Artikel erschienen am 23.12.2015

Stiftungspartner

Wie Stifter, Stiftungen und Stiftungsdienstleister zur Stärkung des Gemeinwesens wirkungsvoll zusammenarbeiten können

Von Axel Richter, Braunschweig | Tina Schirmer, Braunschweig

„Es wandelt, was wir schauen“ – so beginnt ein Gedicht Joseph von Eichendorffs, das die Flüchtigkeit all dessen beschreibt, an das wir uns gewöhnt und auf das wir uns eingerichtet haben. Den Wandel, von dem von Eichendorff spricht, erfährt jeder von uns im Laufe seines Lebens nicht nur im privaten Bereich, sondern auch als Teil unserer Gesellschaft. So beobachten wir zum einen mit Sorge die demografische Entwicklung, den Umbau und die Absicherung unserer sozialen Netze und der in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebauten Infrastruktur angesichts der zunehmenden Finanzschwäche der öffentlichen Kassen, vor allem im kommunalen Bereich. Gleiches gilt auch für die sich aus den Flüchtlingsströmen ergebenden und in ihren Konsequenzen überhaupt noch nicht abzuschätzenden Integrationserfordernisse. Zum anderen erleben wir zeitgleich den Übergang erheblicher privater und unternehmerischer Vermögenswerte von der erfolgreichen Nachkriegsgeneration auf Kinder und Enkel.

Das wirft Fragen nach der Verantwortung des einzelnen Bürgers in und für die Gesellschaft auf. Das Engagement des Einzelnen ist heute wieder gefragt und erfreut sich zunehmend politischer und gesell­schaftlicher Aner­ken­nung. Immer mehr Menschen spüren diese Verantwortung und sind bereit, ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Erfahrung und auch ihr Vermögen anteilig oder ganz dafür einzusetzen.

Von der Idee zur wirkungskräftigen Stiftung

Die Errichtung einer Stiftung ist dabei vor allem für die diejenigen eine gute Option, die ihrer Idee, ihrer Überzeugung und ihrem Engagement einen nachhaltigen Ausdruck verleihen wollen. Die Stiftungsintention selbst, die richtige Form der Stiftung und sämtliche damit verbundenen zivilrechtlichen und steuerrechtlichen Erfordernisse sowie insbesondere die dafür zwingend erforderliche Vermögensausstattung wollen dabei sorgsam überlegt und geprüft werden. Ist die Stiftung dann errichtet, muss sie den an sie gestellten Anforderungen hinsichtlich Professionalität, Qualität, Effizienz, nachhaltigem Vermögenserhalt, Kooperationsfähigkeit und Transparenz entsprechen können.

Die Analyse des sog. Stiftungsbooms in den zurückliegenden drei Jahrzehnten zeigt, dass Quantität und Vielfalt allein noch keinen funktionierenden, wirkungskräftigen und erfolgreichen Stiftungssektor ausmachen. Gerade die seit einigen Jahren anhaltende Niedrigzinsphase hat dieses erkennbar werden lassen: Ohne eine überlegte Stiftungsstrategie, eine professionelle Organisation und vor allem ausreichende Kapitalerträge können Stiftungen ihrer gesellschaftlichen Bedeutung und ihren spezifischen Wirkungsmöglichkeiten nur sehr bedingt gerecht werden.

Damit sind Herausforderungen verbunden, denen sich Stifter und Stiftungen häufig allein nicht gewachsen fühlen oder nicht selbst stellen wollen. Dann sind seriöse, kompetente und verlässliche Dienstleister gefragt, die zwar – wie die Stiftungen selbst – wirtschaftlich rechnen müssen, sich aber mit dem Anliegen und dem Auftrag der Stiftungen identifizieren und mit diesen zusammen partnerschaftlich an einer optimalen Zweckerfüllung der Stiftungen arbeiten.

Stifter verdienen es, dabei eine seriöse und nutzungsorientierte und nicht in erster Linie umsatz- und profitorientierte Beratung und Begleitung durch kompetente Dienstleister zu erfahren. Gleiches gilt auch für die von ihnen errichteten Stiftungen.

