Artikel erschienen am 28.10.2016
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Schulterschmerz und Sport

Verschleiß, Verletzung oder Überlastungsschaden?

Von Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Braunschweig

Spricht man vom Schultergelenk, so werden hier verschiedene Strukturen zusammengefasst: einerseits das Gelenk zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne, dann das Schultereckgelenk und die Strukturen in der Region zwischen Oberarmkugel und Schulterdach.

Das Schultergelenk ist insofern besonders anfällig, als eine sehr große Gelenkkugel einer sehr kleinen Gelenkpfanne gegenüber steht (Abb. 1). Dies ist wichtig, um den enormen Bewegungsspielraum, den das Schultergelenk bietet, zu ermöglichen. Dieses Bewegungsspiel findet nicht nur zwischen der Oberarmkugel und der Gelenkpfanne statt, sondern auch im Schultereckgelenk in der Region zwischen Schulterblatt und Brustkorb und im Gelenk zwischen Schlüsselbein und Brustbein.

Abb. 1: Röntgenbild eines Schultergelenkes

Im orthopädischen Alltag gibt es eine Vielzahl an Patienten, die nach Sportausübung über Schulterbeschwerden klagen. Relativ einfach ist die Diagnostik bei akuten Sportverletzungen. Hierbei handelt es sich bei jungen Patienten häufig um Instabilitäten und Verrenkungen des Schulterhauptgelenkes, d. h., die Kugel verlässt die Pfanne entweder teilweise oder ganz. Hierbei kommt es zu typischen Schäden, insbesondere an der Gelenklippe, welche die Schulterpfanne umgibt. Das Ziel der Gelenklippe ist es die Stabilität zu erhöhen und die Kontaktfläche zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne zu vergrößern. Kommt es zu einer Verrenkung, wird diese Gelenklippe geschädigt und es kommt zu wiederholten Instabilitäten. Nach entsprechender Diagnostik ist es ein Leichtes, per Gelenkspiegelung diese Gelenklippe wieder zu befestigen. Solche Instabilitäten findet man anlagebedingt bei Sportlern (z. B. Werfern oder Handballern) häufig auch ohne auslösenden Unfall. Bei genauerer Abklärung findet man hier oft Veränderungen der Pfanne, der Gelenklippe oder der Kapsel, die das Gelenk instabil machen.

Was man des Weiteren nach Stürzen an den Weichteilen häufiger sieht, sind Schäden der sog. Rotatorenmanschette, einer Muskelmanschette, die den Oberarmkopf umgibt und diesen in der Pfanne zentriert. Wenn diese Rotatorenmanschette geschädigt ist, ist die Kraft in der Schulter reduziert, und der Kopf ist nicht mehr adäquat geführt und dies führt zu Beschwerden. In jüngeren Jahren bei nicht ausgeprägter Verschleißsituation dieser Rotatorenmanschette macht es Sinn, diese entweder per Gelenkspiegelung oder durch einen kleinen Zugang zu nähen. Ab einem gewissen Lebensalter dominieren Schädigungen, die nicht unbedingt durch einen Unfall, sondern mehr durch eine Überlastung oder durch die Verschleißveränderungen in der Schulter ausgelöst sind. Mit zunehmendem Alter kommt es häufig zu verschleißbedingten Veränderungen der tiefen Muskelmanschette, der Rotatorenmanschette. Durch die Schädigung der Rotatorenmanschette oder eine Abschwächung derselben steigt der Oberarmkopf relativ zur Pfanne nach oben und drückt auf den Schleimbeutel zwischen der Muskelmanschette und dem Schulterdach, was zu typischen Beschwerden führt, die als Impingement-Syndrom bezeichnet werden. Hierdurch klagt der Patient bei Überkopftätigkeiten, bei belastenden Tätigkeiten und insbesondere nachts über Schmerzen in der Schulter. Diese können selbstverständlich zunächst nichtoperativ behandelt werden. Wenn aber dauerhaft Beschwerden vorliegen, die mit Infiltrationen und krankengymnastisch nicht therapierbar sind, kann man den Schleimbeutel entfernen. Dies findet dann oft im Rahmen einer Schulterspiegelung (Abb. 2, 3) statt.

Abb. 2: OP-Setting einer Schulterspiegelung

Abb. 3: Blick unter das Schulterdach nach Entfernung des Schleimbeutels

Bei bestimmten sportlichen Tätigkeiten, insbesondere bei Werfern und Tennisspielern, kann es zu einer akuten Überlastung des Schultereckgelenkes kommen. Hier können sich verschleißbedingte Veränderungen ausprägen, die dann punktuell zu Beschwerden im Bereich der vorderen Schulter führen. Auch hier wird zunächst konservativ behandelt, aber häufig ist hier eine Teilentfernung des äußeren Schlüsselbeinendes nötig, um diese Beschwerdesymptomatik zu nehmen.

Die Diagnostik und Therapie dieser Schultergelenkerkrankungen, und hier sind nur ein Teil davon aufgezählt worden, erfordert einen hohen Grad an Erfahrung und eine differenzierte Diagnostik, um die Strukturen gezielt anzugehen, die beschwerdeauslösend sind. Es ist vielfach nicht ausreichend, die Folge, sprich die Schleimbeutelentzündung, zu behandeln, ohne die genaue Diagnose bzw. ohne die genaue Ursache wie z. B. die Instabilität oder die Rotatorenmanschettenschädigung gezielt anzugehen.

Fotos: Herzogin Elisabeth Hospital

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