Artikel erschienen am 01.11.2012
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Möglichkeiten der förderunabhängigen Unternehmensfinanzierung

Es kommt auf den richtigen Kurs mit einer nachhaltigen Finanzierungsstrategie an!

Von Dipl.-Kfm. (FH) Andreas Tieftrunk, Braunschweig | (B.A.) Daniel Marth, Magdeburg

Karl-Heinz Kegler ist geschäftsführender Gesellschafter eines Logistikunternehmens in Mitteldeutschland. In den letzten Jahrzehnten profitierte das mittelständische Unternehmen in vielerlei Hinsicht von den Struktur- und Fördermitteln des Bundes und der Länder. Mithilfe von Zuschüssen der öffentlichen Hand konnten zahlreiche Investitionsprojekte realisiert werden. Zum Ausbau der Marktstellung investierte Herr Kegler etwa in die Erweiterung des Fuhr- und Maschinenparks sowie die Qualifizierung seiner Mitarbeiter. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt unterstützte die Vorhaben durch die Zurverfügungstellung von Fördergeldern.

Für die Zukunft plant Kegler weiteres Wachstum. Kurzfristig soll in neue Fahrzeuge, eine Lagerhalle und weiteres Personal investiert werden. Die Zeiten hierfür scheinen günstig. Durch die Kofinanzierung mit öffentlichen Mitteln scheint auch die Finanzierung für das Vorhaben gesichert. Während Herr Kegler die geplanten Investitionen gedanklich noch einmal Revue passieren lässt, erinnert er sich an ein kürzlich geführtes Gespräch mit einem befreundeten Unternehmer. Beide kennen sich seit mehreren Jahren, sind in der gleichen Region angesiedelt und tauschen sich am Stammtisch regelmäßig zu neuen Entwicklungen und Herausforderungen aus.

Im Gespräch berichtete der Freund von einem vor Kurzem geführten Gespräch zwischen ihm, seiner Hausbank und der ihn begleitenden Unternehmensberatung. Oberster Punkt der Agenda waren die Herausforderungen, die sich aus den ab 2014 geltenden Einschränkungen der Fördermittel ergaben. Am Ende des Gespräches hatten die Beteiligten die Finanzierungsstruktur und Investitionsplanung eingehend auf Risiken überprüft. So stellte sich heraus, dass kleine und mittlere Unternehmen trotz der Verringerung der Fördermittel weiterhin Zugang zu öffentlichen Zuschüssen besitzen.

In diesem Moment verstand auch Herr Kegler, dass er Zuschüsse nicht mehr als selbstverständlichen Baustein der Unternehmensfinanzierung interpretieren durfte. Vielmehr war die Zeit gekommen, um die Investitionsplanung der kommenden Jahre auf Risiken und mögliche Lücken zu überprüfen, die durch eine Veränderung der Förderlandschaft entstehen können.

Rückblick auf die aktuelle Förderkultur und was die Zukunft bringt …

Deutschland verfügt über eine ausgeprägte Förderkultur. Aktuell existieren circa 2 000 verschiedene Förderprogramme in den Bereichen gewerbliche Förderung, kommunale Förderung, Wohnungs- und Städtebau, Landwirtschaft sowie sonstigen Themengebieten. Neben direkten Zuschüssen und Subventionen erfolgt die Förderung oft durch zinsgünstige Darlehen, Bürgschaften oder öffentliche Beteiligungen.

Etwa 20 % dieser Fördermittel werden von mittelständischen Unternehmen in Anspruch genommen. Insbesondere in den neuen Bundesländern haben sie sich zu einem bedeutenden Instrument der Finanzierungsstrategie entwickelt. Dennoch stellt der Zugang zu öffentlichen Geldern nach wie vor eine Herausforderung dar. Ein umfangreicher Antragsprozess, die große Menge der einzureichenden Unterlagen, eine Vielzahl von Regularien sowie deren häufige Änderungen sind für viele Unternehmer ein Grund, sich mit dem Thema nicht eingehend auseinanderzusetzen. Aus diesem Grund erweist es sich oftmals wieder als hilfreich, gemeinsam mit einem externen Partner Chancen und Risiken der aktuellen Förderlandschaft zu analysieren.

Ab Januar 2014 beginnt eine neue Förderperiode, die zahlreiche Änderungen der jetzigen Regularien mit sich bringt. Beispielsweise wird zunehmend eine Umstellung von Zuschuss- auf Darlehensförderungen stattfinden. Tendenziell wird davon auszugehen sein, dass bisherige – nicht zurückzuzahlende – Zuschüsse durch zinsgünstige Darlehen ersetzt werden.

Basel III und die Stärkung der Innenfinanzierung

Seit der Einführung von Basel II im Jahr 2006 sind deutsche Kreditinstitute zur Stärkung des Risikomanagements und zu einer Erhöhung der Eigenkapitalquote auf mindestens 8 % angehalten. Mit der geplanten Einführung von Basel III in 2013 erhöhen sich die Anforderungen an Banken weiter, mit teilweise weitreichenden Konsequenzen für Unternehmen. So werden ab 2013 Eigenkapitalquoten von 10 % sowie erhöhte Standards für Überprüfungs- und Offenlegungsprozesse durch die Bankenaufsicht verlangt. Weiterhin soll die Bedeutung bankinterner Ratingverfahren steigen und eine Grenze für die Verschuldung der Institute eingeführt werden.