Stiftungsdienstleister – verantwortungsbewusste und vertrauenswürdige Partner von Stiftern und Stiftungen

Es fällt auf, dass die quantitative und qualitative Weiterentwicklung der Stiftungs­land­schaft in Deutschland zunehmend von der Entwicklung eines breit gefächerten Informations- und Beratungsspektrum für Stifter und Stiftungen flankiert wurde: Selbstständige Berater und Stiftungsverwalter, Kanzleien, Agenturen, Institute, Akademien, Stiftungen selbst und sogar Fachhochschulen und Universitäten bieten inzwischen in einer Wettbewerbssituation ein vielfältiges Angebot zu allen Fragen der Stifterberatung und der Stiftungsverwaltung. Ein besonders anspruchsvolles und sensibles Feld ist dabei angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase die Vermögensanlage und -verwaltung. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass der Stifter heute auf dem Weg zur eigenen Stiftung vor Ort in aller Regel auf qualifizierte Berater und Stiftungsverwalter zurückgreifen kann. Zusammen mit diesen und den Stiftungs- und Finanzbehörden wird es ihm so gelingen, das richtige Format für seine Stiftung zu finden und umzusetzen.

Es empfiehlt sich, zunächst den tatsächlichen Beratungs- und Unterstützungsbedarf zu ermitteln und daraufhin Angebote und Konditionen genau zu prüfen, um zu einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis zu gelangen.

Vertrauenssache Treuhandstiftung

Gerade im lokalen und regionalen Bereich muss es nicht immer oder zunächst einmal nicht eine rechtsfähige Stiftung sein. Viele Stifter entscheiden sich angesichts des ihnen zur Verfügung stehenden Vermögens bewusst für eine Zustiftung oder eine Treuhand­stiftung und suchen sich hierfür eine bereits bestehende Stiftung als Treuhänderin. Sie haben so die Garantie, ihrer Idee und Überzeugung mit einer eigenen Satzung und mit einem eigenen Namen den gewünschten Ausdruck und die erforderliche Nachhaltigkeit zu verleihen, und nutzen dabei die in Verbindung mit der Treuhänderin möglichen Synergieeffekte bei der Verwaltung und Arbeit ihrer Stiftung.

Stiftungen – Mehrwert für die Region

Stiftungen haben vor allem dann einen Mehrwert für die Region, wenn Stifter, Stiftungen und beratende und verwaltende Dienstleister sowie Stiftungs- und Finanzbehörden fair, offen, konstruktiv und bedarfsorientiert zusammenarbeiten, weil Stiftungen nur so ein Höchstmaß an Effektivität und Effizienz entwickeln können.

Die Summe dieser Vorüberlegungen hat bei der Braunschweigischen Stiftung zu dem Entschluss geführt, den Menschen im Braun­schwei­gischen Land neben den ihr selbst zur Verfügung stehenden Förder­mitteln auch die über zwei Jahrzehnte hinweg über die eigene Kultur-, Wissenschafts- und Sportförderung erworbene Kompetenz sowie den damit verbundenen Erfahrungs­schatz in Form von Beratungs- und Stiftungs­verwaltungs­dienst­leistungen zur Verfügung zu stellen. So unterbreitet die Stiftungs­partner GmbH als 100-%ige Tochter­gesellschaft der Braun­schwei­gischen Stiftung seit dem Sommer 2015 interessierten Stifterinnen und Stiftern ein entsprechendes auf den Einzelfall zugeschnittenes bedarfs- und aufwands­gerechtes Angebot, um die Förderkraft der Region in ihren angestammten Förder­bereichen und da­rüber hinaus zu stärken, zu erhöhen und weiterzuentwickeln.

Foto: Panthermedia/Norbert Buchholz

Ähnliche Artikel

Stiftungen

Das Haus der Braunschweigischen Stiftungen

Ein Kooperationsprojekt macht das traditionsreiche bürgerschaftliche Engagement einer Region fit für die Zukunft

Die Stiftungslandschaft im Braunschweiger Land ist vielfältig und traditionsreich zugleich (siehe dazu Seite 6). Aktuell sind im Bereich der Regierungsvertretung Braunschweig, der im Braunschweiger Land zuständigen Stiftungsaufsichtsbehörde, über 300 rechtsfähige privatrechtliche Stiftungen verzeichnet, die sehr lebendig vom stetigen Einsatz der Bürger des Braunschweiger Landes für das Allgemeinwohl zeugen.

Braunschweig 2011 | Axel Richter, Braunschweig | Tobias Henkel, Braunschweig | Ulrich E. Deissner, Braunschweig

Stiftungen

Die Stiftungsgründung aus praktischer Sicht

Von der Idee, eine Stiftung zu gründen, bis zu ihrer Anerkennung durch die Stiftungsbehörde vergeht ein Menge Zeit. Der Stifter – soweit er „seine“ Stiftung zu Lebzeiten gründet – wird sich mit zahlreichen Themen auseinandersetzen, die für ihn i. d. R. neu sind.

Braunschweig 2016–2018 | Dipl.-Kfm. Jörg Bode, Braunschweig | Dipl.-oec. Uwe Groß, Braunschweig