Artikel erschienen am 10.09.2016
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Auch chronische Schmerzen sind behandelbar

Hoffnung durch multimodale Schmerztherapie

Von Dr. med. Claudia Schulz-Sery, Langenhagen

Es betrifft viele von uns: Millionen Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. So nennt man Beschwerden, die länger als 3 bis 6 Monate anhalten. Meistens sind die Ursachen sogenannte degenerative Veränderungen der Wirbelsäule („Verschleiß“). Viele Menschen haben solche Veränderungen, aber nicht bei allen führen sie zu Dauerschmerzen.

Was ist zu tun, wenn die üblichen Therapien nicht helfen? Lang anhaltende Schmerzen können weitreichende Folgen nach sich ziehen: Schlafprobleme, Mutlosigkeit, sozialer Rückzug, drohender Verlust des Arbeitsplatzes mit finanziellen Engpässen.

Bei der Behandlung chronischer Schmerzen zeigen die Medikamente, die üblicherweise bei akuten Schmerzuständen eingesetzt werden (z. B. nach Operationen oder bei einem Knochenbruch), einen Wirkverlust oder helfen nicht ausreichend. Für eine Erfolg versprechende Behandlung müssen dann andere Aspekte berücksichtigt werden: Ein modernes Behandlungskonzept ist ganzheitlich und bearbeitet neben der medikamentösen Therapie auch die Auswirkungen der Schmerzkrankheit auf die verschiedenen Umfelder des Kranken. Nur so kann die körpereigene Schmerzhemmung, die sich bei chronisch Schmerzkranken erschöpft hat, wieder aktiviert und verstärkt werden.

Bio-psychosoziales Krankheitsmodell

Die Auswirkungen der Schmerzen auf die Lebensbereiche rücken in den Fokus. Die genetische Ausstattung und die Vorerfahrungen mit körperlichen und seelischem Schmerz prägen das Schmerzempfinden. Frauen empfinden Schmerzen häufig stärker als Männer, außer in der Schwangerschaft.

Die Psyche spielt eine entscheidende Rolle, denn unser Gehirn verarbeitet und bewertet die Schmerzen: Ein Fußballspieler wird in der Regel wegen eines gebrochenen Nasenbeins das Spiel nicht unterbrechen, sondern ist so sehr motiviert, dass er das Spiel beenden wird. Seelische Schmerzen (Ausgrenzung, Beobachtung von Leiden bei einer geliebten Person) rufen die gleichen Veränderungen im Gehirn hervor wie körperliche. Menschen mit Dauerschmerzen stehen unter hoher Anspannung, deshalb sind Entspannungstechniken und körperliches Training wichtige Bestandteile des Behandlungskonzepts. Bei vielen hat die falsche Vorstellung, Bewegung sei bei Schmerzen durch degenerative Veränderungen gefährlich oder sogar schädlich, zu übermäßiger Ruhe und Muskelabbau geführt. Diesen Teufelskreis, bestehend aus Anspannung – übermäßige Schonung – Muskelabbau, gilt es zu durchbrechen. Weiterhin führen sowohl zu starke Rücksichtnahme auf den Schmerzkranken als auch Überbelastung zu dem Gefühl, „zu nichts mehr zu taugen“ oder überfordert zu sein.

Multimodales Konzept

Im multimodalen Konzept zur Behandlung chronischer Schmerzen arbeiten die Therapeuten vieler Berufsgruppen auf Augenhöhe zusammen, entwickeln für jeden Patienten einen „Fahrplan“ und stimmen sich in Teambesprechungen ab. Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Schmerzmediziner, Orthopäden, Psychologen, Musik-, Kunst- und Theatertherapeuten und speziell ausgebildete Gesundheits- und Krankenpfleger sind beteiligt.

Bild: Panthermedia/Danr13

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