Artikel erschienen am 08.08.2023
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Die „besondere“ Narkose zur Operation der Halsschlagader (Carotis)

Der gut aufgeklärte Patient trifft seinen Narkosearzt, wenn bereits die Entscheidung zur Notwendigkeit einer Operation besprochen und vereinbart ist.

Von Prof. Apl. Dr. Med. Matthias Menzel, Wolfsburg | Dr. med. Rolf Grote, Wolfsburg-Fallersleben

Zudem ist in der unmittelbaren postoperativen Phase das Erkennen von möglichen Komplikationen, eine adäquate Schmerztherapie und das Blutdruckmanagement für diese Art von Eingriff sehr wichtig.

Zur Vorbereitung der Narkose kommt hier einer sorgfältigen Risikoerfassung insbesondere im Hinblick auf Risiken von Herz-Kreislauferkrankungen besondere Bedeutung zu. Beim Vorliegen eines arteriellen Bluthochdrucks (ca. 70 % der Patienten) sollte der Blutdruck medikamentös stabil eingestellt sein. Die vorbestehenden Medikationen werden in der Regel weiter verabreicht und sollten keinesfalls kurz vor der Operation abgesetzt werden. Bei allen Patienten schreiben wir in der Anästhesiesprechstunde ein EKG und bei neu aufgetretenen Veränderungen beziehen wir die Kardiologen des Klinikums zur Vorbereitung mit ein. Die ersten 12 bis 16 Stunden nach der Operation werden die Patienten in einer Überwachungseinheit (Intensivstation oder Stroke-Unit) betreut, damit wir mögliche Nachwirkungen der Operation wie Herz-Kreislaufschwankungen, neurologische Symptome oder Nachblutungen sofort erkennen. Hier erhalten die Patienten auch eine ausreichende Versorgung mit Schmerzmedikamenten.

Während der Operation gilt es alles zu vermeiden, was das Risiko einer Arterienverstopfung bei der Blutzufuhr zum Gehirn erhöht. Insbesondere ist der Patient von jeder Art von psychischer Belastung abzuschirmen. Die Narkose muss Schmerzfreiheit garantieren und sie muss dem Operateur ermöglichen, mit Hilfe von apparativem Monitoring oder mit Hilfe des kooperierenden Patienten die ausreichende Gehirndurchblutung zu überwachen.

Wie geht das?


Sowohl eine Allgemeinanästhesie als auch eine sogenannte „Teilnarkose = Regionalanästhesie plus leichtem Dämmerschlaf“, bei der der Patient jederzeit auf Fragen des Operateurs antworten kann, sind möglich. Entsprechend der aktuellen Leitlinie der Fachgesellschaften von 2020 gelten folgende Empfehlungen:
Bei der Entscheidung für das eine oder andere Verfahren soll der Patientenwunsch und die individuelle Erfahrung und Kompetenz des anästhesiologischen-gefäßchirurgischen Teams berücksichtigt werden.
Das anästhesiologisch-gefäßchirurgische Team sollte die Möglichkeit zu einer ultraschall-gesteuerten Lokal-/Regionalanästhesie anbieten, da durch das Wach-Monitoring eine Clamping-Ischämie schneller erkannt werden kann.

Wir im anästhesiologisch-gefäßchirurgischen Team im Zentrum für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie des Klinikums Wolfsburg haben uns entschieden, das Konzept der Regionalanästhesie zu etablieren. Der Patient unterstützt uns durch seine Mitarbeit dabei, das Wichtigste so gut wie möglich zu erreichen – frühzeitig Durchblutungsstörungen des Gehirns während der Operation zu erkennen und dann das operative Vorgehen optimal anzupassen. Mittels Ultraschall-Bildgebung führen wir eine Lokalanästhesie an der zu operierenden Seite am Hals durch (Plexus cervicalis superficialis und intermedius) (Abb. 1 und 2). Während der Operation und vor allem zu Beginn der Abklemmphase wird mit dem Patienten kommuniziert. Zusätzlich kann der Patient nach Aufforderung dem Operateur mit einem „Quietschentchen in der Hand“ (Abb. 3) seine motorische Funktionsfähigkeit während der Operation rückmelden. Der Anästhesist sorgt zusätzlich für einen leichten Dämmerschlaf und überwacht Herz-Kreislauf und Atmung.

Wir bekommen von unseren Patienten vielfach extrem positive Rückmeldungen zu unserem Konzept

„Als ärztlicher Kollege und Patient mit beidseitigen hochgradigen Carotisstenosen musste ich mich im Jahr 2019 zeitlich versetzt an beiden Halsschlagadern operieren lassen. Beide Operationen wurden in Regionalanästhesie und Sedierung durch die Kollegen in Wolfsburg durchgeführt. Ich bin mit dem Operationsergebnis sehr zufrieden. Die Operationen waren für

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