Welche Auswirkungen ergeben sich für die Finanzierungsmöglichkeiten mittelständischer Unternehmen? Im ersten Schritt werden Banken ihr Kreditgeschäft noch stärker auf Risiken untersuchen müssen. Die unterschiedlichen Risikoarten (Kreditrisiken, Marktrisiken, operative Risiken) werden gemeinhin Einzug in den Ratingprozess halten. Daher erscheinen eine Veränderung des Ratingprozesses sowie ein höheres Informationsinteresse wahrscheinlich.

Diese Informationen umfassen zwangsläufig qualitative (z. B. Marktanalyse, Einschätzung des Geschäftsführers) sowie quantitative Aspekte (z. B. Rentabilitäts-, Liquiditäts-, Umschlagskennzahlen). Gemäß einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young erwarten Banker mit der Einführung von Basel III steigende Kreditkosten und eine geringere Versorgung von Unternehmen mit Krediten.

Demnach stehen Unternehmen bei der Umsetzung ihres Wachstumskurses vor zwei Herausforderungen: Zum einen könnte die Verfügbarkeit öffentlicher Mittel als Finanzierungsbaustein sinken. Zum anderen könnte auch die Kreditvergabe der Banken zunehmenden Einschränkungen unterliegen.

Unternehmer sollten daher zeitnah zwei Handlungsmaßnahmen auf ihre Agenda setzen: Einerseits sollte eine kritische Analyse des eigenen Unternehmens und des relevanten Marktes verstärkt auch aus Perspektive des Finanzierungspartners erfolgen, um eventuellen Einwänden und Stolperfallen dem Bankgespräch vorweg zu nehmen. Dies umfasst neben der Sensibilisierung für die Ratingsysteme der Kapitalgeber auch ein Verständnis für die (stärker risikoorientierte) Sichtweise des Bankers auf das Marktumfeld. Andererseits können Unternehmer die Abhängigkeit von den Entwicklungen auf dem Bankenmarkt durch die Auseinandersetzung mit alternativen Finanzierungsquellen reduzieren.

Als Alternative bieten sich z. B. Formen der Beteiligungsfinanzierung an. Beteiligungsgesellschaften stellen Unternehmen für die Umsetzung chancenreicher Wachstums- oder Rationalisierungsprojekte Eigenkapital oder Mezzanine-Kapital (eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital) zur Verfügung. Die Finanzierung durch Beteiligungskapital muss dabei nicht einen Verlust der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit mit sich bringen. So stellen z. B. die Beteiligungsgesellschaften der Länder eigenkapitalähnliche Mittel zur Verfügung, sogenannte stille Beteiligungen, ohne im Gegenzug Gesellschaftsanteile am Unternehmen abzugeben. Ein wesentlicher Vorteil der Beteiligungsfinanzierung besteht darin, dass das zur Verfügung gestellte Kapital in der Regel als wirtschaftliches Eigenkapital im Rahmen des Ratings bei Banken gewertet wird. Somit verbessert die Finanzierung durch Beteiligungskapital auch Bilanzkennzahlen, die aus Bankensicht eine wichtige Rolle für die Vergabe von Krediten spielen.

Erkenntnisse und mögliche Handlungsoptionen für den Mittelstand

Karl-Heinz- Kegler hat soeben den Telefonhörer aufgelegt. Nach seinen Überlegungen zur weiteren Wachstumsstrategie führte er ein langes Telefonat mit dem befreundeten Unternehmer, um zu erfahren, welche Maßnahmen dieser aufgrund der kommenden Entwicklungen und der Diskussion mit seinen Dienstleistern ergreifen will.

Kegler notiert die nächsten Schritte für sein Unternehmen:

Handlungsoptionen

(1) Prüfung der Investitionsvorhaben auf aktuelle Zuschussmöglichkeiten

Wahrscheinlich wird Herr Kegler auch in naher Zukunft nicht gänzlich auf die Nutzung von Fördermitteln verzichten müssen. Unabhängig davon, ob diese als Zuschüsse oder Darlehen gewährt werden, sollte sich gezielt mit einem Spezialisten hierzu ausgetauscht werden.

(2) Analyse des eigenen Unternehmens aus der Bankperspektive

Zur Vorbereitung auf die Gespräche mit Banken, die unverändert ein wichtiger Finanzierungspartner für Unternehmen bleiben werden, gilt es, deren Ratingsysteme zu verstehen. Eine Auseinandersetzung mit Fragestellungen zur strategischen Erfolgspositionierung des Unternehmens am Markt und im Wettbewerb sollte in Ergänzung realisiert werden. Ein Gespräch auf Augenhöhe ist nur dann möglich, wenn beide Beteiligten dieselbe Sprache sprechen.

(3) Prüfung alternativer Finanzierungsmöglichkeiten

Die Beteiligungsfinanzierung ist nur einer von vielen Bausteinen, die Unternehmer zur Finan-zierung nutzen können. Dennoch kann sie eine übergeordnete Rolle für Wachstumsvorhaben und innovative Unternehmen spielen. Da Beteiligungen in der Regel als Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Finanzierung gewährt werden, stellt sich folgende Frage: Möchte ich eine tatsächliche Eigenkapitalbeteiligung einwerben und entsprechende Mitwirkungsrechte des Kapitalgebers zulassen oder ziehe ich eine stille Beteiligung vor, bei welcher der Kapitalgeber lediglich Informations- und unter Umständen Kontrollrechte besitzt? In beiden Fällen kann Beteiligungskapital eine Möglichkeit der Finanzierung sein.

Bild: Panthermedia/Jacek Fulawka

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