Artikel erschienen am 16.06.2015
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Wenn das Herz aus dem Takt gerät

Kardiale Resynchronisationstherapie (CRT) gibt den richtigen Rhythmus vor

Von Dr. med. Christian Zellerhoff, Hannover

Bei einer Herzinsuffizienz führt die zu schwache Pumpleistung des Herzens zu Stauungen bzw. Flüssigkeitsrückhaltungen im Körper. Blut wird wegen des geschwächten Herzens nicht an die richtigen Stellen gepumpt. Rückstauungen bilden sich dann etwa in Lunge, Bauch oder Beinen, zeigen sich durch eine zunehmende Atemlosigkeit und werden spür- und sichtbar durch hervortretende Halsvenen, ein „Rasseln“ der Lunge, Wasser in Lunge, Bauch und Beinen. Die Ursachen einer Herzinsuffizienz können etwa ein Herzinfarkt, eine Entzündung des Herzmuskels oder Herzrhythmusstörungen sein.

Bisherige Therapieoptionen bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz waren neben einer der Krankheit angemessenen gesunden bzw. diätischen Lebensweise mit kontrollierter Bewegung die medikamentöse Therapie mit herzentlastenden Medikamenten (ACE-Hemmer, Betablocker, Diuretika), in bestimmten Fällen auch ein Herzkathetereingriff, eine Bypassoperation, ein Klappenersatz oder gar die Herztransplantation.

Für bestimmte Herzinsuffizienz-Patienten, die besondere Kriterien erfüllen, erweist sich jedoch die sog. kardiale Resynchronisationstherapie (Cardiac Resynchronization Therapy, CRT) als alternativer Weg. Sie wird dann in Ergänzung zur medikamentösen Therapie eingesetzt. Das aus dem Takt geratene Herz, genauer das durch die Erkrankung hervorgerufene dyssynchrone Zusammenspiel der Vorhöfe und Herzkammern, wird durch elektronische Stimulation wieder synchronisiert. Das führt in der Konsequenz zu einer Verbesserung der Pumpfunktion des Herzens und damit zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität und der Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten.

Bei der CRT wird ähnlich wie bei einem normalen Herzschrittmacher ein kleiner elektronischer Impulsgeber unter der Haut platziert. Insgesamt drei Elek­troden werden im Herzen positioniert. Eine im rechten Vorhof, jeweils eine in der rechten und über der linken Herzkammer. Mit dem Gerät verbunden messen die Elektroden die elektrischen Impulse. Zusätzlich können winzige elektrische Impulse vom Gerät zum Herzen übertragen werden, die den Herzmuskel stimulieren und dazu führen, dass er synchron kontrahiert. Da der CRT-Impulsgeber mit beiden Herzkammern (Ventrikeln) verbunden ist, wird die CR-Therapie auch „biventrikulärer Schrittmacher“ genannt.

Durch die elektrische Stimulation der beiden Herzkammern wird das Zusammenziehen des Herzmuskels koordiniert, sodass die Wandbewegungen aufeinander abgestimmt erfolgen. Das Zusammenspiel der beiden Herzkammern wird hierdurch wieder abgestimmt bzw. resynchronisiert. Die kardiale Resynchronisation verbessert die elektrische Erregungsausbreitung (elektrische Impulse werden innerhalb von Millisekunden über Leitungsbahnen im ganzen Herzen verteilt und veranlassen es zu kontrahieren) und damit auch die mechanische Funktion des Herzens. Alle Herzabschnitte werden koordiniert erregt und spielen wie unter einem Dirigenten. Da Patienten mit einer fortgeschrittenen Herzinsuffizienz oft noch an Herzrhythmusstörungen leiden, die zum lebensbedrohlichen Kammerflimmern führen können, wird meist ein sog. CRT-D-Gerät, eine Kombination aus einem CRT-Gerät und einem Defibrillator (ICD), dafür sorgen, dass neben der Resynchronisation des Herzens im Falle eines Kammerflimmerns ein rettender Elektroschock vom Gerät abgegeben wird. In der Folge arbeiten die beiden Herzkammern wieder gemeinsam, um das Blut ohne Stauungen weiter in den Körper zu pumpen. Die Beschwerden verringern sich. Das Herz arbeitet wieder effektiver, wenn seine aus dem Takt geratenen „Mitspieler“ dank einer CRT wieder als Team ihre Arbeit verrichten.

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