Artikel erschienen am 20.05.2014
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Orthopädische Rehabilitation

Von Dipl.-med. Waldemar Czosnowski, Bad Harzburg

Rehabilitation ist die Wiederherstellung der körperlichen, geistigen und beruflichen Fähigkeiten eines durch Krankheit, Unfall oder angeborene Fehler geschädigten Menschens, einschließlich seiner Wiedereingliederung in das gesellschaftliche und berufliche Leben. Bei der direkten Übersetzung des Wortes Rehabilitation stoßen wir im Latein auf das Wort habilis, was Geschicklichkeit und Tauglichkeit bedeutet – Eigenschaften, die durch Krankheit ja nun einmal verloren werden können. Das verdeutlicht natürlich die Aufgaben in der Rehabilitation am besten.

Die Wiederherstellung der Fähigkeiten und die soziale und berufliche Wiedereingliederung von Patienten mit Funktionsstörungen des Bewegungsapparates bilden den Mittelpunkt der Behandlung in der orthopädischen Rehabilitation. Wenn eine operative Versorgung häufig in der Lage ist, die Ausgangssituation innerhalb von wenigen Stunden zu verbessern, so stellt sie dennoch in vielen Fällen nur das solide Fundament für eine vollständige Wiederherstellung dar. Für das Ergebnis ist eine erfolgreiche Nachbehandlung mindestens genauso entscheidend.

Ein modernes Rehabilitationszentrum verfügt über die Möglichkeiten der stationären und ganztägig ambulanten Rehabilitation. Eine solche Klinik ist insbesondere auf medizinisch anspruchsvolle Anschlussheilbehandlungen un­mittelbar nach Operationen, Unfällen sowie akuten chronischen orthopädischen Erkrankungen ausgerichtet. Die Patienten werden von einem multidisziplinären Team von Spezialisten ganzheitlich betreut. Ein auf die individuell vereinbarten Rehabilitationsziele abgestimmter Therapieplan sowie die Durchführung und Anpassung der Rehabilitationsmaßnahme bilden die zen-tralen Bausteine des Behandlungskonzeptes. Bei der Rehabilitation von Patienten nach Hüft- und Kniegelenkendoprothesen sollte das behandelnde Team über große Erfahrungen bei der Re­habilitation von Patienten nach komplexen Schultergelenkseingriffen einschließlich Schultertotalendoprothesen, Behandlung nach Wirbelsäulen- und Bandscheibenoperationen, Eingriffen am Muskel-, Sehnen- und Bandapparat, Behandlung nach konservativ und operativ versorgten Knochenbrüchen und der prothetischen Versorgung von Patienten nach Gliedmaßenamputationen verfügen.

Ziel der orthopädischen Therapie ist die Wiederherstellung einer möglichst beschwerdefreien Mobilität und das Erreichen der gleichberechtigten Teilnahme am Leben in der Gesellschaft und nach Möglichkeit im Beruf. Nach der Übernahme aus der operierenden Klinik findet ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Patienten statt. Gemeinsam mit dem Patienten wird ein realistisches, individuell abgestimmtes Therapieziel formuliert. Auf der Basis des aktuellen Gesundheitszustandes und der Mobilität wird dann ein individuell auf den Patienten zugeschnittener Therapieplan ausgearbeitet. Im Mittelpunkt der Therapien stehen körperlich aktivierende Maßnahmen zur Steigerung der allgemeinen Mobilität, die von einem erfahrenen Therapeutenteam begleitet werden. Neben der Kräftigung der Muskulatur, der Verbesserung der Ausdauerleistung und Koordinationsschulung werden auch Maßnahmen zur Prävention von Folgeschäden durchgeführt. Bei einer Anschlussheilbehandlung werden neben dem körperlichen Krankheitsgeschehen auch die psychische und soziale Situation des Pa­tienten miteinbezogen. Die medizinische Versorgung wird hauptsächlich von den vielfältigen therapeutischen Möglichkeiten der Physiotherapie und der physikalischen Medizin geprägt und durch spezielle Techniken, z. B. manuelle Therapie, Reflexbehandlung, individuelle Ergotherapie und Behandlung im Bewegungsbad, ergänzt.

Schwerpunkt einer orthopädischen Behandlung sollte die enge Zusammenarbeit zwi­schen der Akutorthopädie und der orthopädischen Reha­bilitation sein. Dadurch wird eine effektive und sehr komplexe Behandlung der Patienten ermöglicht.

Foto: Panthermedia/Arvidas Saladauskas

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