststofflinse ersetzt.

Fotos: Stiftunglife

Ähnliche Artikel

Gesundheit

Die Sportfreunde Braunschweig e. V. stellen sich vor ...

Die Sportfreunde Braunschweig, sind seit dem 20.09.2012 ein eingetragener und gemeinnütziger Verein. Der Ansatz ist, etwas Sinnvolles für Menschen im Bereich des Sports zu entwickeln, die ein körperliches, geistiges oder seelisches Handicap haben.

Braunschweig 2018/2019 | Tina Klose, Braunschweig

Gesundheit

Inklusion und Fußball

Die Sportfreunde als Brückenbauer

Menschen mit einer geistigen, körperlichen oder seelischen Behinderung haben oftmals in den sogenannten „normalen“ Fußballvereinen keine Möglichkeit, aktiv dabei zu sein. Berührungsängste, Leistungsanforderungen im laufenden Spielbetrieb oder auch fehlende Ressourcen in den Vereinen sind leider in der Regel das Ausschlusskriterium für diese Zielgruppe. Die Sportfreunde Braunschweig e. V. setzen genau an diesem Punkt an und haben erste Angebote initiiert.

Braunschweig 2014 | Tina Klose, Braunschweig