Artikel erschienen am 01.10.2014
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Topthema: Fachkräftemangel

Florian Bernschneider im Interview

Von Florian Bernschneider, Braunschweig

300 000 Stellen sind derzeit im deutschen Mittelstand unbesetzt. Den Schaden beziffern Volkswirte auf über 30 Mrd. Euro Umsatzverlust pro Jahr – Tendenz steigend. Diese Zahlen zeigen: Das Thema Fachkräftemangel bleibt Topthema für die Zukunft und den Erfolg von Mittelständlern. Die Mittelstandsberatungsgesellschaft i-unit hat diese Herausforderung früh erkannt und verstärkt diesen Bereich nun durch ein eigenes Tochterunternehmen, die profil² Personalmanagement GmbH. Mit dem Geschäftsführer Florian Bernschneider sprachen wir im Service-Seiten-Interview.

Jeder zweite Mittelständler kann offene Vakanzen nicht oder nur schwer besetzen. Was raten Sie Mittelständlern, um zur besseren Hälfte zu gehören?
Bernschneider: Zu allererst raten wir, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Die Lage am Arbeitsmarkt ist in einigen Bereichen extrem angespannt. Trotzdem gibt es im Grunde keine hoffnungslosen Fälle. Wichtig ist nur, dass die Mittelständler die Zeichen der Zeit erkennen und ihre Bemühungen bei der Personalsuche danach ausrichten.

Keine einfache Aufgabe, wenn große Konzerne im Wettbewerb um die besten Köpfe deutlich mehr Mittel zur Verfügung haben.
Bernschneider: Das stimmt, aber zur Wahrheit gehört doch auch, dass für Arbeitnehmer heute viel mehr als nur das Gehalt zählt, wenn sie sich einen Arbeitsplatz suchen. Hier hat der Mittelstand einige Vorzüge gegenüber Konzernen, mit denen man auch aktiv werben sollte.

Sie meinen einen Slogan wie: „Lieber Entscheider im Mittelstand als kleines Rädchen im Konzern“?
Bernschneider: Ja, das ist ein wichtiger Aspekt, bleibt aber zu global. Damit können Sie vielleicht für den Mittelstand an sich überzeugen – der Bewerber weiß aber noch lange nicht, warum er nun gerade zu diesem oder jenem Mittelständler gehen soll. Wenn uns Kunden mit der Suche nach neuen Mitarbeitern beauftragen, erstellen wir vorab ein klares Unternehmensprofil, bei dem wir die Vorzüge des Unternehmens und der Stelle herausarbeiten. Welche Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen sich mit der ausgeschriebenen Stelle? Welche Entwicklungschancen gibt es in dem Unternehmen? Wir erleben häufig, dass gute Antworten auf solche Fragen auch Abstriche beim Gehalt aufwiegen.

Halten wir also fest: Man muss sich als Arbeitgeber heute also mehr ins Zeug legen als früher.
Bernschneider: Ja, und trotzdem darf am Ende nicht allein der Bewerber die Hosen anhaben. Wer meint, man müsse sich mit jedem Bewerber zufriedengeben, täuscht sich auch. Eine nicht besetzte Stelle kann teuer sein, eine Fehlbesetzung kostet aber meist noch viel mehr. Man muss also erst den richtigen Bewerber finden und sich dann ins Zeug legen, ihn für das Unternehmen zu begeistern.

Verraten Sie uns, wo Sie dabei auf die Suche gehen?
Bernschneider: Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben eine große eigene Datenbank mit Kandidaten, die sich beruflich weiterentwickeln wollen. Außerdem unterstützen wir Unternehmen, die Arbeitsplätze abbauen müssen, beim Outplacement. Wir haben Zugriff auf sogenannte Lebenslaufdatenbanken und bedienen uns vor allem unseres starken Netzwerks in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Geht es Ihnen dabei nur um Fach- und Führungskräfte?
Bernschneider: Darauf liegt unser Fokus, aber wir unterstützen auch in allen anderen Bereichen. Wir helfen ebenso bei der Suche nach Hilfskräften, erarbeiten Maßnahmenpakete zur Verbesserung des Betriebsklimas oder beraten Unternehmen, wie die Potenziale bei der Suche nach Auszubildenden besser gehoben werden können.

Was raten Sie denn beispielsweise beim Thema Azubi-Mangel?
Bernschneider: In vielen Unternehmen gibt es beispielsweise unzählige Bewerbungen für die Ausbildung in kaufmännischen Berufen, aber Bewerbungen für die Ausbildung im handwerklichen oder produzierenden Kerngeschäft bleiben aus. Das kann man hinnehmen und daran verzweifeln oder beispielsweise zu einem Kennenlerntag einladen und beiden Bewerbergruppen die Chancen außerhalb des Büros in der Werkshalle aufzeigen.

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